Einblicke in die Mindener Kreisleitstelle der Feuerwehr – 6000 Einsätze 2016 koordiniert Und wieder kommt ein Notruf rein

Minden (WB). »Notruf Feuerwehr und Rettungsdienst – wo genau ist der Notfallort?« Souverän und mit ruhiger Stimme spricht Jörn Dunker, Disponent der Kreisleitstelle Minden, diesen Satz in sein Headset. Der Anrufer, der den Notruf 112 gewählt hat, ist offenbar sehr aufgeregt. Doch der Beamte der Berufsfeuerwehr hat genug Erfahrung, so dass sich diese Nervosität nicht auf ihn überträgt.

Von Sandra Knauthe
Immer hoch konzentriert: Markus Friedrichs, stellvertretender Leiter der Kreisleitstelle, hat alles im Blick.
Immer hoch konzentriert: Markus Friedrichs, stellvertretender Leiter der Kreisleitstelle, hat alles im Blick. Foto: Sandra Knauthe

Routiniert fragt Jörn Dunker, was genau wo passiert ist und wie viele Verletzte es mit welcher Art Verletzungen gibt. Die Antworten gibt er in einen der fünf Monitore ein, mit denen er sämtliche Daten erfassen und zur Alarmierung an die Rettungskräfte weitergeben kann.

Hochmoderne Technik

Markus Friedrichs, stellvertretender Leiter der Kreisleitstelle, lobt die Leistungsfähigkeit der Technik. »Unser Computersystem ist so angelegt, dass es sogar Falschschreibweisen oder allgemeingebräuchliche Namen von Straßen erkennt, die offiziell anders lauten.« Die Disponenten koordinieren mit Hilfe des Computers auch die Alarmierung der jeweils benötigten Einsatzmittel.

Und das macht auch Jörn Dunker, der sich noch immer mit dem aufgeregten Gegenüber per Telefon unterhält. Auf den Bildschirmen vor sich kann er ganz genau sehen, welcher der 465 zur Verfügung stehenden Rettungswagen, Notarzteinsatzfahrzeuge oder Löschzüge gerade im Einsatz oder verfügbar ist. Viele davon sind Spezialfahrzeuge für besondere Einsätze. Das herauszufinden, ist Aufgabe des Disponenten.

Rettungseinsatz beginnt

Jörn Dunker hat nun anhand der Befragung alle notwendigen Informationen in seinen Computer eingegeben und veranlasst dann mit einem Mausklick die Alarmierung der Einsatzkräfte. Bei den betreffenden Rettungsassistenten, Notärzten und Feuerwehrleuten schrillen jetzt die Pager oder Alarmglocken und der Rettungseinsatz beginnt.

Währenddessen ist am anderen Disponentenplatz Jens Schilling mit der Besatzung eines Rettungswagens verbunden, die per Funk über die Leitstelle Hilfe von der Feuerwehr anfordert. Eine Tür muss geöffnet werden. Jens Schilling gibt die Daten ins System ein und bekommt daraufhin vom Computer auf einer Karte genau den Einsatzort angezeigt und einen Vorschlag für die Einsatzmittel. Der Disponent kann aber auch manuell eingreifen, wenn er etwa der Meinung ist, es müssen noch zusätzliche Kräfte benachrichtigt werden.

Die Feuerwehr ist bereits unterwegs und hat binnen Minuten die Tür mittels ihres Spezialwerkzeuges geöffnet, so dass die Rettungswagen-Besatzung ihre Arbeit fortsetzen kann.

Anrufer orten

David Gohde, Leiter der Kreisleitstelle, berichtet, dass es sogar möglich ist, verletzte oder vermisste Anrufern zu orten, die nur noch einen Notruf absetzen, aber nicht mehr sagen können, wo genau sie sich befinden. »Zuerst wird geprüft, in welchem Funkmast das besagte Handy zuletzt eingeloggt war. Da diese Masten im Radius von etwa zwei bis drei Kilometern stehen, grenzt es das Suchgebiet enorm ein. Und dann beordert die Leitstelle Einsatzkräfte der Berufsfeuerwehr mit Unterstützung der dortigen Freiwilligen Feuerwehr und der Rettungsassistenten in dieses Gebiet.«

Oft komme noch die Polizei zur Unterstützung, und dann werde systematisch abgesucht, sagt Gohde. »Dabei hilft auch strategische Platzierung der Einsatzfahrzeuge, bei denen wir gegebenenfalls nacheinander die Sirenen anstellen, um zu erfragen, welches Martinshorn der Gesuchte hört, um somit immer mehr seine Position eingrenzen zu können.«

Brandmeldeanlage löst aus

Schon wieder schrillt der Notruf, optisch unterstützt durch Leuchtanlagen an den jeweiligen Plätzen. Diesmal hat der Disponent die Brandmeldeanlage eines großen Möbelhauses in der Leitung, die mit der Leitstelle vernetzt ist. Hier sind gleich alle erforderlichen Daten automatisch verfügbar und sofort entscheidet sich der Disponent, den Standard-Feuerwehrwagen mitsamt der Drehleiter und zusätzlichem Tanklöschzug rauszuschicken. Sobald er die Alarmierung veranlasst hat, ertönt nebenan in der Feuerwache viermal der Gong und zusätzlich piepen die Pager.

Die alarmierten Feuerwehrleute rutschen nur Augenblicke später die Stange in den oberen Stockwerken runter, springen in ihre Schutzkleidung und laufen zu den Fahrzeugen. Sofort öffnen sich die Tore und mit Blaulicht und Martinshorn geht es morgens um 6 dem Sonnenaufgang entgegen.

Autos machen nicht Platz

Dafür hat allerdings keiner der Feuerwehrbeamten nun einen Blick, fokussiert auf ihre Arbeit legen sie die Atemgeräte an, nur Bernhard Gorny, der 56-jährige Fahrer des Löschfahrzeugs flucht leise vor sich hin, da trotz Martinshorn und Blaulicht die vor ihm fahrenden Fahrzeuge nicht richtig Platz machen und er fast eine Vollbremsung mit dem 18 Tonner einlegen muss.

Am Einsatzort stellt sich dann schnell heraus, dass ein Wasserrohrbruch die Brandmeldeanlage ausgelöst hat und in Abstimmung mit der Kreisleitstelle, die im Hintergrund bereits die Betreiber des Geschäftes informiert hat, wird das weitere Vorgehen abgesprochen. Der Funkspruch »Wir rücken wieder ein« bedeutet schließlich das Ende des Einsatzes.

Zurück auf der Wache trifft es Oberbrandmeister Frank Warnecke wohl präzise, als er sagt: »Wir machen unseren Job mit viel Begeisterung und Idealismus, aber am besten ist es, wenn gar keine Notrufe eingehen, denn dann wissen wir, dass es den Menschen gut geht.«

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