Podiumsdiskussion in Lübbecke: Schüler zeigen politisches Interesse Berufskolleg wird Wahlarena

Lübbecke (WB). Warum ist es wichtig, am 14. Mai wählen zu gehen? Und wofür stehen die einzelnen Parteien? Eine Podiumsdiskussion mit den Landtagskandidaten sollte den Schülerinnen und Schülern des Berufskollegs am Freitag dabei helfen, sich politisch eine Meinung zu bilden.

Von Cornelia Müller
Fünf Direktkandidaten für den Landtag haben im Berufskolleg mit jungen Menschen diskutiert: (von links) Ernst-Wilhelm Rahe (SPD), Bianca Winkelmann (CDU), Benjamin Rauer (Bündnis 90/Die Grünen), Daniela Beihl (FDP) und Tanja Behring (Die Linke).
Fünf Direktkandidaten für den Landtag haben im Berufskolleg mit jungen Menschen diskutiert: (von links) Ernst-Wilhelm Rahe (SPD), Bianca Winkelmann (CDU), Benjamin Rauer (Bündnis 90/Die Grünen), Daniela Beihl (FDP) und Tanja Behring (Die Linke). Foto: Cornelia Müller

Keine Einladung an AfD

Zwei Direktkandidaten für den Wahlkreis Minden-Lübbecke I fehlten auf dem Podium. Karl-Heinz Detert (Piraten) blieb aus unbekannten Gründen fern. Jan Aussieker (AfD) war gar nicht erst eingeladen worden. Schulleiter Stefan Becker begründete diese Entscheidung mit Paragraf 2 des Schulgesetzes, der unter anderem von den Schulen fordert, für ein friedliches und diskriminierungsfreies Zusammenleben einzutreten. »Wir haben im Kollegium darüber kontrovers diskutiert. Aber weil Höcke und Gauland zum Teil eine völkische Gesellschaftsordnung propagieren, konnte ich für eine Einladung der AfD nicht die Verantwortung übernehmen. Aus unserem Bildungsauftrag heraus können wir ihr nicht die Gelegenheit geben, solche Inhalte zu transportieren.«

Zwei Schüler moderieren

Die Schüler selbst thematisierten die Unvollständigkeit der Kandidatenrunde nicht. Sie interessierten sich für andere Fragen: Wie soll das Bildungssystem der Zukunft aussehen? Wie bleibt »innere Sicherheit« auch im ländlichen Raum gewährleistet? Für welche Flüchtlingspolitik stehen die Parteien? Und was kann man zur Verbesserung der Infrastruktur tun, denn »Schüler, die nicht aus Lübbecke kommen, brauchen zum Teil ein bis zwei Stunden mit dem Bus zur Schule.«

Moderiert wurde die Diskussion von den beiden Schülern Semih Karaca und Muhammad Ali Chaudhry. Ihre Lehrer Zelkif Kacir und Moritz Ringhoff sorgten dafür, dass alle Politiker die gleiche Redezeit erhielten.

Jugendliche und Politik

In einer ersten Runde hatten alle Kandidaten Gelegenheit, sich und ihre Partei kurz vorzustellen. Gleich die nächste Frage der Schüler aber zielte auf ein Kernproblem. »Wie kann das Interesse von Jugendlichen an Politik geweckt werden?«, wollte Moderator Muhammad Ali Chaudhry wissen. Bianca Winkelmann (CDU) hielt Veranstaltungen wie diese Podiumsdiskussion für einen guten Einstieg: »Ein direkter Austausch weckt das Interesse an politischen Themen. Menschen interessieren sich für Politik, wenn es um ihre ganz persönlichen Belange geht.«

Benjamin Rauer (Grüne) hob die zentrale Bedeutung des Rechts auf freie Meinungsäußerung hervor. Tanja Behring (Die Linke) war der Überzeugung: »Nur durch die Umsetzung von Wahlversprechen kann man das Vertrauen der Wähler gewinnen.« Ernst-Wilhelm Rahe (SPD) beobachtete ein inzwischen wieder steigendes Interesse an Politik (»Das hat etwas mit dem Brexit und mit Trump zu tun.«) und nannte die Digitalisierung eine politische Herausforderung, angesichts der man gar nicht desinteressiert bleiben könne.

Daniela Beihl (FDP) schließlich befürwortete die Bildung von Jugendräten und Jugendparlamenten, um das politische Interesse von Jugendlichen zu fördern.

Schüler mit Verlauf zufrieden

Im weiteren Verlauf teilten die Wahlkämpfer zwar auch aus und warfen den jeweils anderen Parteien eine verfehlte oder wirkungslos gebliebene Politik vor. Insgesamt aber verlief die Diskussion sachlich und unaufgeregt. »Informativ« urteilten die Schülerinnen Kaja Terwiel und Jenny Steinkamp am Ende über die Veranstaltung. »Die Teilnahme hat sich gelohnt. Ich sehe jetzt klarer als vorher und habe einige Antworten gehört, über die ich noch genauer nachdenken werde«, sagte die 18-jährige Kaja.

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