BUND veranstaltet Infoabend zum Thema Nitrat im Trinkwasser – Genuss unbedenklich
Werte beunruhigen Umweltverband

Minden/Lübbecke (WB/aha). Seit 1993 kooperieren Landwirtschaft und Wasserwirtschaft im Kreis Minden-Lübbecke, um wirtschaftliche Belange und Gewässerschutz unter einen Hut zu bringen. Der BUND ist überzeugt, dass die Bemühungen dennoch verstärkt werden müssen.

Donnerstag, 06.06.2019, 10:05 Uhr aktualisiert: 06.06.2019, 10:08 Uhr
Für Leitungswasser gelten strenge Auflagen. In den vergangenen Jahren hat der BUND immer wieder den hohen Stickstoffeintrag durch die Landwirtschaft kritisiert. »Was zum Schutz des Trinkwasser getan wurde, reiche nicht aus«, erklärt der Umweltverband. Foto: dpa

»Trotz 25 Jahren Kooperation weisen die Nitratwerte in einigen Brunnen eine steigende Tendenz auf«, machte Dr. Manfred Dümmer vom Landesarbeitskreis Wasser des BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) NRW deutlich. Sein Fazit: »Was bisher getan wurde, reicht noch nicht aus.«

Dümmer war Hauptredner bei einem Informationsforum des BUND mit dem Titel »Nitrat im Trinkwasser und kein Ende?« Dazu begrüßte der Umweltverband in Minden auf dem Podium auch Werner Weingarz von der Landwirtschaftskammer NRW in Lübbecke. Er ist seit Gründung der Kooperation von Land- und Wasserwirtschaft mit dem Thema befasst. Es ist eine Kooperation von 15 Wasserversorgern und 450 Landwirten mit drei Gewässerschutzberatern. Die Arbeit beziehe sich auf die 24.000 Hektar Wasserschutzgebiet im Kreis.

»Der gesetzlich zulässige Nitratwert liegt bei 50 mg/l«

Weingarz, der einen Impulsvortrag über den Beitrag der regionalen Landwirtschaft zum Trinkwasserschutz hielt, erklärte im Gespräch mit dieser Zeitung: »Es gibt im Kreis kein Problem mit Nitrat im Trinkwasser. Das Wasser, das über die Leitungen zu den Haushalten gelangt, ist überall gut. Es wird von den Wasserversorgern aus verschiedenen Brunnen zusammengemischt, so dass die Werte überall eingehalten werden.« Dem stimmten sowohl Anke Schiermeyer von der Verbraucherzentrale als auch Manfred Dümmer zu. Der BUND-Fachmann wies im Gespräch mit dieser Zeitung aber darauf hin, dass es bei Hauswasserbrunnen durchaus erhöhte Werte geben könne.

Auf dem Podium zum Thema Nitrat im Trinkwasser (von links): Werner Weingarz (Landwirtschaftskammer), Anke Schiermeyer (Verbraucherzentrale), Matthias Patetzke (Mindener Wasser GmbH), Rainer Meyer, Landwirtschaftlicher Kreisverband, Moderatorin Katharina Walckhoff, Manfred Dümmer (BUND) und Prof. Dr.-Ing. Johannes Weinig (Fachhochschule Bielefeld).

Auf dem Podium zum Thema Nitrat im Trinkwasser (von links): Werner Weingarz (Landwirtschaftskammer), Anke Schiermeyer (Verbraucherzentrale), Matthias Patetzke (Mindener Wasser GmbH), Rainer Meyer, Landwirtschaftlicher Kreisverband, Moderatorin Katharina Walckhoff, Manfred Dümmer (BUND) und Prof. Dr.-Ing. Johannes Weinig (Fachhochschule Bielefeld). Foto: BUND

Er legte in einer Präsentation Messwerte von Trinkwasserbrunnen im Kreisgebiet vor, bei denen Nitratwerte zwischen 60 und 80 Milligramm pro Liter (mg/l) auftraten. Dazu gehörten Brunnen in Rahden-Wehe, Lübbecke, Hille und Petershagen. »Der gesetzlich zulässige Nitratwert liegt bei 50 mg/l«, sagte er. Er erklärte, dass die Werte unter anderem von der Tiefe der Bohrung abhingen. »Wenn das Grundwasser aus größerer Tiefe kommt, sind die Nitratwerte geringer.« Dümmer sagte, dass aus Sicht des BUND mehr Maßnahmen ergriffen werden müssten, damit die Nitratwerte im Grundwasserkörper nicht auf Dauer stiegen.

