Ein Nachbarschaftsstreit eskaliert und beschäftigt die Gerichte Wenn Eier und Windeln fliegen

Lübbecke (WB). Über das Drama rund um einen Maschendrahtzaun hat 1999 dank Stefan Raab die halbe Republik gelacht. Doch ein echter Nachbarschaftsstreit ist nicht lustig. In Lübbecke ist solch eine Auseinandersetzung sogar derartig eskaliert, dass schon mehrere Gerichte tätig werden mussten. In Lübbecke ist Freitag ein Urteil verkündet worden.

Von Friederike Niemeyer
Vor dem Lübbecker Amtsgericht ist ein schwerer Nachbarschaftskonflikt verhandelt worden. Das Urteil hat am Freitag der Klägerin Recht gegeben.
Vor dem Lübbecker Amtsgericht ist ein schwerer Nachbarschaftskonflikt verhandelt worden. Das Urteil hat am Freitag der Klägerin Recht gegeben. Foto: Andreas Kokemoor

Ein voller und ein halber Verhandlungstag mit vielen Zeugenaussagen in der Sache Birgit Majowski gegen Mehmet Kabak (Namen geändert) liegen bereits hinter Amtsrichter Frank Westermann. Birgit Majowski hat Klage gegen ihren direkten Nachbarn eingereicht, damit er aufhört, sie zu beleidigen, den Zaun zu beschädigen und das Grundstück mit Unrat zu bewerfen. Kabak streitet dies ab, sieht vielmehr sich als Opfer von Beschimpfungen, rassistischen Äußerungen und Körperverletzung. Auch er hat seine Nachbarin schon mehrfach angezeigt.

Beklagter wird verurteilt

»Wenn die Klage abgewiesen wird, drehe ich durch«, sagt Birgit Majowski leise und sichtlich angespannt. Von den staatlichen Behörden fühlt sie sich allein gelassen. Ein Verfahren gegen ihren Nachbarn ist in Bielefeld kürzlich aus Mangel an Beweisen eingestellt worden. Sie nimmt in Begleitung einer Nachbarin im Lübbecker Gerichtssaal Platz. Von der Gegenseite sind die Ehefrau und der Sohn des Beklagten erschienen. Mehmet Kabak selbst wartet draußen im Auto.

Richter Westermann ergreift das Wort. Das Gericht verurteilt Kabak, die angezeigten Taten künftig zu unterlassen. Hält er sich nicht daran, wird ein Bußgeld von bis zu 250.000 Euro oder Ordnungshaft fällig. Für Birgit Majowski ist das ein Etappensieg, für Mehmet Kabak ein echter Dämpfer.

»Ich möchte Frieden haben«

Das ganze Ausmaß des Nachbarschaftsstreites ist am ersten Verhandlungstag im Mai zu Tage getreten. Da versuchte Richter Westermann noch, eine Einigung zu erzielen, scheiterte aber. »Wie wollen sie zukünftig miteinander umgehen?«, fragte er. Majowksi wollte sich auf eine wechselseitige Unterlassungsverpflichtung aber nicht mehr einlassen.

Kabak dagegen zeigte sich bereit: »Ich möchte Frieden haben. Wenn wir nicht mehr gefilmt werden, gibt es keine Probleme mehr.« Damit spielte er auf die Videoüberwachung an, die Birgit Majowski und ihre Familie rund um ihr Haus angebracht haben. Er fühle sich bedroht von seiner Nachbarin, die damit prahle, Freunde bei der Kripo zu haben und ihn als »Dreckstürke« bezeichne, den man aus Deutschland ausweisen müsse. Auch als »Sozialschmarotzer« sei der Hartz-IV-Empfänger schon bezeichnet worden, sagt er. Und mit Pfefferspray soll Majowski jüngst auf ihn losgegangen sein, weshalb er Strafanzeige gestellt hat.

Beginn des Konflikts 2016

Die Zeugenaussagen von Sohn und Ehemann der Klägerin machen deutlich, wie lange das Zerwürfnis zurückreicht. 2016 spielten demnach die Nachbarskinder Fußball im Garten und nutzten den Holzzaun von Familie Majowski als Tor. Als der Zaun beschädigt war, habe Kabak gesagt, seine Kinder würden bestreiten, das gewesen zu sein. Als er den Hinweis gab, über die Versicherung den Schaden zu regulieren, sei er aufs übelste beschimpft worden. In der Folge, so Dieter Majowski, sei permanent offenbar absichtlich gegen den Zaun geschossen und getreten worden und er sei als Rassist bezeichnet worden.

In den Jahren darauf haben Birgit Majowski und ihe Familie die Belästigungen und Attacken akribisch notiert, für die sie den Nachbarn verantwortlich machen. Demnach wurde ihr Hund angegangen, eine volle Windel in den Garten geworden und der Zaun mit Steinen beschmissen. Laute Musik wurde gespielt, ein qualmender Grill so stehen gelassen, dass der Rauch zu den Nachbarn zog.

Nackter Hintern gezeigt

Es flogen auf das Grundstück Knochen, faule Kartoffeln, leere Flaschen oder Hühnerfütter. Rohe Eier verschmierten Hauswand und Terrasse und es gab Beleidigungen: von »Nazischwein« bis »polnische Schlampe«. Der Sohn musste sich schlimmste zotige Beschimpfungen über seine Mutter anhören und auch der Mittelfinger und der nackte Hintern sei ihnen vom Nachbargrundstück aus gezeigt worden, berichteten Vater und Sohn.

Das Lübbecker Amtsgericht ist nach der akribischen Befragung der Zeugen nun der Klägerin gefolgt und hat den Nachbarn für die Taten verantwortlich erklärt. Das bedeutet für sie Erleichterung. Doch ob der »Terror«, wie sie sagt, aufhören wird? Der Nachbar habe es auf ihr Haus abgesehen, sagt Birgit Majowski. Die entsprechende Anfrage eines Maklers habe sie abgelehnt..

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