Gelungene Premiere der Nibelungen – Siegfried kämpft mit Bürste
Gib alles, Brunhild!

Lübbecke-Nettelstedt (WB). Welch eine Premiere auf der Freilichtbühne Nettelstedt: Beim Abendstück »Die Nibelungen – Eine Gaunerkomödie« haben die Zuschauer ein turbulentes Gerangel zwischen Drachentötern, Herzensbrechern und Powerfrauen erlebt. Aus dem tragischen Stoff wird eine Komödie, die Habgier, Heldentum und Chauvinismus gekonnt auf die Schippe nimmt.

Dienstag, 02.07.2019, 05:00 Uhr
Willst du mich heiraten, musst du mich bezwingen: Brunhild (Ramona Schütte-Kracht) wehrt sich nach Kräften gegen den vermeintlichen König Gunther. Was sie nicht ahnt: Unter der Rüstung steckt der schier unbesiegbare Siegfried (Florian Kracht). Foto: Jessica Eberle

So viele komische Elemente in einem Stück bringen vor allem eins: Spaß. Da wäre der etwas eingebildete Siegfried, der scheinbar unverwundbare Held, der seinen Kampf gegen den Drachen mit einer Waschbürste statt mit Schwert lebendig werden lässt. Oder die Marktleute, die Köstlichkeiten wie »Ratten am Spieß« oder »Pfützenwasser« anbieten – an Unterhaltung mangelt es nicht.

Ursprünglich eine Tragödie

Dabei ist die Nibelungensage aus dem Mittelalter ursprünglich als Tragödie angelegt, in der die meisten Charaktere im Laufe der Geschichte ihr Leben lassen. Es geht um den begehrten Schatz der Nibelungen, der im Königreich der Burgunder auftaucht. Grund genug für drei Hexen, sich als Ritter und Knappen auszugeben, um an den Gewinn heranzukommen. Der grimmige Hagen (Hans Arning) ist am Königshaus dafür zuständig, das im Schloss alles mit rechten Dingen zugeht. König Gunther (Jürgen Kracht), kein wirklicher Frauenheld, sehnt sich nach der Liebe. Er hat es auf die schöne, aber stolze Brunhild (Ramona Schütte-Kracht) abgesehen, die eigentlich den Helden Siegfried (Florian Kracht) gut findet, der wiederum der eitlen Kriemhild (Merle Kracht) versprochen ist: Da ist Chaos programmiert.

Viel Hingabe steckt im Spiel der Darsteller. Ramona Schütte- Kracht geht wunderbar in der Rolle der emanzipierten Brunhild auf. Selbst die Herren im Publikum schienen sich zu fürchten, als Brunhild »das stinkende Männervolk« für die Ungerechtigkeiten dieser Welt verantwortlich macht. Doch Brunhild hat auch eine andere Seite. In ihrem Solo »Wild und frei« berührt sie das Publikum mit ihrem Gesang über Unabhängigkeit und Freiheit.

Publikum kann »Weichei« Gunther nicht leiden

Der feiste König Gunther hingegen war nicht gerade ein Publikumsliebling und wurde von den Zuschauern augenzwinkernd als »Weichei« betitelt. Nicht besser ergeht es Kriemhild, die sich mehr oder weniger schlecht als Verbündete des einfachen Volks stilisiert und schließlich fragt, ob sie ihre Rolle überzeugend gespielt habe. Kriemhild wird zum Sinnbild der Heuchelei am Königshof.

Besonders die Nibelungen hatten es den Zuschauern angetan. Die Zwerge werden vom Königshaus unterschätzt und müssen sich Vorurteile gefallen lassen: »Die können ja nichts dafür, dass sie klauen. Das liegt in ihrer Natur.« Sprüche wie diese waren wohl nicht zufällig gewählt, sondern stellen vielmehr das Rassenverständnis an den Pranger.

Doppelhochzeit wie im Klatschmagazin

Die satirische Umsetzung ist in vielerlei Hinsicht amüsant. Einer der lustigsten Momente ist wohl die Live-Berichterstattung von Brunhilds und Kriemhilds Doppelhochzeit, die sämtlichen Berichten von Klatschmagazinen über Hochzeiten am britischen Königshaus Konkurrenz macht. Die Damen, die im Wechsel moderieren, mokieren sich vor allem über den Kleidungsstil der Gäste.

Die Nibelungen nimmt das Publikum mit auf eine Reise ins Mittelalter, ist aber überraschend zeitgemäß, herzerwärmend und unvergleichlich lustig. Bis zum 30. August, samstags um 20.30 Uhr, gibt es weitere Aufführungen.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6742127?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198399%2F2516047%2F
Behinderungen wegen bundesweiter Warnstreiks im Nahverkehr
Mitarbeiter der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) streiken vor einem BVG Betriebshof in der Stadt.
Nachrichten-Ticker