Krankenpflergerin Ulrike Wegner spricht über ihre Erfahrungen am Krankenhaus Lübbecke
Diese Frau arbeitet seit 40 Jahren in der Zentralen Notaufnahme

Lübbecke (WB). Ulrike Wegner hat viel gesehen und könnte ein Buch darüber schreiben. Sie ist Krankenpflegerin und hat 35 ihrer 40 Dienstjahre in der Zentralen Notaufnahme am Krankenhaus Lübbecke verbracht. In all den Jahren erlebte sie mehr als Tränen, Schmerz und Trauer.

Mittwoch, 05.06.2019, 07:41 Uhr aktualisiert: 05.06.2019, 08:26 Uhr
Ulrike Wegner ist seit 35 Jahren der ruhende Pol in der Notaufnahme am Krankenhausstandort Lübbecke. Derzeit wir die Notaufnahme auf 1.000 Quadratmeter  umgebaut und vergrößert. Ulrike Wegner erlebt damit die zweite komplette Neugestaltung der Notaufnahme in Lübbecke.

Ulrike Wegner hätte einen Titel für ihr Buch: »Herzblut Das passt.« Weil sie mit Herz dabei sei. »Aber auch, weil einem manchmal das Herz blutet, wenn man es mit schweren Krankheiten oder dem Tod zu tun hat.«

Anspruchsvoll sei die Arbeit in der Notaufnahme. Nicht nur fachlich. »Man muss schnell umschalten können, gerade nach schweren Fällen. Jeder Patient ist anders. Jeder verdient es, mit seinen Schmerzen und seiner Angst ernst genommen und bestmöglich versorgt zu werden. Man muss sich immer wieder auf ganz unterschiedliche Menschen einlassen. Aber genau das macht mir Spaß.«

»Werde doch Krankenschwester!«

Geplant war alles anders: »Eigentlich wollte ich Erzieherin werden. Aber in der Schule war damals kein Platz frei.« Deshalb folgte sie dem Rat ihres Vaters Heinrich Schlottmann, seinerzeit Verwaltungsleiter der Krankenhäuser Lübbecke und Rahden: »Werde doch Krankenschwester!«

Gesagt, getan: Nach dem Examen folgten einige Monate auf der Intensivstation im alten Lübbecker Krankenhaus an der Wittekindstraße. Nach einer Zusatzausbildung in Bad Oeynhausen kehrte Ulrike Wegner »Fachkrankenschwester Intensiv/Anästhesie« nach Lübbecke zurück.

Dann kam das Jahr 1985 und der große Umzug von der Wittekindstraße an die Virchowstraße. Mit Krankenwagen, Taxen und Rot-Kreuz-Fahrzeugen wurden die Patienten vom alten Standort zum neuen gebracht. »Im Schnee«, erinnert sich Wegner. Im neuen Krankenhaus wurde eine Zentrale Notaufnahme eingerichtet. Hier war sie fortan tätig. Am alten Standort hatte es so etwas noch nicht gegeben. »Der erste Patient bekam von uns eine Rose geschenkt, weil wir uns so über die neue Abteilung gefreut haben.«

Die Arbeit in der Notaufnahme bezeichnet Wegner als »positiven Stress«

Damals sei es üblich gewesen, dass Blutspender bei Notfällen direkt in die Notaufnahme bestellt wurden, sagt Wegner. In der Spenderkartei waren viele Polizisten. Praktisch, denn die Beamten seien meist schnell zur Stelle gewesen, sagt Wegner.

Bevor das Notarztsystem eingeführt wurde, musste die Krankenschwester auch noch Notfalleinsätze begleiten. Einmal sei sie zu einem Kutschen-Unfall mit Kindern auf dem Reineberg gerufen worden. »Da haben wir uns unterwegs schon überlegt, wie wir das am besten machen. Zum Glück waren die Kinder mit dem Schrecken und ein paar Beulen davongekommen.«

Die Arbeit in der Notaufnahme bezeichnet Wegner als »positiven Stress«. Dank ihrer Ausbildung und Erfahrung wisse sie, was im Notfall zu tun ist. Der Leistungskatalog, den die Fachkrankenpflegerin zu erbringen hat, ist umfangreich. Er reicht von der Grundversorgung der Patienten übers Röntgen und Gipsen bis zum »Triagieren« – der Einschätzung, wie bedrohlich die Erkrankung eines Patienten ist. Mit ihren 60 Jahren ist Ulrike Wegner eine Ausnahmeerscheinung in ihrem Beruf: »Die Notaufnahme ist eine junge Station. Wenn ich in meinem Alter da jetzt erst anfangen sollte – das ginge nicht. Aber ich bin da hineingewachsen.«

»Deswegen gehe ich jeden Tag gerne zu Arbeit – auch nach 40 Jahren«

Derzeit wird die ZNA bei laufendem Betrieb umgebaut, in mehreren Schritten . 2021 soll der Umbau abgeschlossen sein. Ulrike Wegner freut sich darauf, in dieser größeren, modernen und flexiblen Notaufnahme tätig zu sein.

Eines fasziniere sie jeden Tag aufs Neue: das Arbeiten in einem eingespielten Team. Wenn nach einem Verkehrsunfall ein Notruf eingehe und Anästhesisten, Chirurgen, Pflegekräfte, Arzthelferinnen und Röntgenabteilung gerufen würden, dann hat jeder seine Aufgabe«, sagt Ulrike Wegner: »Alles greift ineinander. Alle bilden eine Einheit mit einem gemeinsamen Ziel: das Leben des Patienten zu retten. Wenn das gelingt, dann ist es das schönste Gefühl auf Erden. Es ist immer wieder toll, ein Teil davon zu sein. Deswegen gehe ich jeden Tag gerne zu Arbeit – auch nach 40 Jahren.«

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