Patient verklagt seinen Zahnarzt – Landgericht Bielefeld sieht keinen ursächlichen Zusammenhang Herzinfarkt nach Wurzelbehandlung

Bielefeld/Lübbecke (WB/uko). Mit »zwei blauen Augen« ist ein Zahnarzt aus dem Altkreis Lübbecke vor dem Landgericht Bielefeld davongekommen. Obwohl er für eine Wurzelbehandlung auf Röntgenbilder verzichtet hatte und ein Patient einen folgenden Herzinfarkt darauf zurückführte, wies eine Zivilkammer die Klage des Patienten nun ab. Ursächlich habe die Wurzelbehandlung nichts mit dem Infarkt zu tun.

Ein Patient hat gegen seinen Zahnarzt geklagt.
Ein Patient hat gegen seinen Zahnarzt geklagt. Foto: dpa

Zu der Zahnbehandlung, die nun zu der Klage führte, kam es am 23. März 2015 in der Praxis des heimischen Dentisten. Der 55-jährige Patient klagte über die Empfindlichkeit eines Schneidezahns. Der Zahnarzt stellte eine »Abnutzung« des Zahns fest, der »Nerv lag fast frei«, sagte er nun im Prozess vor dem Landgericht. Weil zudem Bakterien in den Nerv eingedrungen seien und ihn entzündet hätten, habe er eine Vitalitätsprüfung gemacht. Und dann folgte die Wurzelbehandlung, die er ohne Röntgenbilder durchführte.

30.000 Euro Schmerzensgeld gefordert

Dazu sagte der zahnärztliche Gutachter Dr. Matthias Plöger (Detmold): »Das war nicht fachgerecht, das ist ein Fehler.« Für eine Wurzelbehandlung müssten zwei Röntgenbilder vor und während der Behandlung gemacht werden. Ein Examenskandidat würde in einem solchen Fall durchfallen, es sei denn, die Wurzelbehandlung würde er so perfekt durchführen, wie eben der Dentist aus dem Altkreis. Plöger: »Das sind zwei blaue Augen.«

Nur eine Stunde nach dieser Zahnarztbehandlung klagte der Patient indes über Herzbeschwerden. Er erlitt schließlich einen Herzinfarkt und wurde stationär im Herz- und Diabeteszentrum Bad Oeynhausen aufgenommen. In den vergangenen drei Jahren sei er 21 Monate arbeitsunfähig gewesen, sagte der Kläger. Erst im Juni stehe seine Wiedereingliederung an. Er beklagte die fehlerhafte Behandlung des Zahnarztes, die zu einer bakteriellen Entzündung des Herzmuskels geführt habe und forderte nun 30.000 Euro Schmerzensgeld.

Entzündungswerte miteinander verglichen

Die 4. Zivilkammer wies die Klage jedoch ab, und die Richter stützten sich dabei auf die Expertise des Detmolder Sachverständigen. Er habe in diversen Laboren in Deutschland »geforscht«, sagte Dr. Plöger, habe Entzündungswerte miteinander verglichen, doch »solch hohe Werte sind nach einer Zahnbehandlung nicht denkbar«. Es sei »auszuschließen«, die Blutwerte »auf eine nicht fachgerechte Wurzelbehandlung« zurückzuführen.

Das Gericht stellte demnach fest, dass die fehlende Röntgenuntersuchung ein nahezu »grober Behandlungsfehler« sei. Die Entzündungsparameter (CRP- und PCT-Werte) schlössen indes »die Ursächlichkeit der Entzündung durch die Behandlung« des Zahnarztes aus. Der Zahnarzt sei auch nicht zu einer Antibiotika-Prophylaxe verpflichtet gewesen, wie der Kläger nachträglich behauptete. Dazu der Gutachter: »Wenn wir bei jeder Wurzelbehandlung vorsorglich Antibiotika gäben, wäre das eine Katastrophe.« Die Symptome, die also zum Infarkt und zum Klinikaufenthalt des Patienten geführt hätten, »sind zufällig zeitgleich mit der Behandlung« durch den Lübbecker Zahnarzt aufgetreten. Az. 4 O 223/15

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.