Bundespolitiker Anton Hofreiter (Grüne) besichtigt „Büttendorfs Bioland-Straße“
Ein Besuch bei glücklichen Schweinen

Büttendorf (WB). In der Hochphase des Wahlkampfes gibt es nicht selten Besuch von Bundespolitikern in heimischen Regionen. So war Anton Hofreiter, Vorsitzender der Grünen Bundestagsfraktion, in der vergangenen Woche zu Gast in Büttendorf. Auf Einladung des Grünen Bürgermeisterkandidaten Benjamin Rauer besichtigte er die beiden Biolandbetriebe Hof Wiehenglück und die Gärtnerei Duftgarten.

Mittwoch, 02.09.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 02.09.2020, 06:03 Uhr
Die Besichtigung der Freilandschweine auf dem Biohof war für Anton Hofreiter (Bundestagsfraktionsvorsitzenden, Vierter von rechts) eine gelungene Abwechslung: (von links) Sebastian Rohlfing (Ortsverbandssprecher Grüne Hüllhorst), Philip, Nadine und Carsten Schumacher, Bürgermeisterkandidat Benjamin Rauer sowie Eyke, Corinna und Hendrik Holzmeier. Foto: Eva Rahe

„Willkommen auf Büttendorfs Bioland-Straße“, begrüßte Rauer den bekannten Gast. Die beiden landwirtschaftlichen Betriebe, nachbarschaftlich gelegen an der Büttendorfer Straße, produzieren Lebensmittel nach biologischen Maßstäben. Während der Duftgartenbetrieb schon seit 2001 biologisch arbeitet, ist dies für den Biohof Wiehenglück noch Neuland. Erst im vergangenen Jahr hat die Familie Holzmeier auf biologische Landwirtschaft umgestellt (wir berichteten).

Kritische Fragen

Bei der Hofbesichtigung erzählten Hendrik Holzmeier und sein Bruder Eyke, wieso es zu der Umstellung kam und was ihnen dabei am Herzen liegt. Dabei stellten sie auch einige kritische Fragen und machten deutlich, dass es auch im Biobetrieb bürokratische Hürden gebe. So wäre es zum Beispiel ihr Wunsch, auf dem Hof zu schlachten. Eyke Holzmeier erklärte, dass es ihnen wichtig sei, den Tieren ein stressfreies Leben zu ermöglichen und dies natürlich auch bei der Schlachtung zu berücksichtigen. Anton Hofreiter sah diesen Punkt als gegeben an. Im Bereich der Lebensmittelmanufaktur müsse es unterschiedliche Kriterien für kleine und große Schlachtbetriebe geben, erklärte er. In kleineren Betrieben könnten die Prozesse anders kontrolliert werden als in großen, so Hofreiter.

Der Bundespolitiker ging auf alle Fragen ein und diskutierte mit den Landwirten. Während der Besichtigung der beiden Höfe, für die sich Anton Hofreiter gut zwei Stunden Zeit nahm, ging es um Themen wie den Verfall der Lebensmittelpreise, die Möglichkeiten der Direktvermarktung oder den Anspruch, die Erwartungen der Kunden zu erfüllen, zum Beispiel in punkto mageres Fleisch.

Umstellung auf Bio

Durch die Umstellung auf Bio hätten sich für den Betrieb einige Änderungen ergeben, auf die sie sich erst mal einstellen müssten, so Hendrik Holzmeier. So sei zum Beispiel die Fütterung der Schweine weniger eiweißhaltig durch den Verzicht auf Soja, wodurch die Tiere wiederum langsamer wachsen würden. Auch im Ackerbau würden jetzt andere Maßgaben gelten. Hier kam von Anton Hofreiter die Frage, ob pfluglose Bodenbearbeitung auch ohne Glyphosat ginge. Hendrik Holzmeier erklärte, dass das natürlich möglich sei. Man müsse das Feld dann eben das eine oder andere Mal mehr mit der Maschine bearbeiten. Eyke Holzmeier ergänzte, dass sie noch mehr versuchen würden, mit den Jahreszeiten zu arbeiten und die Fruchtfolge gezielter zu planen.

Die Betreiber des Duftgartenbetriebs sind bei der Biobewirtschaftung schon alte Hasen. Seit der Gründung im Jahr 1996 bewirtschaften Nadine und Carsten Schumacher ihre Gärtnerei nach Bioland-Richtlinien. Sie hätten ihren Betrieb nach dem Umzug im Jahr 2001 auf dem Resthof in Büttendorf aufgebaut und immer wieder, entsprechend des Marktes, investiert. Seit der Corona-Pandemie sei die Nachfrage allerdings explodiert. Sie hätten nie gedacht, dass Erfolg mal schwierig zu verkraften sein könne, sagte Carsten Schumacher. Zur Zeit würden sie mit der Auslieferung von 550 Gemüsekisten pro Woche und drei Pack- und Liefertagen an ihre Grenzen kommen. Hinzu kämen der Hofverkauf und der Wochenmarkt in Bad Oeynhausen. Auf Nachfrage von Anton Hofreiter, ob und wie die beiden Betriebe voneinander profitieren würden, erklärte Carsten Schumacher, dass sie zum Beispiel die Wärme aus der Biogasanlage des Nachbarn für ihre Gewächshäuser nutzen würden.

„Unterstützenswert“

Für Benjamin Rauer stand fest, dass die beiden Biobetriebe absolut unterstützenswerte Projekte seien. „Die beiden Betriebe sind Leuchttürme für die Landwirtschaft hier in Hüllhorst“, sagte er. Es sei toll, wie die Schweine hier im offenen Stall gehalten werden würden. Man müsse sich bewusst machen, was hier an Arbeit und auch an Haltung rein gesteckt werden würde. Zum Schluss gab es noch ein kleines Präsent von den Gastgebern, ein Korb voller leckerer Lebensmittel direkt vom Hof. Anton Hofreiter verließ den Hof mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Man merkte, dass er gern noch weiterdiskutiert hätte, wenn sein Terminplan dies zugelassen hätte. Für ihn ging es an diesem Tag weiter nach Bad Salzuflen.

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