Familienvater aus Polen (45) ist spurlos verschwunden – Spürhunde am Mittellandkanal »Else« sucht vermissten Binnenschiffer

Lübbecke (WB). Das Polizeiboot fährt langsam über den Mittellandkanal. »Else« (10) steht am Bug des Schiffes. Sie schnuppert. Aber sie riecht nichts. Der Leichenspürhund hat am Dienstag einen vermissten Binnenschiffer gesucht. Von dem Familienvater fehlt seit Montag, 13. Juni, jede Spur.

Von Kai Wessel
Auf dem Mittellandkanal: Die belgische Schäferhündin »Else« steht am Bug der Seehund II und richtet die Nase auf das Wasser. Begleitet wird der Leichenspürhund von den Hundeführern Uwe Schröder und Thomas Nolte (rechts). Den vermissten Binnenschiffer hat der Hund nicht aufgespürt.
Auf dem Mittellandkanal: Die belgische Schäferhündin »Else« steht am Bug der Seehund II und richtet die Nase auf das Wasser. Begleitet wird der Leichenspürhund von den Hundeführern Uwe Schröder und Thomas Nolte (rechts). Den vermissten Binnenschiffer hat der Hund nicht aufgespürt. Foto: Kai Wessel

Der 45-jährige Pole gehörte zur Besatzung des Schubverbandes »Bison«. Das Schiff hatte Kunstdünger geladen, kam aus Hannover und hatte an der Nordseite des Lübbecker Hafens festgemacht. In Absprache mit seinen beiden Kollegen verließ der Pole das Schiff, um in Lübbecke einzukaufen.

»Er hatte nicht viel Geld dabei und wollte nur kurz weg bleiben«, sagt Kriminalhauptkommissar Klaus Westerhold (56). Um 15.30 Uhr sah ihn die Besatzung, wie er sich in Richtung zur Brücke der B 239 begab. Seitdem fehlt jedes Lebenszeichen vom Familienvater. Das Handy des Gesuchten war bereits kurz nach seinem Verschwinden nicht mehr eingeschaltet.

Belgische Schäferhunde suchten den Lübbecker Hafen ab

Um auszuschließen, dass der Mann in den Mittellandkanal gestürzt ist, kamen gestern Leichenspürhunde aus Schloß Holte-Stukenbrock zum Einsatz. Die Tiere nehmen Gase wahr, die an die Wasseroberfläche steigen. Gemeinsam mit den Hundeführern Uwe Schröder (59) aus Porta Westfalica und Thomas Nolte (55) aus Oerlinghausen suchten die belgischen Schäferhunde »Else« und »Emil« vom Boot aus den Lübbecker Hafen ab.

Die »Seehund II« fuhr die Uferbereiche an, kreuzte über den Kanal und gelangte bis zur Eisenbahnbrücke im Osten. Die liegt 1,1 Kilometer von der Brücke an der Bundesstraße entfernt. Doch weder hier noch am Hafen oder westlich des Hafens schlugen die Hunde an.

»Else und Emil sind zuverlässig. Sie haben immer Lust zu arbeiten«, sagt Hauptkommissar Schröder. Er lebt mit den Tieren zusammen und vertraut ihrer Nase. Seine Hunde hatten schon Einsätze im Ausland. »Nicht jedes Land verfügt über diese speziell ausgebildeten Tiere«, sagt Nolte.

Polizei setzt auf Hilfe aus der Bevölkerung

Nach der ergebnislosen Aktion am Mittellandkanal ist die Polizei bei der Suche nach dem Vermissten weiterhin auf Hilfe aus der Bevölkerung angewiesen. Denn die Ermittlungen an Bord des 120 Meter langen Schubverbandes blieben ebenso ohne Resultat wie die Befragung seiner Ehefrau in Polen.

Auch ihr ist das Verschwinden ihres Mannes ein Rätsel. Er hatte erst drei Tage zuvor auf der »Bison« angeheuert, arbeitete zuletzt auf einer kleinen Werft. Vorher war er jahrelang als Matrose zur See gefahren. »Er hat viel von der Welt gesehen«, sagt Kripomann Klaus Westerhold.

Der Vermisste hat eine Stirnglatze, trägt vermutlich eine Jeanshose und spricht nur wenige Brocken Deutsch. Wer den Mann zwischenzeitlich gesehen hat oder Angaben zu seinem gegenwärtigen Aufenthalt machen kann, sollte sich mit der Kriminalpolizei in Minden unter der zentralen Rufnummer 0571/88660 in Verbindung setzen.

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