Kahle-Wart-Bühne: Kostümlager für Theaternachwuchs wird auf Vordermann gebracht
Märchenkleider und Pippis Perücke

Hüllhorst(WB). Wer hätte gedacht, dass im Untergeschoss der Wiehentherme, direkt neben der Kegelbahn, Mädchenträume wahr werden? Dort befindet sich in einem abgedunkelten, kühlen Raum ein Kostümfundus der heimischen Freilichtbühnen-Darsteller – genauer gesagt, der Jugendgruppe der Kahle Wart. Außerdem werden dort die Ausstattungen für die Familienstücke aufbewahrt, sowohl Kleider als auch Requisiten.

Donnerstag, 06.08.2020, 23:36 Uhr aktualisiert: 06.08.2020, 23:40 Uhr
Disney lässt grüßen: Frederik Kirchhoff, Jugendgruppenleiter und Leiter Werbung und Öffentlichkeitsarbeit, zeigt das Kleid, das nur eine tragen kann – Schneewittchen. Etwa 150 Outfits für Mädchen und Jungen finden sich in dem Kostümlager. Foto: Kathrin Kröger

Kleider katalogisieren

Den coronabedingten Ausfall der Spielsaison auf der Freilichtbühne nutzt das Theaterteam dafür, „an vielen kleinen Baustellen zu arbeiten“. Dazu gehört auch, das Kostümlager für Kinder und Jugendliche auf Vordermann zu bringen. „Wir wollen die Kleider zum Beispiel nach Epochen katalogisieren“, sagt Jugendgruppenleiter und Leiter Werbung und Öffentlichkeitsarbeit Frederik Kirchhoff.

Untrennbar mit Märchenfiguren verbunden sind einige der Träume in Seide, Taft, Samt und Satin. Frederik Kirchhoff zaubert ein Kleid hervor, bei dem nicht nur der Märchenfan weiß: „Das ist doch Schneewittchen.“ Ein Look, wie wir ihn aus unzähligen Disney-Adaptionen, Zeichentrickfilmen und eben auch von der Freilichtbühne Kahle Wart kennen: gelb der Rock, farbenfroh in Blautönen mit rotem Kragen das Oberteil gehalten.

Pippi muss warten

Ebenso hat das Mädchen mit den bunten Strümpfen und den lustigen roten Zöpfen nie die Qual der Wahl bei der Outfitfrage. Ihr gelb-grünes Kleid begleitet sie bei all ihren Streichen. Pippi Langstrumpf sollte in diesem Jahr über die Bühne mitten im Wiehengebirge tollen, doch die Pandemie warf alles über den Haufen. Besonders traurig ist Joline Hilker von der Jugendgruppe darüber. Sie sollte im Stück „Pippi in Taka-Tuka-Land“ ihre erste Hauptrolle übernehmen. Aber aufgeschoben heißt nicht aufgehoben. Sie freut sich auf ihre großen Auftritte im nächsten Jahr in der Rolle der starken und übermütigen Romanfigur von Astrid Lindgren.

Auch Frederik Kirchhoff und Jens Osterloh, Jugendgruppenleiter, Spielleiter Familienstück und Werbeteam, sind schon in so manchen pompösen, prächtigen und schillernden Stoff geschlüpft, um das Publikum auf der Kahlen Wart auf eine märchenhafte Reise mitzunehmen. Möglichst lange halten sollen die Gewänder, nicht verbleichen oder von Motten angefressen werden. In dem von der Wiehentherme bereitgestellten Raum – rund um die Freilichtbühne war schlichtweg kein Platz mehr für das Kostümlager des Theaternachwuchses – herrschen ideale Bedingungen: nicht zu feucht, zirkulierende Luft, schattig.

Auch Perücken und Schuhe dabei

An die 150 Kostüme, schätzt Kirchhoff, viele zum Schutz mit Plastikhüllen überzogen, hängen auf den Bügeln an den Kleiderstangen. „Mit Accessoires wie Perücken, Hüten, Socken, Schuhen und vielem mehr dürften es mehr als 200 Teile sein“, sagt Kirchhoff, der gemeinsam mit dem Regisseur am Anfang der Vorbereitungsphasen auf die Stücke eine erste Sichtung im Fundus vornimmt.

Vieles ist zu bedenken: Welches Kostüm passt zu welcher Rolle? Wie trägt es sich? Manche Darsteller schlüpfen auch in mehrere Rollen und benötigen somit unterschiedlichen „Zwirn“. Der muss nicht immer fein sein. Schließlich sind nicht nur Prinzessinnen, Feen und Elfen in den Inszenierungen zu erleben, sondern auch Kobolde, Zwerge und Frösche. Da kann es im buchstäblichen Sinn auch schon mal unbequem werden. „Die Zwerge waren auch nicht so begeistert“, erinnert sich Jens Osterloh. „Vor allem bei hohen Temperaturen kamen sie unter den Bärten mächtig ins Schwitzen.“ Ein weiteres Problem: ständig Flusen im Mund. Doch die Laiendarsteller verstehen ihr Handwerk und wissen solche kleinen Hürden wie die Profis zu überspielen.

Kinder tragen Verantwortung

Die meisten der Kostüme sind gekauft, ein paar selbst genäht und ganz viele umgenäht, wie Frederik Kirchhoff erzählt. Auch ein paar Leihgaben finden sich an den Bügeln. 2014 wurde die eigene Jugendgruppe aufgebaut und 2020 sollte im vierten Jahr ein Familienstück gezeigt werden. Dementsprechend wuchs die Zahl der Ausstattungsgegenstände. Aushalten müssen die Kleider so Einiges, schließlich stehen jeweils etwa 20 Stunden Aufführung plus Proben bevor. Macht gut 40 Stunden, in denen die Darsteller je nach Einsatz im Rauschekleid, Königsornat oder Dienerlivree über die Bühne wirbeln. Ganz wichtig: Die Kinder und Jugendlichen tragen die Verantwortung für ihr jeweiliges Kostüm, sobald es zugeteilt ist. „Solange die Aufführungen laufen, werden die Kleidungsstücke zu Hause aufbewahrt. Bis zum Almabtrieb“, sagt Kirchhoff.

Lust bekommen, sich in die Theaterriege einzureihen? Das Kahle-Wart-Ensemble plant ein Adventsstück auf Innenbühnen. Kirchhoff: „Wer mitmachen möchte, kann sich gern melden. Das wäre ein idealer Einstieg.“ Weitere Informationen zur Freilichtbühne gibt es bei Facebook und unter

www.kahlewart.de

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