Wissenschaftliche Untersuchungen in der St.-Andreas-Kirche Woher kommt der Geruch?

Lübbecke (WB). Ist es ein Pilz? Oder nur Feuchtigkeit? Schon seit Jahren weisen Besucher der St.-Andreas-Kirche zu Lübbecke auf einen eigenartigen Geruch im Gotteshaus hin. »Es riecht muffig«, sagt Pfarrer Eckhard Struckmeier. Wissenschaftliche Untersuchungen sollen jetzt klären, woher der Geruch im ältesten Bauwerk des Lübbecker Landes kommt.

Von Kai Wessel
Schnupperstunde in der St.-Andreas-Kirche: Pfarrer Eckhard Struckmeier (rechts) und Baukirchmeister Eyke Blöbaum wollen geklärt wissen, warum es im mehr als 800 Jahre alten Gotteshaus so muffig riecht. Wissenschaftliche Untersuchungen laufen.
Schnupperstunde in der St.-Andreas-Kirche: Pfarrer Eckhard Struckmeier (rechts) und Baukirchmeister Eyke Blöbaum wollen geklärt wissen, warum es im mehr als 800 Jahre alten Gotteshaus so muffig riecht. Wissenschaftliche Untersuchungen laufen. Foto: Kai Wessel

Zur Ursachenforschung wurde eine Kapazität auf dem Gebiet der Mikrobiologie hinzugezogen. Prof. Dr. Karin Petersen (64) von der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Hildesheim kann auf langjährige Erfahrung im Bereich mikrobieller Materialbesiedlung und möglicher Probleme verweisen. Sie hat im April Luftproben in der Andreaskirche genommen: »Wir haben den Nährboden von Petrischalen mit eingesaugten Luftmengen beaufschlagt, um zu untersuchen, wie viele Pilze welcher Sorte in der Luft vorhanden sind.«

Luftfeuchtigkeit ist auffällig hoch

Zuvor wurden ein Jahr lang Daten über die Temperatur und die Luftfeuchtigkeit in der Kirche gespeichert. Die Daten gingen an das Institut für Diagnostik und Konservierung (IDK) in Halle (Sachsen-Anhalt), das zu den ersten Adressen bezüglich praxisorientierter Forschung an historischen Gebäuden gehört.

Gerade die Luftfeuchtigkeit könnte ein Teil des Problems sein: »Wir haben an Tagen, an denen 40 bis 50 Prozent Luftfeuchtigkeit erwartbar waren, bis zu 70 Prozent gemessen«, sagt Baukirchmeister Eyke Blöbaum. Aber wieso sind solche Werte möglich? Blöbaum deutet mit dem Kopf in Richtung des Turms und kommt auf die sogenannte »Dochttheorie« zu sprechen. »Der Turm ist der älteste Bauteil der Kirche. Möglicherweise verläuft unter seinem Fundament eine Wasserader, so dass die Feuchtigkeit hochgezogen wird – wie Wachs bei einem Kerzendocht.« Tatsächlich zeigen sich an der Innenwand des Turms feuchte Stellen, der Putz bröckelt ab. Sollte sich bestätigen, dass der Turm die Feuchtigkeit ins Innere des Gebäudes zieht, könnte wohl nur eine neue Drainage um das Fundament das Problem lösen.

Keine Anzeichen für Hausschwamm

Es gibt allerdings auch Zweifel an der Dochttheorie. Pfarrer Eckhard Struckmeier glaubt nicht, dass die Kirche direkt auf einer Wasserader errichtet wurde. Schon damals seien die Baumeister klug genug gewesen, um ein Wassergrundstück zu meiden. Denn früher habe man am Verhalten von Kühen erkannt, ob unter dem Boden Wasser verläuft.

Den schlimmsten Fall, dass wie in der Alsweder Kirche der gefürchtete Hausschwamm wütet, wollen Pfarrer und Baukirchmeister bislang ausschließen. »Dafür gibt es keine Anzeichen«, sagt Blöbaum. Die Holzbohlen in der Kirche seien auch nicht porös.

Ergebnisse in zwei bis drei Wochen

Das Presbyterium wartet gespannt auf die Erklärungen der Wissenschaftler. 5000 Euro wurden in die Ursachenforschung investiert. Eyke Blöbaum hofft, dass der Auslöser für die Geruchsbelästigung keine kostenintensive Sanierung erforderlich macht: »Unser finanzieller Spielraum ist begrenzt.« Was auf die Kirchengemeinde zukommt, dürfte in zwei bis drei Wochen klar sein. Dann rechnet Prof. Dr. Karin Petersen mit ersten Ergebnissen hinsichtlich eines »mikrobiellen Befalls«.

Für Pfarrer Struckmeier wäre eine Verbesserung der Luftqualität grundsätzlich wünschenswert, denn: »Meine Frau kann riechen, ob ich in der Kirche war . . .«

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