Alexander Niemeyer spricht über Beethovens Europahymne
Werk mit eigenen Regeln

Lübbecke (WB/jes). Populismus und Euroskepsis: Ein vereintes Europa ist komplex. Und nicht nur das. Auch die europäische Hymne, Beethovens neunte Sinfonie, ist für viele Menschen heute noch ein musikalisches Ausnahmewerk. Stockhausens Heimatvereinsvorsitzender Alexander Niemeyer hat über die Verbindung von Europa zur Musik gesprochen.

Freitag, 03.05.2019, 08:58 Uhr aktualisiert: 03.05.2019, 09:00 Uhr
Alexander Niemeyer, Vorsitzender des Heimatvereins Stockhausen, hat über Beethovens neunte Sinfonie referiert. Er ist promovierter Musikwissenschaftler. Foto: Jessica Eberle

Was haben Sex, Beethovens neunte Sinfonie und Europa gemeinsam? Etwa 50 Besucher wollten dieser und anderen Fragen in der Begegnungsstätte auf den Grund gehen. Und Niemeyer hatte die Antwort parat: »Das sind alles Dinge, die gut sind. Aber eben auch anstrengend und kompliziert.«

Ein Tabubruch

Der Brexit sei nur eines der vielen Beispiele, die diese Komplexität verdeutlichen, sagte Niemeyer. So skurril wie einige dieser historischen Phänomene ist auch die europäische Nationalhymne, die neunte Sinfonie Beethovens. Warum das so ist, verdeutlichte der promovierte Musikwissenschaftler, indem er Beethovens Werk von der klassischen Sinfonie abgrenzte. Das Werk sei zur damaligen Zeit ein Tabubruch gewesen, weil sich Beethoven nicht an die Reihenfolge der einzelnen Sinfonie-Elemente gehalten habe.

Schon der erste Satz beginnt kurios: Mit Fanfare und Cello wird eine musikalische Raserei angestimmt. Im vierten Satz setze ein Chor ein – für damalige Verhältnisse eine klare Grenzüberschreitung. Viele von Beethovens Zeitgenossen, so Niemeyer, bezeichneten eben diesen vierten Teil der Sinfonie als unglückliches Ende für ein schwaches Werk.

Orientalischer Charakter

Die ungewöhnliche Form bleibt nicht das einzig Besondere an diesem Werk. Niemeyer erklärte in seinem Vortrag, dass Beethoven seiner Komposition durch Rasseln und Schlaginstrumente orientalischen Charakter verliehen hat. Damit wolle er den Kampf der abendländischen Kultur mit dem osmanischen Reich verdeutlichen. Irgendwann, so Niemeyer, erreiche das Stück »kosmische Sphären«. Die Europahymne handelt von der Sehnsucht nach einem vereinten Europa und Zusammengehörigkeit. Das alles drücke Schillers Text etwas poetischer aus. Bei ihm sei die Rede vom »Sternenvater«, dem »Götterfunken« und dem »Kuss der Welt«.

»Beethovens Komposition hat ihre eigene Regeln. Nichts scheint zusammen zu passen, aber genau an dieser multiplen Gebrochenheit reiben sich die Menschen«, sagte Niemeyer. Und genau hierin liege die Verbindung zu Europa.

»Demokratie ist anstrengend«

Auch Europa komme nicht ohne Reibung aus. Um humanitäre Entscheidung zu treffen, müsse man diskutieren und Kompromisse treffen. Niemeyer bekannte sich nicht nur als Fan von Beethovens Werk, er sprach sich auch klar für Europa aus. »Nicht immer ist es einfach, gemeinsam Entscheidungen zu treffen, Demokratie ist anstrengend. Aber sie ist das einzig denkbare Fundament.«

Der Vorsitzende des Vereins »Stockhausen für Europa« , Gerd Niemeyer, wies außerdem auf das anstehende Fest der Demokratie hin. Am 24. und 26. Mai soll die Europawahl gefeiert werden. Hierfür benötige man dringend noch einige Helfer, die etwa an der Kasse die Tickets entgegennehmen oder Plakate aufhängen. Interessenten können sich bei Gerd Niemeyer melden.

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