Politiker wollen Geld lieber für den Erhalt der Straßen ausgeben Grüne sind gegen neue B 65

Nettelstedt (WB). Braucht Lübbecke wirklich eine neue B 65? Nein, meinen zumindest die Lübbecker Grünen. Und erst recht nicht auf einer Trasse, die mitten durchs Naturschutzgebiet führt.

Von Cornelia Müller
Ortstermin an der möglichen Neubau-Trasse am Kanalweg: (von links) Benjamin Rauer (Landtagskandidat), Siegfried Gutsche (Ortsverbandsvorsitzender), Heinrich Stenau (Fraktionsvorsitzender), Bettina Fuhg (Landtagskandidatin), Oliver Krischer (Stellvertretender Vorsitzender der Bundestagsfraktion) und Jana Sasse (Bundestagsbewerberin).
Ortstermin an der möglichen Neubau-Trasse am Kanalweg: (von links) Benjamin Rauer (Landtagskandidat), Siegfried Gutsche (Ortsverbandsvorsitzender), Heinrich Stenau (Fraktionsvorsitzender), Bettina Fuhg (Landtagskandidatin), Oliver Krischer (Stellvertretender Vorsitzender der Bundestagsfraktion) und Jana Sasse (Bundestagsbewerberin). Foto: Cornelia Müller

Im Entwurf des Bundesverkehrswegeplans 2030 (BVWP), der im März veröffentlicht wurde, ist ein zweispuriger Neubau der B 65 zwischen Lübbecke (B 239) und Hille-Eickhorst als »vordringlicher Bedarf« eingestuft. Das bedeutet: Geht es nach dem Bundesverkehrsministerium, soll diese Maßnahme bis 2030 umgesetzt beziehungsweise begonnen werden.

Straße soll bis 2030 gebaut sein

Von einem vordringlichen Bedarf könne jedoch überhaupt keine Rede sein, betonen die Vertreter von Bündnis 90/Die Grünen. »Der Verkehr auf der B 65 ist rückläufig, es gibt keine Überlastung der Strecke und deshalb auch überhaupt keine Notwendigkeit eines Neubaus«, sagt Siegfried Gutsche, Ortsverbandsvorsitzender der Grünen. Beim Ortstermin am Kanalweg/Aspeler Straße, demonstrierte er dem stellvertretenden Bundes-Fraktionsvorsitzenden Oliver Krischer und den beiden Landtagskandidaten Bettina Fuhg und Benjamin Rauer, wo der Neubau der B 65 verlaufen soll: mitten im »Grünen Band« zwischen Lübbecke und Eickhorst, auf der ehemaligen MKB-Trasse.

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Der Verkehr auf der B 65 ist rückläufig, es gibt keine Überlastung der Strecke und deshalb auch überhaupt keine Notwendigkeit eines Neubaus

Siegfried Gutsche, Ortsverbandsvorsitzender der Grünen

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»Das Absurde ist, dass erst in den Achtzigern dieses Gebiet mit großem Aufwand renaturiert wurde«, sagt Ratsmitglied Heinrich Stenau. »Jetzt soll viel Geld ausgegeben werden, um genau hier eine neue Straße zu bauen, die die Natur zerstört und die niemand braucht.« In der Vergangenheit sei diese Maßnahme auch sinnvollerweise bereits einmal aus der Planungsliste herausgenommen worden. »Jetzt steht sie plötzlich wieder drin, und angeblich weiß niemand, wie sie wieder hineingekommen ist.«

Die Grünen-Landtagskandidaten lehnen einen Neubau ab. »Ich fahre die B 65 sehr oft: Es gibt keine Notwendigkeit, da etwas zu tun. Außerdem gibt es ja noch die parallel verlaufende L770 als schnelle Ost-West-Verbindung«, sagt Benjamin Rauer. »Das Geld für den Neubau kann man besser für den Erhalt der vorhandenen Straßen ausgeben«, betont Bettina Fuhg. Dieser Ansicht ist auch Thomas Oberhaus, der mit seiner Frau Anja einen Bioland-Betrieb am Kanalweg führt. »Das kann doch nicht sein, dass man uns die B 65 hier vor die Tür setzt, mitten ins Naturschutzgebiet. Für uns als Biobetrieb geht das gar nicht – das bedroht unsere Existenz«, empört er sich.

Protest der Anwohner

»Ein Neubau der B 65 ist sicher eines der Projekte, hinter die man ein großes Fragezeichen setzen muss,« bestätigt der Bundestagsabgeordnete Oliver Krischer. »Das Problem ist außerdem: Wenn eine Maßnahme in der Liste auftaucht, kann die Planung beginnen. Das bedeutet aber nicht, dass auch wirklich gebaut wird. Niemand weiß: Kommt die Straße oder kommt sie nicht. Das hängt letztlich vom Geld ab, das zur Verfügung steht. Aber freigehalten wird die Trasse auf jeden Fall, so dass eine städtebauliche Entwicklung hier nicht mehr möglich ist.«

Dass größere Bürgerproteste bisher dennoch ausgeblieben sind, wundert die Grünen nicht: »Das ganze Bürgerbeteiligungsverfahren, das Dobrindt über die Osterferien ins Internet gestellt hat, hat doch überhaupt niemand mitbekommen.« Deshalb möchten sie nun auch über ihre Vertreter in Berlin für mehr Öffentlichkeit sorgen und auf diese Weise verhindern, dass aus dem grünen Band ein graues Band wird.

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