»Jim Knopf« feiert Pfingstsonntag Premiere auf der Freilichtbühne Nettelstedt
Emma dampft los

Lübbecke (WB). Wer »Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer« aufführen will, braucht vor allem eins: eine Lokomotive. In Nettelstedt haben sie eine gefunden – mit leichten Bremsproblemen. Wie gut Emma über die Bühne am Hünenbrink dampft, davon können sich Besucher bei der Premiere am Pfingstsonntag (16 Uhr) überzeugen.

Mittwoch, 05.06.2019, 08:00 Uhr
Regisseur Poyraz Türkay muss sich sputen: Emma gibt Gas. Es grüßen Lukas der Lokomotivführer (Stephan Lorenzen), Jim Knopf (Frederik Wulff) und König Alfons der Viertelvorzwölfte im Schlafrock (Martin Jäger-Degenhardt). Premiere ist am Sonntag. Foto: Kai Wessel

Regisseur Poyraz Türkay hätte noch so viele Drachen, Inseln und Berge auftreiben können. Ohne Lokomotive, diese beseelte Maschine, wäre aus Lukas, Lummerland und der Reise nach Mandala nichts geworden. Um die berühmte Buchvorlage von Michael Ende (»Momo«, »Die unendliche Geschichte«) auf die Bühne zu bringen, schauten sich die Nettelstedter in der Region um.

Fündig wurden sie in Otternhagen, nahe Hannover. Hier tuckerte Emma im vergangenen Jahr über die Waldbühne. »Wir konnten Emma im Tausch gegen ein paar Scheinwerfer mitnehmen«, berichtet Melanie Fründ. Die Lokomotive kennt sich in Ostwestfalen-Lippe aus. Gebaut wurde sie einst an der Freilichtbühne Schloß Neuhaus im Kreis Paderborn. Basis für die Konstruktion war ein Golfmobil.

Super Fahrdynamik

Emma hat sich in den Proben als fast so vielseitig erwiesen wie der Aston Martin von James Bond. »Sie kann pfeifen, rauchen und Funken sprühen«, sagt Nettelstedts Bühnentechniker Stefan Finke. Nur bei der Umweltverträglichkeit ist die Emma nicht auf Höhe der Zeit: »Sie fährt noch mit Benzin.« Dafür bescheinigt Stephan Lorenzen (spielt den Lukas) der Lokomotive eine »super« Fahrdynamik. Gleichwohl gebe es Tücken. Wer Emma am Hang abstellt, muss damit rechnen, dass die Lok wegrollt. An der Handbremse wurde gespart.

Dennoch ist Regisseur Türkay zuversichtlich, dass seine dritte Inszenierung nach Preußlers Hotzenplotz und Kästners Emil unfallfrei über die Bühne geht. Ihm ist bewusst, dass bei Jim Knopf, Lukas und Emma viele Menschen an die Verfilmung der Augsburger Puppenkiste aus dem Jahr 1976 denken.

Damals wurde das Meer mit blauer Folie dargestellt. »Wir haben etwas mit blauem Stoff versucht, aber wenn der Wind wehte, flog alles weg«, sagt Türkay. Trotzdem hat die erfolgreiche Fernsehserie durchaus Einfluss auf die Inszenierung. Der 12-jährige Frederik Wulff spielt Jim Knopf, und er hat sich für seine schauspielerische Aufgabe von der Augsburger Puppenkiste inspirieren lassen: »Ich habe mir fünf Folgen angeschaut.«

Millionenfach verkaufte Geschichte

Die millionenfach verkaufte Geschichte fasziniert – das hat der Kinofilm im vergangenen Jahr bewiesen – auch heute noch. Inwieweit ihr Schöpfer Michael Ende, der 1929 geboren wurde, im Werk eigene Erfahrungen verarbeitet sowie Kritik an Rassenideologie und Schulpolitik der Nationalsozialisten übt, dazu hat die Journalistin und Wissenschaftshistorikerin Julia Voss im Buch »Darwins Jim Knopf«) vor einigen Jahren neue Erkenntnisse geliefert.

In Nettelstedt gibt es nach der Premiere an diesem Sonntag weitere Aufführungen bis zum 1. September, immer sonntags um 16 Uhr. Die Altersspanne im großen Ensemble reicht von zwei Jahren (Pausenschildkind) bis zum 77-jährigen Wolfgang Hovemeyer. Das Nettelstedter Urgestein spielt den Kaiser von Mandala. Die Spielleitung teilen sich Melanie Fründ, Maren Wulff und Charlotte Seger. Für die Musik zeichnet Frank Suchland verantwortlich.

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