Theater und Akrobatik aus Kongo in der Stadthalle Lübbecke Faszinierende Facetten Afrikas

Lübbecke (aha). Mit der düsteren Lebensgeschichte eines afrikanischen Mädchens und spektakulärer Akrobatik haben die Künstler der Gruppe Mutoto Chaud ihrem Publikum in Lübbecke eine intensive Begegnung mit Musik, Tanz und Kultur im Kongo beschert.

Die Akrobaten der Gruppe Mutoto Chaud haben mit ihren Sprüngen Staunen und Applaus geerntet.
Die Akrobaten der Gruppe Mutoto Chaud haben mit ihren Sprüngen Staunen und Applaus geerntet. Foto: Arndt Hoppe

Während die Gruppe am Montagmorgen 400 Schüler in der Stadthalle in ihren Bann zog, waren am Abend nur etwa 50 Zuschauer gekommen. Wer dort war, dürfte es aber nicht bereut haben. Denn das dreiviertelstündige Stück und die Akrobatik waren spannend und kurzweilig.

Keine leichte Kost

Die Geschichte von Pemba Safi (in französisch und Kisuaheli mit eingespielten Textübersetzungen) war allerdings keine leichte Kost. In sehr eindruckvollen kurzen Szenen schildert sie das Leben des Mädchens Pemba. Das Kind wird mit acht Jahren einem fast 50-Jährigen Mann versprochen und muss ihn mit zwölf Jahren heiraten. Als sie mit 14 Jahren ihre Tochter Gina zur Welt bringt, will sie dem Kind ein vergleichbares Schicksal ersparen. Auf ihrer Flucht begegnet sie einer gut situierten Frau, die sie aufnimmt. Gina ist sehr gut in der Schule und alles scheint sich zum Guten zu wenden. Doch dann beginnt ein Krieg, der Mutter und Tochter trennt. Als sich beide nach Jahren wiedersehen, hat Gina nach einer Vergewaltigung selbst ein Baby und ist HIV-positiv. Auch wenn sich am Ende herausstellt, dass Pemba die tragischen Ereignisse nur geträumt hat, erscheint die Lebensgeschichte doch nicht so fernab der Realität im Kongo.

Waghalsige Sprünge zu treibenden Trommelrhythmen

Ein gutes Gegengewicht zu diesen bewegenden Eindrücken lieferte die Akrobatik-Show. Atemberaubende Überschläge, waghalsige Sprünge und kraftvolle Hebefiguren, begleitet von den treibenden Trommelrhythmen und ausgelassenen Gesängen vermittelten eine ganz andere Facette der kongolesischen Wirklichkeit. Denn sie erzählte von überbordender Lebensfreude. Mutoto Chaud gastierten am Dienstag vor vollem Haus im Theater Espelkamp. Die Akrobaten haben weitere Auftritte im Altkreis, unter anderem am Sonntag beim Spaziergängercafé am Gabelweiher. Der Verein »Mutoto« unterstützt das »Village Mutoto« in der Millionenstadt Lubumbashi. Dort entstand auch das Kultur-Projekt »Mutoto Chaud«.

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