WESTFALEN-BLATT-Serie „Spuren der Vergangenheit in Oberbauerschaft“ – Teil 1: die Vorstellung der Chronikgruppe
Große Leidenschaft für die alten Zeiten

Oberbauerschaft -

Dirk Oermann und Christine Honermeyer teilen eine Leidenschaft für Geschichte – speziell die ihres Heimatortes Hüllhorst-Oberbauerschaft. Beide reisen für die Chronikgruppe der Dorfgemeinschaft regelmäßig durch die Zeit.

Samstag, 05.12.2020, 06:00 Uhr
Dirk Oermann (links) und Christine Honermeyer sind begeisterte Hobbyhistoriker. Alte Postkarten, Fotos oder das Kassenbuch von 1899 der ehemaligen Schmiede Becker, das Christine Honermeyer in Händen hält, dienen als Rechercheansätze Foto: Kathrin Kröger

Ein Puzzleteil reicht, ein Bild, ein Begriff, um den Wissensdurst zu entfachen. Und die Suche nach den weiteren Bausteinen beginnt. Dirk Oermann und Christine Honermeyer teilen eine Leidenschaft – die Begeisterung für Geschichte im Allgemeinen und das flammende Interesse an der Historie ihres Heimatortes im Besonderen. Die beiden reisen regelmäßig durch die Zeit von Oberbauerschaft.

Besonders schön ist, dass sie auch andere an ihrem Wissen, ihren neuen Erkenntnissen und Rechercheergebnissen teilhaben lassen. Engagiert in der Chronikgruppe Oberbauerschaft, die zur Dorfgemeinschaft gehört, halten die beiden regelmäßig Vorträge, organisieren Dorfspaziergänge und stellen ihre Aufsätze über die schier unerschöpflichen historischen Ereignisse ins Internet. So viel gibt es zu erzählen und immer wieder ergeben sich neue Forschungsansätze, basierend auf alten Materialien und mitunter eigenen Erinnerungen als Zeitzeugen von Menschen im Ort. Eine wesentliche Grundlage für eine Oberbauerschafter Dorfchronik bilde ebenfalls die Heimatstube von Alfred Grönemeier an der Kahle-Wart-Straße, der eine umfangreiche Sammlung an Informationen unterschiedlicher Art, Quelle und Zeitspanne beherberge, wie Dirk Oermann betont.

Online-Veröffentlichungen

Die Online-Veröffentlichungen der Chronikgruppe ermöglichen auch in Corona-Zeiten, an den vielfältigen Themen dranzubleiben – sowohl für die Autoren als auch für ihr geschichtsinteressiertes Publikum. „Wir arbeiten die ganze Zeit kontinuierlich weiter“, sagt Christine Honermeyer. „Es ist wie eine Sucht“, ergänzt sie und lacht. Genauso geht es Dirk Oermann. „Meine Frau hat zu Hause immer Noten auf dem Tisch liegen und ich etwas Geschichtliches.“

Um auf der Homepage der Dorfgemeinschaft (www.oberbauerschaft.de) pandemiebedingt nicht nur Veranstaltungsabsagen zu präsentieren, entstand die Idee, die historischen Aufsätze ins Netz zu stellen. „Dann haben wir trotzdem Bewegung auf der Seite, auch ohne dass derzeit etwas los ist“, sagt Dirk Oermann. Eine Fülle an „Schätzen aus der Chronikgruppe“ lassen sich finden.

Die beiden Hobbyhistoriker ergänzen sich gut, wie sie betonen. Während sich Christine Honermeyer im Schwerpunkt der Familiengeschichte widmet, ist Dirk Oermanns Faible die Ortsgeschichte. „Ich spinne oft die Geschichte um eine Person“, sagt Honermeyer. Oermann hingegen spürt meist der Vergangenheit eines Gebäudes oder einer Örtlichkeit nach. So entstanden unter anderem Schriften über das „Geschäftshaus Kottmeier“, „Zigarrenfabrik Sträter“, „Tischlermeister Christian Struckmeyer“, den „Gang über den Friedhof Niedringhausen“ oder die „Hebamme Anna Alhorn“. Einzelne Abhandlungen sollen in dieser Zeitung in unregelmäßigen Abständen thematisiert werden.

„Schublade bei Oma“

Schon früh entdeckten beide ihre Begeisterung, auf den Spuren der Vergangenheit zu wandeln. „Alte Unterlagen und Dokumente haben mich schon immer interessiert“, sagt Dirk Oermann. In der „Schublade bei Oma“ wurde er erstmals fündig. Und in der Schule sei das Thema Familiengeschichte behandelt worden. Das alte Familienbuch seiner Urgroßeltern, die Familienbibel – all das weckte große Neugier bereits in Kindertagen. Die Beschäftigung mit den Vorfahren, den „Oermännern“, setzte sich fort, als ein Brief aus Amerika eintraf. Eine Kate Worland war die Absenderin. Sie hatte alle namens Oermann angeschrieben mit dem Ziel, schließlich die Heimat ihres Urgroßvaters kennen zu lernen. 2006 kam es zum großen Familientreffen auf Niedermeiers Hof. „Die Familiengeschichte zu erforschen, war bei mir die Initialzündung“, erzählt der 49-Jährige.

Uralte Fotoalben

Auch Christine Honermeyer hat sich schon als Grundschülerin für die Geschichte ihrer Heimat Oberbauerschaft interessiert. Als 1995 ihr Opa verstorben war und die damals 15-Jährige im Nachlass zwei uralte Fotoalben entdeckte, befragte sie Cousinen und Cousins ihres Opas, um herauszufinden, wer auf den Fotos ist. „Auf einem der Bilder war das Jahr 1909 eingestanzt“, erinnert sie sich.

Den Kontakt zu Dirk Oermann knüpfte die 40-Jährige, nachdem sie von seinem Familientreffen in der Zeitung gelesen hatte. Sie war auf einen Gleichgesinnten gestoßen. „Ich habe immer mehr Leute kennen gelernt, die sich für das Thema interessieren“, sagt Christine Honermeyer, die ein Kassenbuch anno 1899 bis 1929 der ehemaligen Schmiede Becker (an der heutigen B239) in Händen hält. „Da steckt so vieles drin. Ich möchte das alles analysieren.“ Ihre Augen leuchten. Ein weiterer riesiger Fundus an Puzzleteilen tut sich auf.

Weiter aktiv

Auch in der Pandemie-Zeit werden Bilder und Dokumente zur Geschichte von Oberbauerschaft gesammelt. Ein Schwerpunkt liegt dabei in der Vorbereitung eines nächsten Vortrages „Eine Kneipentour“. Ebenso sind allgemeine Bilder, Ansichten und weiteres Wissenswerte zur Dorfgeschichte von Interesse. Wer etwas beisteuern kann, kann Unterlagen und Dateien der Chronikgruppe zur Verfügung stellen. Kontakt: Christine Honermeyer (christine-forscht@web.de) und Dirk Oermann (dirk.oermann@t-online.de).

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