Nach Unfall in Ahlsen-Reineberg: Polizei gibt Tipps für eine gute Erkennbarkeit im Dunkeln
„Macht euch sichtbar“

Hüllhorst/Lübbecke (WB) -

Bereits ein kurzer Moment reicht aus, um fatale Folgen nach sich zu ziehen. Wer sich in der Dunkelheit nicht sichtbar macht, bringt sein Leben in Gefahr.

Mittwoch, 02.12.2020, 19:14 Uhr aktualisiert: 02.12.2020, 19:18 Uhr
Klaus Torno, Verkehrssicherheitsberater der Kreispolizeibehörde, macht darauf aufmerksam, sich in der dunklen Jahreszeit im Straßenverkehr mit Reflektoren und heller Kleidung auszustatten. Nur so kann man von den anderen Verkehrsteilnehmern gesehen werden. Foto: Hoppe

 

Oder kann, wie am Abend des 18. November in Ahlsen-Reineberg geschehen, schlimme Folgen auslösen. Damals kam es zu einem Frontalzusammenstoß zweier Autos auf der Ahlsener Straße, nachdem ein Audi-Fahrer einem am rechten Straßenrand laufenden Jogger ausgewichen und in den Gegenverkehr geraten war. Der Freizeitsportler trug keine Reflektoren an seiner Kleidung. „Weitere Unfälle in dieser Herbst-/Winter-Saison, die auf mangelnde Sichtbarkeit zurückzuführen sind, sind uns nicht bekannt. Das ist erfreulich und wir wollen hoffen, dass es so bleibt“, sagt Kreispolizeisprecher Ralf Steinmeyer im Gespräch mit dieser Zeitung.

Er stelle fest, dass sich die Bürger vermehrt der Gefahren speziell in der dunklen Jahreszeit bewusst würden und das Straßenbild zunehmend von Menschen geprägt sei, die beispielsweise Warnwesten tragen würden und mit reflektierendem Material ausgestattet seien. Dies sei nach seiner subjektiven Wahrnehmung vor fünf, sechs Jahren noch anders gewesen. Die entsprechenden Kampagnen der Polizei fallen also auf fruchtbaren Boden, wobei wie an dem Unfall in Ahlsen ersichtlich, nicht oft genug an die Vernunft der schwächeren Verkehrsteilnehmer appelliert werden kann. Erst recht, da in diesem Herbst/Winter coronabedingt die Aktionen unter dem Motto „Sichtbarkeit bringt Sicherheit“ der Polizei in den Kommunen im Altkreis abgesagt werden mussten.

Verkehrssicherheitsberater und Polizeihauptkommissar Klaus Torno ist seit 2013 für die Kampagne unterwegs. „Anlass für den Start war eine Unfallserie in jenem Jahr, die den Tod von sieben Fußgängern in sechs Wochen zur Folge hatte.“ Auch seiner Wahrnehmung nach, „hat sich unheimlich viel getan“. Ob Alt oder Jung, etliche seien mit Warnweste in der Dunkelheit im Straßenverkehr zu sehen.

„Macht euch sichtbar“, sagt Torno. Und das gilt nicht nur für das, was am Körper getragen wird. „Rollatoren, Regenschirme, wir haben alles beklebt.“ Die Kampagne sei jedes Jahr mega-gut angekommen. Jogger könnten auf spezielle Westen zurückgreifen, die luftdurchlässiger seien als die herkömmlichen. „Darunter schwitzt man beim Laufen nicht.“ Außerdem umfasst das vielfältige Sortiment auch Überwürfe. Dabei müsse allerdings auf zusätzliche Reflektoren Acht gegeben werden.

„Wichtig ist nämlich, von allen Seiten von Weitem zu erkennen zu sein. Wenn man seitlich zur Straße steht, sollte dort auch etwas leuchten“, rät der Fachmann. Ebenfalls bei der Warnweste muss noch aufgestockt werden. Auf der Standard-Version befänden sich nur zwei reflektierende Brustringe. Für Fußgänger und insbesondere Kinder mit ihrer geringen Körpergröße sei es aber entscheidend, die Körperkonturen nachzuzeichnen, die für den Autofahrer oder auch Radfahrer als Lichtreflex zurückgeworfen werden. Dies gelinge mit Reflektor-Klackbändern, die zusätzlich eingesetzt werden sollten. Einfach um Arm und Bein klacken und sofort besser gesehen werden. „Man nennt das auch ‚body language concept‘“, sagt Klaus Torno.

Der Verkehrssicherheitsberater bedauert, dass der ADAC das kostenlose Verteilen von Warnwesten an alle Schulanfänger aus Kostengründen eingestellt habe. „Das war ein ganz tolles Teil.“ Er empfiehlt Eltern, nicht die günstigste Westen-Ausfertigung für ihre Kinder zu kaufen, sondern auf Qualität zu setzen.

Auch für die ältere Generation hat der Experte Tipps parat. So könne ein Rollator zusätzlich zum Reflexmaterial mit einem Beleuchtungsset ausstaffiert werden. „Das lenkt das Augenmerk des Autofahrers sehr gut und frühzeitig auf die jeweilige Person.“ Gerade bei Senioren bestehe eine immens hohe Verletzungsgefahr, Unfälle hätten in der Regel schlimmere Auswirkungen und die Regeneration des verletzten älteren Menschen verlaufe wesentlich langsamer. Natürlich sei es ebenso für Radfahrer wichtig, gesehen zu werden, aber auch Passanten rechtzeitig zu erkennen. Manche ältere Fahrradmodelle hätten nur eine „Funzel“ statt einer vernünftigen Lampe, die dann auf die Reflektoren schlechter reagiere.

Klaus Torno erinnert sich an zwei schlimme Unfälle mit tödlichem Ausgang aus besagtem Jahr 2013, einer geschah in Bad Oeynhausen, der andere in Hille. Während in dem einen Fall einer Passantin der mitgeführte Einkaufstrolley zum Verhängnis wurde, den ein Auto anfuhr und sie mitriss, war es in dem anderen Fall eine Frau, die einfach nur ihre Mülltonne („Auch diese kann man entsprechend erkennbar machen“) an die Straße bringen wollte. Dieser kurze Moment reichte, um übersehen zu werden.

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