Evangelische Kirche will homosexuelle Paare gleich behandeln
Synode bejaht Trauung für alle

Lübbecke/Stemwede (WB). Die Synode des evangelischen Kirchenkreises Lübbecke hat sich am Montag hinter die geplante Regelung der westfälischen Landeskirche gestellt, auch homosexuelle Paare kirchlich zu trauen. Gleichwohl gab es dazu auch Diskussionen.

Mittwoch, 03.07.2019, 11:07 Uhr aktualisiert: 03.07.2019, 11:10 Uhr
In der Berliner Marienkirche lässt sich ein homosexuelles Paar trauen. Nach dem Willen der Evangelischen Landeskirche von Westfalen soll das auch in heimischen Kirchen möglich werden. Die Lübbecker Kreissynode hat zugestimmt. Foto: dpa

Bislang legt die Trauordnung der Landeskirche fest, dass eine kirchliche Trauung nicht gewährt werden kann, wenn ein Ehepartner nicht Mitglied einer christlichen Kirche ist. Auch bei gleichgeschlechtlichen Paaren ist bisher keine reguläre Trauung möglich, dafür eine Segnung in einem Gottesdienst. Diese wird nach Auskunft von Superintendent Dr. Uwe Gryczan im Kirchenkreis Lübbecke nur in Einzelfällen wahrgenommen. In einigen Landeskirchen, etwa im Rheinland, werden gleichgeschlechtliche Paare demgegenüber getraut und sind heterosexuellen Paaren gleichgesetzt.

Nun soll diese Praxis auch in den evangelischen Kirchen in Westfalen übernommen werden: Trauungen für homosexuelle Paare, die dies wünschen, und auch bei »Mischehen«, also wenn ein Partner keiner christlichen Kirche angehört.

Die einzelnen Gemeinden waren aufgefordert, dazu Stellung zu nehmen

Die einzelnen Gemeinden waren aufgefordert, dazu Stellung zu nehmen. Die Abstimmungsergebnisse in den Presbyterien zeigen, dass die Initiative der Landeskirche zwar mehrheitlich getragen wird, dass es aber auch Gegenstimmen oder Kritikpunkte gibt, die sich in Änderungsanträgen an die Kreissynode ausdrückten. So stellte Pfarrer Michael Weber für die Gemeinde Preußisch Oldendorf den Antrag zu ergänzen, dass Pfarrer und Presbyterium nicht zu solch einer Trauung gezwungen werden dürften, wenn sie dies aus Gewissensgründen ablehnen. Der Superintendent sollte dann eine passende Gemeinde finden. Zehn der 80 Synodalen stimmten dem zu, einige enthielten sich. Die Mehrheit folgte aber dem Argument von Pfarrer Eberhard Helling, dass dieses Recht der einzelnen Gemeinden und Pfarrer auch ohne solch eine Formulierung respektiert würde.

Die Kirchengemeinde Rahden beantragte, bei ausgetretenen ehemaligen Kirchenmitgliedern auf eine Trauung zu verzichten und eine Segnung anzubieten. Schließlich hätten sie sich einmal bewusst gegen die Kirche entschieden. Dieser Antrag erhielt 23 Ja-Stimmen, aber eben auch keine Mehrheit. Wann die neue Trauordnung in Kraft tritt, ist noch nicht bekannt. Die Landessynode tagt wieder im November, die Tagesordnung steht noch nicht fest.

»Für uns heute ist Homosexualität aber weder Krankheit noch Sünde«

Hintergrund ist die neue staatliche Gesetzgebung (»Ehe für alle«), aber auch eine veränderte theologische Sicht auf Homosexualität. So sagt etwa der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung: »Es gibt Bibelstellen, die Homosexualität verurteilen. Für uns heute ist Homosexualität aber weder Krankheit noch Sünde, sondern eine unveränderbare Veranlagung.« Entsprechend sei auch Homosexualität ein Teil der Schöpfung.

Demgegenüber betont etwa die Evangelische Allianz, ein gemeinde- und kirchenübergreifendes Netzwerk aus gläubigen Christen, dass nach ihrem Bibelverständnis homosexuelle Partnerschaften der Ehe nicht gleichgestellt werden können.

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