Afrika-Experte spricht auf Einladung des Heimatvereins Stockhausen – 50 Zuhörer Wie es in der Heimat der Flüchtlinge aussieht

Lübbecke (ria). Mit mehr als 50 Zuhörern war der Vortragsraum in der Begegnungsstätte am Freitagabend gut gefüllt. Dr. Martin Kühhirt, der Vorsitzende des Heimatvereins, begrüßte »die Stockhauser, die Freunde Stockhausens und die Freunde Afrikas« zu einem Vortrag über die Situation in den afrikanischen Heimatländern »unserer Flüchtlinge in Stockhausen«.

Prof. Christof Hartmann (links) ist der Einladung von Martin Kühhirt gefolgt und hat in Stockhausen über Afrika referiert.
Prof. Christof Hartmann (links) ist der Einladung von Martin Kühhirt gefolgt und hat in Stockhausen über Afrika referiert. Foto: Ria Stübing

Kontakt zu den neuen Nachbarn

Etwa zehn Afrikaner leben seit einem guten Jahr in Stockhausen. Um Kontakt zu den neuen Nachbarn aufzubauen und deren Integration zu fördern, haben Mitglieder des Heimatvereins Stockhausen die Gruppe im vergangenen Jahr mehrmals zum Boule spielen eingeladen und Anfang Januar wurde gemeinsam gekegelt. Jedoch gelingt die Verständigung mit den aus Eritrea und Guinea stammenden Männern laut Kühhirt »mehr mit Taten als mit Worten«.

Auf einer Geburtstagsfeier wurde die Idee zum Vortrag geboren und Kühhirt lud Prof. Dr. Christof Hartmann, den Patensohn seiner Frau, als Referenten ein. Hartmann unterrichtet an der Universität Duisburg-Essen Studenten der Politikwissenschaft und ist überdies seit vielen Jahren in afrikanischen Ländern beratend und forschend tätig.

Afrika ist nur in Teilen demokratisch

Entschuldigte sich der Referent eingangs noch, dass er als Wissenschaftler sich häufig kompliziert ausdrücke, informierte er dann gut verständlich und strukturiert über die Situation der verschiedenen Länder des »schwarzen Kontinents«.  Die einzelnen Staaten seien sehr verschieden. So variiert die Einwohnerzahl von einer Million bis 180 Millionen und es gibt eine Vielfalt bei den politischen Systemen.  Bis Anfang der 1990er Jahre musste sich beinahe jedes afrikanische Land einer Diktatur beugen, mittlerweile herrscht diese Regierungsform nur noch in 18 Staaten des Kontinents. Neun demokratisch  regierte Länder, darunter Südafrika, Ghana und Senegal, gibt es heute und weitere Staaten bewegen sich ebenfalls in Richtung Demokratie.

Bezüglich der Regierungsformen sei eine dynamische Entwicklung zu beobachten, berichtete Hartmann dem aufmerksam folgenden Publikum.  Wurden Regierungen in den 1960er Jahren überwiegend durch einen Putsch gestürzt, traten Diktatoren im Laufe der letzten Jahrzehnte immer häufiger freiwillig zurück oder mussten ihre Stellung aufgrund einer verlorenen Wahl aufgeben. Auch die Einhaltung der Menschenrechte kann nicht verallgemeinernd auf den ganzen afrikanischen Kontinent beschrieben werden.

Viele Fakten

Christof Hartmann informierte darüber, dass es  Länder gebe, in denen Menschenrechtsverletzungen an der Tagesordnung sind, während sie in anderen Staaten, ähnlich wie in westlichen Ländern, eingehalten würden. Des Weiteren erfuhren die Anwesenden Fakten bezüglich der Einkommensverhältnisse, Geburtenraten, Alphabetisierung und der Versorgung mit Elektrizität in den unterschiedlichen Regionen Afrikas.

Abschließend ging der Referent noch explizit auf die Situation in den Heimatländern der aktuell in Stockhausen lebenden Afrikaner ein: Guinea und Eritrea.

In der anschließenden Fragerunde ging es um den wirtschaftlichen Einfluss Chinas ebenso wie um Fragen zur Diskriminierung und Verfolgung Homosexueller, der religiösen Ausrichtung der afrikanischen Bevölkerung und der Chancen afrikanischer Flüchtlinge am deutschen Arbeitsmarkt.

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