Pastor Herbert Müller hat drei Flüchtlinge zur Taufe begleitet – Verfolgung erlebt Wenn christlicher Glaube gefährlich ist

Lübbecke (WB). An Heiligabend in die Kirche gehen, die Weihnachtsgeschichte hören und mit anderen Gläubigen singen und beten – was für heimische Christen ganz selbstverständlich ist, ist für Hussein, Kamran und Nassim immer noch etwas Besonderes. Die drei Flüchtlinge haben sich in Deutschland taufen lassen. In ihrer alten Heimat wäre das ihr Todesurteil.

Von Friederike Niemeyer
Die Arme weit ausgebreitet begrüßt Jesus Christus die beiden Menschen am unteren Bildrand. Für Pastor Herbert Müller trifft dieses Motiv die Situation der Flüchtlinge, die sich in Lübbecke haben taufen lassen.
Die Arme weit ausgebreitet begrüßt Jesus Christus die beiden Menschen am unteren Bildrand. Für Pastor Herbert Müller trifft dieses Motiv die Situation der Flüchtlinge, die sich in Lübbecke haben taufen lassen. Foto: Arndt Hoppe

Aus Muslimen werden Christen

Vor zwei Jahren sind die drei jungen Männer aus Afghanistan und dem Iran in den Westen geflohen. Am Ende landeten sie in der Region Lübbecke. In der Lübbecker Baptistengemeinde, wo es einen Deutschkurs für Flüchtlinge gab, lernten sie sich kennen und begegneten auch Herbert Müller, Pastor der Baptistengemeinde.

Alle drei waren neugierig auf den christlichen Glauben. Vor einem Jahr hat Pastor Müller sie schließlich getauft. »Dies ist für Muslime gerade aus Afghanistan oder dem Iran besonders schwer«, sagt der 59-Jährige. »Sie gelten damit in ihrer Heimat als Abgefallene. Das ist noch schlimmer als Ungläubige.«

»Kultur der Bedrohung«

Der gesellschaftliche Hass gegen Konvertiten treffe ebenso die Familien, weiß Müller. Der Staat sei dort zu schwach oder dulde es bewusst, wenn die religiösen Führer zur Bestrafung von Ungläubigen aufrufen. Geschichten vom Erhängen oder Steinigen von Christen verbreiten sich. »Es gibt dort eine Kultur der Bedrohung und der Angst«, sagt Herbert Müller. Deshalb sind für diesen Bericht auch die Namen der Flüchtlinge geändert.

Hussein freut sich schon auf Weihnachten. »Wir feiern die Geburt Jesu. Wir versammeln uns und feiern, dass Jesus als Retter auf die Welt gekommen ist«, sagt Hussein. Der 32-Jährige ist selbst gerade zum dritten Mal Vater geworden. In Griechenland und Deutschland habe er erlebt, dass Christen ganz anders sind, als ihm in seiner Heimat erzählt wurde. Er strahlt, als er sagt, dass seine Taufe ihm sehr wichtig sei.

Kein Kontakt zur Familie

Und auch für Kamran (23) haben Taufe, sein Glaube und Weihnachten eine tiefe Bedeutung: »Mit Christus ist das Licht auf die Welt gekommen«, sagt er. Doch gerade bei ihm mischt sich auch Schmerz in dieses Bekenntnis. Denn seine Familie hat von seinem neuen Glauben erfahren. Er hat keinen Kontakt mehr zu ihr.

In Afghanistan bestehe von Kindheit an ein großer Druck, in die Moschee zu gehen, berichtet Kamran. »Du darfst nicht nach links und nach rechts schauen«, erzählt der 23-Jährige, der eine gute Bildung genossen hat. Das habe ihm am Islam in seinem Land immer gestört und deshalb sei er schließlich auch geflohen. Schläge oder Gefängnis stünden immer im Raum, wenn man sich in Sachen Religion nicht anpasse. »Doch wenn einem Kind ohne Grund immer verboten wird, in ein Zimmer zu gehen, dann wird es neugierig, es doch zu betreten.«

Er habe in Afghanistan im Geheimen in einer Bibel auf Englisch lesen können, in Deutschland könne er sich nun offen mit der Bibel beschäftigen. Aber er habe die Angst noch nicht ganz abgelegt, wenn er in einen Gottesdienst gehe, sagt Kamran. Schließlich ist die Welt durch die sozialen Netzwerke sehr klein geworden.

Verfolgung im Iran

Nassim kannte das Christentum und Bräuche wie den Weihnachtsbaum schon aus dem Iran. In seiner Heimat lebten auch armenische Christen. »Für mich bedeutet Weihnachten, dass Gott seinen Sohn auf die Erde geschickt hat, der uns die gute Nachricht bringt. Die Menschen können durch Jesus zurückkommen zu Gott, dem Vater«, sagt er.

Der 38-Jährige kann nicht verstehen, dass Religion nicht in allen Ländern einfach als Privatsache betrachtet wird. Noch im Iran ist er zum christlichen Glauben gekommen, eine Taufe war aber unmöglich. »Wenn jemand eine andere Religion annimmt, wird es geduldet, wenn ihn sein Nachbar tötet«, sagt Nassim. Über Jesus dürfe man reden. Der gelte im Islam als Prophet. »Aber wer von Jesus als Christus, als Gottes Sohn spricht, der bekommt ein Problem«, erläutert Nassim.

Er berichtet, dass er sich mit Gleichgesinnten in einem Hauskreis getroffen habe. Den habe die iranische Polizei gesprengt. Einige wurden festgenommen, andere konnten fliehen, so wie er selbst. Auch auf der Flucht habe er Ausgrenzung und Spott wegen seines Glaubens erlebt, sagt Nassim. Deshalb habe er sich lange keinem Menschen geöffnet.

Zeichen der Hoffnung

Zu einem Hauskreis kann Nassim jetzt in Deutschland ganz offen gehen. Gemeinsam mit Hussein und Kamran will er lernen, die Angst vor Verfolgung abzulegen. »Vielleicht werde ich eines Tages sogar Pastor«, sagt Kamran.

Für Herbert Müller von der Baptistengemeinde sind die Erfahrungen von Nassim, Kamran und Hussein erschreckend, aber zugleich auch voller Hoffnung. »Vielleicht wird es in der Welt sogar noch kälter. Aber seit Jesus da ist, nimmt das Licht zu«, sagt Müller. »Was die Flüchtlinge erlebt haben, macht betroffen. Aber zu sehen, wie das Licht in ihnen aufgeht, weckt auch Hoffnung. Das ist wie Weihnachten.«

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