Urteil im Missbrauchsprozess am Landgericht Bielefeld gesprochen
Hüllhorster (57) muss ins Gefängnis

Hüllhorst/Bielefeld -

Ein 57-jähriger Mann aus Hüllhorst für fünf Jahre und sechs Monate ins Gefängnis. Er wurde am Montag vor dem Landgericht Bielefeld wegen sexuellen Kindesmissbrauchs in mehreren Fällen schuldig gesprochen.

Dienstag, 01.12.2020, 10:05 Uhr aktualisiert: 01.12.2020, 11:08 Uhr
Am Landgericht Bielefeld ist in einem Prozess wegen schweren sexuellen Kindesmissbrauchs das Urteil gegen einen 57-jährigen Hüllhorster gesprochen worden. Er muss eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten verbüßen. Foto: Mukherjee

Der Angeklagte kommt für seine Taten in Haft. Das Landgericht Bielefeld hat am Montag einen 57-jährigen Hüllhorster wegen schweren sexuellen Kindesmissbrauchs in drei Fällen, davon in einem Fall tateinheitlich mit einer Vergewaltigung, und sexuellen Kindesmissbrauchs in weiteren zwei Fällen schuldig gesprochen. Der Mann muss nun eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten verbüßen. Damit endet eine mehrtägige Beweisaufnahme im Prozess gegen den Angeklagten.

Bereits seit Anklageerhebung befand sich der Hüllhorster in Untersuchungshaft. Nun steht fest, dass er auch zukünftig nicht auf freien Fuß gelangt: Der Haftbefehl gegen den 57- Jährigen bleibt aufrechterhalten. Ihm wurde durch die Staatsanwaltschaft zur Last gelegt, sich an einem damals 13-jährigen Jungen in der Zeit von Juni 2004 bis Anfang Januar 2005 insgesamt 18 Mal sexuell vergangen zu haben. Dabei soll der Angeklagte den Geschädigten bei 16 Gelegenheiten schwer sexuell missbraucht haben und bei 14 Gelegenheiten sogar vergewaltigt haben.

Umfangreiche Beweisaufnahme

Dass der 57-jährige Mann den sexuellen Kindesmissbrauch zumindest in fünf Fällen begangen hat, ergab sich aus einer umfangreichen Beweisaufnahme. Diese war erforderlich, da der Angeklagte seit Prozessauftakt zu den Vorwürfen schwieg. Ein Geständnis des Angeklagten hätte insbesondere die Vernehmung des Geschädigten verhindert. So musste sich der heute Erwachsene vor Gericht an die Taten erinnern, die ihm als Teenager zugefügt wurden. Die Öffentlichkeit war bei dem Termin ausgeschlossen.

Letztlich sah das Gericht die Aussage des Geschädigten als besonders glaubhaft an. Auch am Tag der Urteilsverkündung wurden weitere Zeugen vernommen. Zwei Polizeibeamte hatten den Angeklagten mit den Tatvorwürfen noch vor Prozessbeginn an seinem Wohnhaus konfrontiert. Nach Aussage der Beamten soll der Angeklagte die Handlungen zwar nicht eingeräumt, aber geäußert haben, „vom Teufel geführt“ worden zu ein und nun jeden Tag zu beten. Bereits zum Prozessauftakt wurde die aktive Teilnahme des Angeklagten in einer Religionsgemeinschaft bekannt. In dieser soll er nach Aussage seiner Ehefrau immer noch aktiv sein. Sonst will die Ehefrau von nichts gewusst haben: „Wir haben keine Geheimnisse voreinander“, meinte sie.

Um Vergebung gebeten

Der Seelsorger der Religionsgemeinschaft bekundete gegenüber dem Gericht, der Angeklagte habe „um Vergebung gebeten“ wegen etwas, „was nicht in Ordnung war“. Auf weitere Nachfrage des Richters, machte der Seelsorger von seinem Zeugnisverweigerungsrecht gebraucht.

Schließlich stufte das Gericht zwei Tathandlungen als minder schwere Fälle ein. „Das Verteidigungsverhalten war nicht glücklich – nicht für Sie und nicht für den Geschädigten“, so der Vorsitzende Richter. Bereits im ersten Verhandlungstermin hatte der Richter darauf hingewiesen, dass sich ein Geständnis regelmäßig strafmildernd auswirke. Mit der Vernehmung der damaligen Ermittlerin wurde bekannt, dass der Angeklagte dem Geschädigten ein Schmerzensgeld von 5000 Euro gezahlt hatte. „Eine Übernahme von Verantwortung konnten wir darin nicht sehen“, so der Vorsitzende Richter. Vielmehr soll es sich dabei um eine Art Austauschvertrag gehandelt haben: 5000 Euro gegen das Absehen von rechtlichen Schritten gegen den 57-Jährigen. Als strafschärfend berücksichtigte das Gericht die schweren Folgen der Tat für den Geschädigten. Dieser leide bis heute unter dem, was ihm angetan worden sei.

„Guter Onkel“

„Dass Sie sich in sehr kleinen Teilen eingelassen haben, haben wir für sie in die Waagschale geworfen“, erläuterte der Richter weiter. Nach Angaben der damaligen Ermittlerin soll der Angeklagte im Ermittlungsverfahren Zugeständnisse gemacht haben. Er soll seine Handlungen als „Ausrutscher“ beschrieben haben. Zudem sprachen fehlende Vorstrafen und die weit zurückliegenden Tatzeiten zugunsten des Angeklagten.

Für besonders verwerflich hielt der Richter aber, dass sich der Täter als „guter Onkel“ des Geschädigten aufgespielt und so das Vertrauensverhältnis ausgenutzt habe. „Wenn Kindern das (die sexuellen Übergriffe) als Normalität vorgegaukelt wird, ist das besonders perfide“, so das Gericht.

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