Kirchenkreissynode: Personalnot belastet Gemeinden – Gryczan will neuen Zukunftsworkshop
Superintendent versteht Umbruch als Chance

Stemwede/Lübbecke (WB). Nach dem Kirchenkreiskonzept ist vor dem Zukunftsworkshop: Superintendent Dr. Uwe Gryczan schlägt den 18 Gemeinden im Kirchenkreis Lübbecke vor, im nächsten Jahr zu beraten, was es heißt, dass Kirche »schlanker« werden muss. Dazu soll es neben einem Workshop noch eine regelmäßig tagende Arbeitsgruppe geben.

Dienstag, 02.07.2019, 11:51 Uhr aktualisiert: 02.07.2019, 11:54 Uhr
Superintendent Uwe Gryczan (rechts) begrüßt Vicco von Bülow von der Landeskirche. Foto: Friederike Niemeyer

Hintergrund sind sinkende Mitgliederzahlen und weniger Hauptamtliche in den Ortsgemeinden. In seinem Bericht bei der am Montag in Haldem tagenden Kreissynode sagte Gryczan: »Wir können nicht nur klagen, wir müssen auch darüber nachdenken, wie wir es konkret, realistisch umsetzen.« Der Nachfrage, er könne doch nicht meinen, dass derzeit auch Unwesentliches getan werde, entgegnete Gryczan: »Das ist auch eine Chance zur Selbstkritik.« Kirche müsse sich in jeder Zeit hinterfragen, was ihr Auftrag sei. Und es gelte zu prüfen, wo Arbeitsprozesse vereinfacht und wo es Kooperationen geben könne, auf allen kirchlichen Ebenen.

»Kirche im Umbruch – Projektion 2060«

Vor den 70 Synodalen hatte bereits Landeskirchenrat Dr. Vicco von Bülow auf die grundsätzlichen Veränderungen und ihre Folgen hingewiesen. »Es wird entscheidend sein, wie wir als Christinnen und Christen auskunftsfähig über unseren Glauben sein werden«, sagte er.

Superintendent Gryczan berief sich in seinem Bericht auf die Studie »Kirche im Umbruch – Projektion 2060« der Universität Freiburg im Auftrag der evangelischen und katholischen Kirche in Deutschland. Demnach würden beide großen Kirchen in den nächsten 40 Jahren noch einmal die Hälfte ihrer Mitglieder verlieren. Grund sei nicht allein der demographische Wandel, sondern auch die schwindende Bindekraft der Kirchen. Gerade die 25- bis 35-Jährigen würden austreten, weil die Kirchenfernen unter ihnen nüchtern abwägen würden, ob den Kosten ausreichend Nutzen gegenüber stehe.

»Religiöse Fragen spielen für viele Menschen überhaupt gar keine Rolle mehr«

Nur noch ein Drittel der Deutschen glaube derzeit an die Auferstehung Christi, fast genauso viele an Horoskope. »Religiöse Fragen spielen für viele Menschen überhaupt gar keine Rolle mehr«, gab Gryczan zu bedenken und sprach von großen missionarischen Herausforderungen. »Es wird in Zukunft darum gehen, zum einen unsere Mitglieder zu stärken und sie in ihrem Glauben zu vergewissern, und zum anderen darum, auch Menschen neu für den christlichen Glauben zu interessieren.« Es stelle sich die Frage, ob die aktuellen Angebote überhaupt auf die Bedürfnisse der heutigen modernen Menschen eingehen, so Gryczan. Die bestehenden kirchlichen Strukturen um jeden Preis erhalten zu wollen, sei seiner Einschätzung nach der falsche Weg.

Gryczan beschrieb schon die aktuelle personelle Situation im Kirchenkreis als beunruhigend. Es falle zunehmend schwer, Vertretungsdienste zu organisieren. Beispielhaft nannte der Superintendent die Umbrüche in den Gemeinden Espelkamp und Blasheim, Preußisch Oldendorf und Lübbecke sowie Stemwede. Außerdem stünden Pensionierungen bevor und der Pfarrernachwuchs fehle. In etlichen Gemeinden können zudem nicht mehr alle Presbyterstellen besetzt werden. Vielerorts werde an der Belastungsgrenze gearbeitet. »Von den neuen, von der Landeskirche entwickelten Unterstützungsdiensten werden wir in Zukunft auch in unserem Kirchenkreis verstärkt Gebrauch machen müssen.«

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