Diakon Ewald Kröger begrüßt auf der Kahlen Wart eine weit verstreute Gemeinde
Ungewöhnlicher Gottesdienst

Hüllhorst (WB/ko). „Alles ist durcheinander gebracht.“ Als Diakon Ewald Kröger am Samstagabend zu Beginn des plattdeutschen Gottesdienstes auf der Kahlen Wart in Oberbauerschaft diese Worte in Mundart spricht, haben die 70 Besucher das Gefühl, als wenn es gefühlt nie anders war. Eine fast vergessene Sprache und eine Ausnahmesituation, die seit einem halben Jahr das öffentliche Leben einschränken, besannen die Gäste darauf, was wirklich wichtig im Leben ist.

Freitag, 07.08.2020, 05:25 Uhr aktualisiert: 07.08.2020, 05:30 Uhr

Die Corona-Situation bestimmte auch diesen Gottesdienst. Christine Honermeyer, Gemeindesekretärin, stand am Eingang. Sie hatte die Anmeldungen angenommen und führte Liste. Weitere Mitglieder des Presbyteriums sorgten dafür, dass die Besucher sich die Hände desinfizierten und in Listen eintrugen. Jeder bekam danach seinen Platz zugewiesen. Mit vier Metern Abstand standen die Klappstühle auf der großen Fläche vor der Bühne verteilt. „Wenigstens eine Veranstaltung haben wir nun auf der Kahlen Wart“, meinte ein Besucher.

Choräle zum Mitsingen

„Ein ungewöhnliches Bild“, urteilte Ewald Kröger, der es zwar gewohnt sei, nicht immer vor voll besetzten Rängen einen Gottesdienst abzuhalten, „aber nicht so“. Mitglieder des Posaunenchors und der Dorfkapelle spielten verschiedene Choräle. Ein besonderes Hör- und Mitsingerlebnis waren Gospel-Melodien zu dem spirituellen Lied aus dem Jahr 1872 „The Gospel Train is Coming“, das Ewald Kröger in Hiller Platt umgetextet hatte und mit seiner Frau Hannelore – er mit Gitarre und sie mit Mundharmonika – vortrug.

Der ehemalige Jugendreferent der Region Hüllhorst hielt seine Predigt zu einem Gleichnis von ­Jesus aus der Bibel, in dem ein Herr seinen drei Knechten „Talente“ gibt – jedem nach seiner Fähigkeit. Einem Knecht gibt er fünf, dem anderen zwei und dem dritten nur ein Talent. „Über diese Geschichte kann ich mich ärgern, aber auch staunen“, so Kröger. Das Denn das Gleichnis ziele darauf ab, dass Jeder seine Gaben, also Talente, einsetzen soll. Die ersten Beiden verdoppeln sie. Der dritte Knecht vergräbt sein Gold aber, so dass es nicht einmal Zinsen bringt. Wieder zurück, dankt und belohnt der Herr die ersten zwei. Den dritten bestraft er.

Vom etwas anderen Reichtum

Kröger sprach von einem Doppel-Gleichnis, einer Gefahr und einer Chance. Er appellierte, dass jeder Mensch seine Begabungen einsetzen und vermehren solle, nicht verstecken und auch nicht für sich behalten. Der Diakon schärfte das Bewusstsein, gab den drei Knechten und ihrem Herrn Stimme und Gesicht. „Alles, was wir sind und haben, kommt vom Herrn“, sagte Kröger. „Jeder ist für sich groß ausgestattet.“ Jesus ­spreche nicht vom Geldreichtum. Es gehe darum, das Leben reicher zu ­machen, indem man mit seinen Gaben etwas anfängt.

Hannelore Kröger und Jürgen Hahn lasen passend zur Predigt im Wechsel auf hoch- und plattdeutsch Zeilen aus einem lyrischen Text von Phil Bosman über das Leben eines Baums, der Früchte trägt. Genauso sei das Leben eines Menschen zu sehen. Auch dies sei darauf ausgelegt, Früchte zu bringen. „Wer aus Liebe handelt, wird Früchte bringen – nicht nur für sich, sondern auch für andere“, so Kröger mit einem wunderbaren Vergleich. Das ­mache das Leben wertvoll.

Zwischendurch ein Witz

Der ehemalige Jugendreferent lockerte seine Predigt zwischendurch auch mal auf, indem er einen Büro-Witz erzählte mit einer Lichtgestalt und einem Kollegen, der nicht im Dunkeln arbeiten kann, um mit ernsten Zeilen aus einer Ballade von Bertolt Brecht vom Pfund über ­Wucherei und Mitwuchern fortzufahren.

Zum Abschluss ermunterte Kröger die Besucher, sich Bosmans lyrischen Text und das Gleichnis aus dem Matthäus-Evangelium zu Herzen zu nehmen. Dann war der ungewöhnliche Gottesdienst vorbei. Die Besucher haben sicher etwas mitgenommen.

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