Bürgermeister verzichtet in diesem Jahr – Nachbarkommunen haben verschiedene Formen von Bürgerrunden
Keine Ortsteilgespräche in Lübbecke

Lübbecke (WB). Auch in diesem Jahr wird Bürgermeister Frank Haberbosch (SPD) keine Sommertour durch die Stadt machen und Ortsteilgespräche abhalten. Das hat er in der jüngsten Ratssitzung auf Nachfrage von Hans-Martin Berger (CDU) gesagt. Haberbosch: »Ich habe 2018 ausgesetzt. Aus meiner Sicht war das Interesse recht überschaubar.« Er überlege aber, 2020 wieder zu Ortsteilgesprächen einzuladen.

Dienstag, 09.07.2019, 07:07 Uhr aktualisiert: 09.07.2019, 08:08 Uhr
2017 hat Bürgermeister Frank Haberbosch mit den Frühschoppen eine etwas andere Form der Ortsteilgespräche ausprobiert. In diesem Jahr will er wie 2018 darauf verzichten. Foto: Friederike Niemeyer

Haberboschs Vorgänger Eckhard Witte (CDU) hatte die jährlichen Ortsteilgespräche eingeführt und zudem auch eine regelmäßige Bürgersprechstunde im Rathaus angeboten.

CDU bedauert Verzicht

CDU-Fraktionsvorsitzender Klaus-Jürgen Bernotat bedauert, dass dieses Format nun ein zweites Jahr nicht durchgeführt wird. »So ein Gespräch ist immer gut, egal ob zehn oder 50 Menschen kommen.« Die Anzahl der Teilnehmer hänge oft damit zusammen, welche Themen gerade anliegen und wie zufrieden die Bürger vor Ort seien, so Bernotat. »Aber vom Grundsatz her ist ein Ortsteilgespräch eine gute Sache. Ich würde das begrüßen, aber bitte nicht nur im Wahljahr.« Man würde mehr für eine Sache erreichen, wenn die Bürger von vorneherein mit einbezogen wären, meint der Obermehner. Er bedauert außerdem, dass der Bürgermeister keine regelmäßige Sprechstunde hat.

Die hat übrigens, anders als noch vor ein paar Jahren, auch kein anderer Amtskollege im Altkreis Lübbecke. »Aber der Bürgermeister nimmt sich für jeden Bürger Zeit, der um ein Gespräch bittet«, sagt Espelkamps Sprecher Thorsten Siemon – stellvertretend für die Stimmen aus allen heimischen Rathäusern.

Unterschiedliche Formate

Ortsteilgespräche werden im Altkreis unterschiedlich gehandhabt. In Espelkamp laden die Dörfer bei Bedarf selbst dazu ein, nicht zwingend ist immer der Bürgermeister dabei. In Stemwede hat sich Bürgermeister Kai Abruszat (FDP) nach seiner Wahl bei Gesprächen in allen 13 Ortsteilen vorgestellt. Sein Kollege Bert Honsel (CDU) hat in Rahden nur unregelmäßig Ortsteiltreffen, dafür aber regelmäßig vor jeder Ausschusssitzung – nicht nur wie üblich vor jeder Ratssitzung – eine Einwohnerfragestunde. In Preußisch Oldendorf gibt es seit drei Jahren das Format der nicht öffentlichen Stadtteilkonferenzen, die zweimal im Jahr mit den Dorfgemeinschaften und Ortsheimatpflegern stattfinden, zuletzt in der neuen Mehrzweckhalle Bad Holzhausen.

Feste Tradition in Hüllhorst

In Hüllhorst sind die sommerlichen Gespräche in den acht Ortsteilen seit Jahren feste Termine im Kalender des Bürgermeisters. Für Holsens Ortsvorsteher kein Wunder: »Das ist für die Bürger eine gute Gelegenheit, einmal im Jahr Lob oder Kritik äußern und Fragen stellen zu dürfen«, sagt Hans Hamel (SPD). Um die 40 Einwohner würden in Holsen immer kommen. »Die Bürger fühlen sich ernst genommen. Es ist ganz wichtig, dass man sich darum kümmert, auch wenn es manchmal keine einfache Lösung gibt.«

Kommentar von Friederike Niemeyer

Wenn Hans-Martin Berger nicht gefragt hätte, wäre es den anderen Ratsmitgliedern überhaupt aufgefallen, dass für 2019 keine Ortsteilgespräche angesetzt sind? Rat und Verwaltung interessieren sich ohne Zweifel für die Belange der Menschen in ganz Lübbecke. Dies aber auch durch Präsenz und Gespräch vor Ort deutlich zu machen, ist im Sinne der Vertrauensbildung in Politik wichtig. Sonst bleibt »Bürgernähe« ein bloßes Lippenbekenntnis. Wie das ein Bürgermeister handhabt, ist sicherlich eine Frage des persönlichen Stils. Doch nur in Wahlkampfzeiten solche Formate einzuberufen, das kommt sicher nicht so gut an.

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