»17 Prozent aller Messstellen im Land weisen eine steigende Tendenz auf«

Weingarz erläuterte, dass der Gehalt an Nitrat auch von der Beschaffenheit des Bodens abhänge. Die Fähigkeit der Böden, Stickstoff abzubauen, sei sehr unterschiedlich. »Bei einem Brunnen mit erhöhten Werten in Wehe, ist nach Gesprächen mit der Stadt Rahden ein neuer Brunnen gebohrt worden.«

Manfred Dümmer sagte, Probleme bei der Einhaltung der Nitratgrenzwerte beträfen durchaus nicht nur den Kreis Minden-Lübbecke. »17 Prozent aller Messstellen im Land weisen eine steigende Tendenz auf.« Minden-Lübbecke sei vor allem dort betroffen, wo intensive landwirtschaftliche Nutzung und leichte, sandige Böden zusammenkämen. Hohe Nitratbelastungen bringe zum Beispiel auch der Spargelanbau mit sich, sagte Dümmer. Er brachte außerdem die Europäische Wasser-Rahmenrichtline (WRRL) ins Gespräch. Darüber bestehe für Deutschland die Verpflichtung, dass alle Grundwasservorkommen bis 2015 »in gutem Zustand« sein sollten, also Werte unter 50 mg/l Nitrat aufweisen. »Erhöhte Werte sollten eigentlich nicht mehr vorkommen«, sagte Dümmer. Spätestens bis 2027 müsse die WRRL umgesetzt sein.

»Wir haben nicht zuviel Gülle im Kreis«

Er sprach auch die Düngeverordnung an, die die Große Koalition 2017 beschlossen habe: »Sie bedeutet eine nicht unerhebliche Verschärfung. Aber die Umweltverbände und eine Expertenkommission haben bereits klargestellt, dass die angestrebte Verringerung der eingebrachten Stickstoffmengen nicht reichen werden«, sagte Dümmer. Es drohten empfindliche Geldstrafen der EU von mehreren 100.000 Euro pro Monat.

Zum Thema Gülle, das Manfred Dümmer auf dem Podium ansprach, erklärte Werner Weingarz: »Wir haben nicht zuviel Gülle im Kreis. Die 106 Kilogramm pro Hektar, die wir durch die Gülle an Stickstoff auf den Acker bringen, müssen sogar durch 60 bis 70 Kilogramm Mineraldünger ergänzt werden, um vernünftig ernten zu können.«

Bei den Schlüssen des BUND zur Agrarpolitik stimme ich nicht zu«

Dümmer argumentierte, dass die Dänen ihre Grenzwerte für Stickstoffeintrag um 10 bis 20 Prozent gesenkt hätten. »Sie zeigen, dass es geht.« Wenn durch geringere Düngung Ernten schwächer ausfielen, sehe das »Gemeinsame Agrar-Programm (GAP) der EU eine Unterstützung für die betroffenen Bauern vor. »Diese Unterstützung basiert auf zwei Säulen«, sagte Dümmer. »Erstens auf einer pauschale Förderung pro Hektar, zweitens eine für besondere Leistungen wie Extensivierungsmaßnahmen, Greening und dergleichen.« Aus Sicht des BUND müsse dabei die Gewichtung umgekehrt werden. »Diese zweite Säule muss stärker werden. Erfolge – also sinkende Werte – sollten belohnt werden. Das ist auch gut für kleine bäuerliche Betriebe und besser für Umwelt- und Gewässerschutz.«

Im Rückblick auf die Infoveranstaltung sagte Werner Weingarz, es habe relativ starken Konsens gegeben. »Bei den Schlüssen des BUND zur Agrarpolitik stimme ich nicht zu.« In den 26 Jahren der Kooperation seien 24.000 Einzelmaßnahmen zum Wasserschutz umgesetzt worden. »Es wäre gut, wenn es auch Förderungen für Maßnahmen außerhalb der Wasserschutzgebiete gäbe.«

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