Umschulung zum Kaufmann: Henrik Scheerer (37) stolz auf Abschluss
Glücklich im zweiten Beruf

Hüllhorst (WB). Auszubildender mit Mitte 30? Und dann auch noch verkürzte Lehrzeit? Henrik Scheerer hat diesen Mut gehabt, die Schulbank gedrückt und noch mal etwas Neues angefangen. Und das gegen einige Widrigkeiten, die es zu überwinden, und einige Schwierigkeiten, die es zu meistern galt. Heute ist der gelernte Zimmermann Groß- und Außenhandelskaufmann, wurde in seinem Lehrbetrieb übernommen und hat beste Perspektiven.

Donnerstag, 10.09.2020, 05:00 Uhr
Henrik Scheerer (Mitte) hat in seinem Lehrbetrieb, Firma Nierste Baustoffe, eine Anstellung gefunden. Seine beiden Chefs, Andrea und Ralf Thüning, freuen sich mit ihm über seine erfolgreiche Umschulung. Im Unternehmen fährt er unter anderem die Baumaschinen.

Vom Dach gefallen

So zufrieden der 37-Jährige mit seiner Situation nun ist, so wenig geplant war der Weg dorthin. Der Grund für die berufliche Umorientierung entstand aus der Not heraus, seine Tätigkeit als Zimmermann nicht mehr ausüben zu können. Er fiel vom Dach und die Knie waren und blieben kaputt. „Nach der dritten Operation stand fest, Zimmermann hat sich erledigt“, erzählt Henrik Scheerer.

Was nun? Mit welchem Job sollte er künftig seine Brötchen verdienen? Der Rententräger habe ihm vorgeschlagen, Bestatter zu werden. Das sei für ihn aber nicht in Frage gekommen. Auch eine Tätigkeit beim Zoll war eine Überlegung. „Dafür wäre aber ein großer Sporttest erforderlich gewesen“, sagt Scheerer. Das erlaubte seine körperliche Konstitution nicht.

Stolz aufdas Erreichte

Am liebsten wollte der gebürtige Schnathorster in der Baubranche bleiben. Denn kaputte Knie hin oder her – nur im Büro zu sitzen, konnte er sich nicht vorstellen. Sein früherer Lehrmeister riet ihm, bei einem Familienbetrieb anzufragen. „Er meinte, das passt besser zu mir.“ Dort müsse man in der Regel alle Aufgaben erledigen, die anfallen. Und das gefiel Henrik Scheerer mit seinem zupackenden Wesen. Schließlich erkundigte er sich bei Firma Nierste Baustoffe in Hüllhorst nach einer Ausbildungsstelle. Die Chefs Andrea und Ralf Thüning gaben ihm eine Chance und haben ihre Entscheidung nicht bereut. „Mit Recht darf er stolz auf das Erreichte sein“, sagt Andrea Thüning.

Zumal die Ausbildung nicht gerade einfach verlief und sich der Alltag in der Berufsschule, zwischen 17-Jährigen sitzend, noch als das kleinere Problem darstellte. Henrik Scheerer musste in der Hälfte der eigentlichen Ausbildungszeit sein Pensum schaffen. Denn der Rententräger bewilligte nur zwei statt drei Jahre. Und dann fiel das letzte halbe Jahr coronabedingt auch noch weg. Unterstützt wurde der 37-Jährige von der Fortbildungsakademie der Wirtschaft (FAW) in Bielefeld, die als Schaltstelle die Betreuung übernommen habe, sagt Andrea Thüning. Alle acht bis zwölf Wochen kamen FAW-Vertreter in den Betrieb und mindestens einmal in der Woche besuchte der motivierte Azubi die Akademie, um die schulischen Inhalte des weggefallenen Jahres zu kompensieren.

Bestanden

Insbesondere in der Corona-Zeit, als die Prüfungsvorbereitungskurse an der Berufsschule ausfielen, hätten die Online-Kurse der FAW sehr geholfen. „Sonst wäre es nicht gegangen“, betont Scheerer, dessen Berufsschulzeugnisse „für die Tonne waren“, wie sich die Chefs erinnern. Er habe ja alles aufholen müssen. „Es gab schon einen Plan B, falls er durchfällt“, sagt Ralf Thüning. Und Scheerer selbst glaubte auch nicht an ein Happy End. Dabei hatte er die letzten fünf Wochen vor der Prüfung noch mal „richtig gebüffelt“. Vor allem Rechnungswesen. Und dann kam der Tag der Wahrheit. Nach einem Blick auf die online abrufbaren Ergebnisse lösten sich alle Zweifel in Jubel auf. Bestanden mit Note 3. Ralf Thüning: „Da hat er uns den Laden hier zusammengeschrien.“

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