Mühlenkreiskliniken erhalten Rezertifizierung im ersten Anlauf – Patienten werden auf Erreger getestet Gute Vorsorge gegen tödliche Keime

Lübbecke/Minden (PAM). Die Mühlenkreiskliniken (MKK) sind durch das Kreis-Gesundheitsamt erneut mit dem Siegel zur Prävention multiresistenter Erreger (MRE) ausgezeichnet worden. Die Auszeichnung zeigt, dass das Krankenhaus Lübbecke-Rahden, das Medizinische Zentrum für Seelische Gesundheit in Lübbecke, die Auguste-Viktoria-Klinik in Bad Oeynhausen und das Johannes-Wesling-Klinikum in Minden die Hygieneanforderungen zum wiederholten Male erfüllt haben.

Landrat Ralf Niermann (2. von links) und die Leiterin des Kreis-Gesundheitsamtes, Elke Lustfeld (3. von links) verliehen die Siegel an die Verantwortlichen der Mühlenkreiskliniken.
Landrat Ralf Niermann (2. von links) und die Leiterin des Kreis-Gesundheitsamtes, Elke Lustfeld (3. von links) verliehen die Siegel an die Verantwortlichen der Mühlenkreiskliniken. Foto: Amtage

»Damit wird ein wichtiges Zeichen für mehr Patientensicherheit und gegen die Ausbreitung von multiresistenten Keimen gesetzt«, betonte Landrat Ralf Niermann gestern bei der Verleihung des Siegels im Beisein der Leiterin des Kreisgesundheitsamtes, Dr. Elke Lustfeld und dem Leiter des neu gegründeten Institutes für Krankenhaushygiene der MKK, Dr. Peter Witte. »Es zeigt auch, dass alle Beteiligten das Bestmögliche tun, allerdings ohne absolute Sicherheit garantieren zu können.«

Im ersten Anlauf geschafft

Die Mühlenkreiskliniken hätten die Rezertifizierung im ersten Anlauf geschafft, was nur etwa 40 Prozent der überprüften Krankenhäusern gelänge, erläuterte MKK-Vorstandsvorsitzender Dr. Olaf Bornemeier. Möglich geworden sei das durch das sehr gute Zusammenwirken, sagte Elke Lustfeld mit Blick auf das umfangreiche Prüfungsverfahren, das die Klinik alle zwei Jahre erfolgreich durchlaufen muss.

Insgesamt zehn Qualitätsziele, die zur Vergabe des Siegels nötig sind, hätten die MKK nach Vorlage umfangreicher Daten, Überprüfungen und Nachfragen erreicht, schilderte der MKK-Koordinator für Hygiene, Wolfgang Söfker, gestern im Wesling-Klinikum. Peter Witte wies darauf hin, dass im Krankenhaus Lübbecke-Rahden inzwischen alle Patienten im Rahmen eines Screenings auf eine Infektion mit multiresistenten Erregern untersucht würden. Im Johannes-Wesling-Klinikum liege der Anteil zurzeit bei 60 Prozent. Werde ein Patient vor 13 Uhr eingeliefert, liege das Screening-Ergebnis noch am gleichen Tag vor. Sonst am nächsten Morgen.

Antibiotika-Kontrolle

In der Auguste-Viktoria-Klinik sehe die Situation etwas anders aus, da es nur wenige Patienten gäbe, die akut eingeliefert würden, erklärte der Ärztliche Direktor, Dr. Michael Vahldiek. So könnten die entsprechenden Untersuchungen bereits vor der Aufnahme erfolgen. Auf den Intensivstationen werden alle Patienten wöchentlich getestet, um etwaige Infektionen sofort zu erkennen. Zudem gebe es unter anderem auch eine Antibiotika-Kontrolle, um zu verhindern, dass sich neue multiresistente Keime bilden. Regelmäßige Mitarbeiter-, Patienten- und Besucherinformationen zum Thema Händehygiene seien ebenfalls ein Bestandteil des Hygiene-Programmes,

Die Geschäftsführerin des Krankenhauses Lübbecke-Rahden, Dr. Christine Fuchs, erinnerte daran, dass es zunächst Bedenken unter den Beschäftigten gegeben habe, da die Präventionsmaßnahmen auch Mehrarbeit bedeuteten. »Im Nachhinein hat sich gezeigt, dass durch die Verhinderung von MRE-Infektionen weniger Arbeit anfällt. Hinzu kommt der persönliche Schutz der Pflegekräfte, wobei eine Verstetigung des Ganzen wichtig ist.«

Netzwerk in OWL ist bislang einmalig

Zurück gehe das Hygiene-Programm auf eine Gesundheitskonferenz des Landes, erinnerte Peter Witte. Daraufhin gründete sich vor etwa zehn Jahren das regionale Netzwerk zur Prävention multiresistenter Erreger (MRE) in Ostwestfalen-Lippe. Dabei handelt es sich um eine Kooperation der Gesundheitsämter in OWL, darunter das Kreis-Gesundheitsamt Minden-Lübbecke, mit der Fakultät für Gesundheitswissenschaften der Universität Bielefeld. Diese Form der Zusammenarbeit zwischen dem öffentlichen Gesundheitsdienst und der Universität als wissenschaftlicher Einrichtung gilt in NRW als bislang einmalig.

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