Jazz-Trio begeistert in Lübbecke bei zwei Konzerten – Musiker spielen mit Schülern Jammen mit Musik-Legenden

Lübbecke (WB). Zusammen verkörpern sie 212 Jahre lebendige Musikgeschichte: Erwin Helfer (Piano), Katherine Davis (Gesang) und John Brumbach (Saxofon). Der Ruf der drei Jazz-Musiker ist legendär. Vor drei Jahren ist das »Chicago Boogie Trio« zum ersten Mal in Lübbecke aufgetreten. Nun konnte Petra Guder, Gründungsvorsitzende des ehemaligen Bürgerhausvereins, das Trio noch einmal hierher holen.

Von Cornelia Müller
Der Jazz Club Lübbecke hat gleich zwei Konzerte an einem Abend geboten: Das Chicago Boogie Trio mit Erwin Helfer (Piano), Katherine Davis (Gesang) und John Brumbach (Saxofon) hat für ein ausverkauftes Haus gesorgt.
Der Jazz Club Lübbecke hat gleich zwei Konzerte an einem Abend geboten: Das Chicago Boogie Trio mit Erwin Helfer (Piano), Katherine Davis (Gesang) und John Brumbach (Saxofon) hat für ein ausverkauftes Haus gesorgt. Foto: Cornelia Müller

Für ihren Aufenthalt in der Stadt am Wiehen hatten sich die drei Jazzmusiker einiges vorgenommen. Unter anderem standen ein Unterrichtsbesuch im Wittekind-Gymnasium, ein Workshop in der Musikschule und am Freitagabend gleich zwei Konzerte im Jazzclub hintereinander auf dem Programm. »Wenn wir schon hier sind, können wir ja auch spielen«, blieb Erwin Helfer entspannt. Die Lust an der Musik ist für die drei Künstler aus Chicago etwas Essenzielles und das möchten sie gern auch an die jüngere Generation weitergeben.

Besuch am Wittekind-Gymnasium

Bei ihrem Besuch im Wittekind-Gymnasium hörten sie den Musikkursen zunächst einfach nur zu. Dann mischten sie sich ganz selbstverständlich unter die Schülerinnen und Schüler, um mit ihnen gemeinsam zu jammen. »Traut Euch«, ermunterte Erwin Helfer die Schüler. Zu improvisieren sei gar nicht so schwer, verriet er ihnen schmunzelnd: »Habt keine Angst, Fehler zu machen. Lasst sie einfach gut klingen.« »Wenn ihr Musik macht, müsst Ihr Spaß haben«, ergänzte Katherine Davis. »Ihr könnt nervös oder ängstlich sein, aber beim Singen verwandelt ihr dieses Gefühl in positive Energie.«

Diese positive Energie beeindruckte nicht nur die Wittekind-Schüler, sondern auch die Besucher der beiden Konzerte im Jazzclub. Sie war in jedem einzelnen Song, der an diesem Abend zu hören war, spürbar: im frechen Boogie »The Dirty Dozens« ebenso wie in dem mit viel Blues-Feeling vorgetragenen »Do You Know What It Means to Miss New Orleans?«

Sympathie veredelt Auftritte

Veredelt wurde der Auftritt durch die gegenseitige Sympathie, die die Musiker verband und die über die Musik auch auf das Publikum ausstrahlte. »Wir sind gute Freunde, seit mehr als dreißig Jahren«, sagte Erwin Helfer. »Ich spiele nur mit Menschen, mit denen mich etwas verbindet.« Eine vorher festgelegte Setliste gab es nicht. Jedes Konzert sei anders, betonte Helfer. »Wenn John spielt, begleite ich ihn. Wenn Katharine singt, begleite ich sie. Die beiden entscheiden, was als nächstes kommt. Wenn ich ein Solo habe, entscheide ich.«

Genau diese Gelassenheit, der souveräne Umgang mit den Instrumenten und dem musikalischen Material (»Wir spielen Klassiker, aber wir spielen sie auf unsere eigene Weise«) und Katherine Davis' Bühnenpräsenz machten auch das zweite Konzert des »Chicago Boogie Trios« wieder zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Live-Mitschnitt im Gewölbekeller

Und der Auftritt dürfte sogar noch weitere Kreise ziehen. Geplant ist, dass der Mitschnitt als CD veröffentlicht wird – damit würde der Jazzclub Lübbecke dann ein Stück Jazz-Geschichte schreiben.

Der Jazzclub-Vorsitzende Michael Biermann kann sich außerdem vorstellen, dass sich die »Konzert-Nacht« im Gewölbekeller durchaus als neues Format etablieren könnte.

Auch der Künstlerstammtisch am Donnerstag aus Anlass des Konzertes sei sehr fruchtbar verlaufen, berichtete Petra Guder. Angedacht sei die Ausrichtung eines Jugendwettbewerbes zum Thema »Stadtansichten« und vielleicht sogar ein eigenes Lübbecker Jugendmusical.

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