Grundschuldiskussion in Hüllhorst: Schulsozialarbeit und Ganztagsbetreuung
„Langfristig Verantwortung zeigen“

Hüllhorst (WB). Aus dem Kreis der Schulleiterinnen ist im März 2018 die Debatte angestoßen worden. Kathrin Clausen, Leiterin des Grundschulverbundes Am Wiehengebirge, regte im damaligen Schulausschuss eine grundlegende Neustrukturierung der Hüllhorster Grundschulen an. „Das Ziel muss eine gemeinsame Grundschule sein. Wir brauchen eine starke Schule mit einer guten Lage und sollten deshalb die Kräfte bündeln“, sagte sie damals.

Montag, 06.07.2020, 16:20 Uhr aktualisiert: 06.07.2020, 16:46 Uhr
In der Schuleingangsphase gibt es in den Grundschulen zusätzlich Stellen für Sozialpädagogische Fachkräfte. Foto: dpa

Clausen führte etliche Argumente ins Feld, die von steigendem sonderpädagogischen Förderbedarf („Die Kinder sind immer unruhiger.“) über große Entwicklungsunterschiede („Teilweise kommen Kinder zu uns, die bereits lesen und schreiben können, andere können dagegen gerade mal einen Buchstaben ihres Vornamens.“) bis hin zu Raumproblemen („Wir haben keine Aula, zu kleine Klassenräume und ein renovierungsbedürftiges Mobiliar.“) reichten. Clausens Worte fanden ein großes Echo und ließen zuerst die Politiker aufhorchen.

Seitdem hat die Grundschuldebatte immer breiteren Raum in der Öffentlichkeit eingenommen, auch zu Kontroversen geführt und Sorgen entstehen lassen. Eine Grundschulkommission wurde gebildet und vier Optionen vorgestellt. Die von der Kommission mehrheitlich favorisierte ist die Zusammenlegung aller Standorte.

Bestmögliche Arbeit an allen Standorten

Mehr als zwei Jahre nach dem Grundschulvortrag „Was bremst uns aus?“ standen die Schulleiterinnen Kathrin Clausen (Standorte Schnathorst und Ahlsen), Gudrun Upheber (Grundschulverbund Im Mühlengrund mit Tengern und Büttendorf) sowie Sabine Walz (Grundschule Oberbauerschaft) im Schulausschuss vor der Sommerpause Rede und Antwort auf zuvor eingereichte Politikerfragen . Grundsätzlich hoben sie hervor, dass derzeit an allen Grundschulstandorten unter den standortbedingten unterschiedlich vorherrschenden Rahmenbedingungen bestmögliche pädagogische Arbeit geleistet werde – sowohl in Bezug auf Raum-, Material- als auch Personalausstattung.

Konzepte und Pädagogik

In der Sitzung ging es auch um die Frage, wie Schulsozialarbeit in den vier Varianten umgesetzt werden könne. Clausen: „Schulen können mit einer Stellenzahl von bis zu 100 Stellen bis zu eine Lehrerstelle für Schulsozialarbeit besetzen – wenn die Erteilung des Unterrichts gemäß Stundentafel, von Vertretungsunterricht und die Erfüllung weiterer Aufgaben, für die die Schule zweckgebundene Stellenzuweisungen erhält, gewährleistet sind.“ An kleinen Standorten ließen dies die Ressourcen in der Praxis nicht zu.

In den Grundschulen gebe es zusätzlich Stellen für Sozialpädagogische Fachkräfte in der Schuleingangsphase, die Kinder in den ersten beiden Jahrgängen zusätzlich unterstützten. „Solch eine Fachkraft teilen sich aktuell die Grundschule Oberbauerschaft und der Grundschulverbund Am Wiehengebirge. Die Stelle ist nach Zügen aufgeteilt: Oberbauerschaft erhält ein Viertel der Stelle, Schnathorst zwei Viertel und Ahlsen ein Viertel“, sagte Clausen. Die Fachkraft sei somit tageweise an unterschiedlichen Standorten eingesetzt, so dass sie nicht täglich vor Ort sei. Daher sei die Unterstützung zeitlich getaktet und könne nicht kontinuierlich und bedarfsorientiert erfolgen. „Für eine bestmögliche Unterstützung durch Schulsozialarbeit ist die kontinuierliche Anwesenheit einer pädagogischen Fachkraft an jedem Standort notwendig“, bilanzierte die Schulleiterin.

Elternbedarfe/Betreuung

Frage: Welche Formen einer Ganztagsbetreuung, inklusive Randzeitenbetreuung, sind in den vier Varianten denkbar? Upheber: „Je größer die Anzahl des Personals, desto besser kann eine Betreuung stattfinden. Durch eine mögliche Zusammenarbeit der unterschiedlichen Betreuungsangebote (Fördervereine und Offener Ganztag) sind in einem größeren System mit den entsprechenden Räumen Angebote wirksamer und ökonomischer zu organisieren.“ Derzeit gebe es an allen Grundschulstandorten eine Randstundenbetreuung durch die jeweiligen Fördervereine. Dies könne dergestalt auch künftig weiter organisiert sein. An den Hauptstandorten gebe es zudem den Offenen Ganztag. Auch diese Form der Betreuung könne so weitergeführt werden.

Upheber definierte aus Schulsicht „ein beständiges Grundschulkonzept auf Gemeindeebene“. Dieses solle beinhalten, dass alle Beteiligten, also Kinder, Eltern und Lehrer, von vorhandenen Stärken profitieren könnten und dass Ressourcen, wie zum Beispiel zur Verfügung stehende Gelder oder auch Lehrerstunden, systemisch gebündelt würden. „Zusammenfassend möchten wir Sie daher bitten, gemeinsam langfristig Verantwortung zu übernehmen für alle Grundschulkinder in Hüllhorst“, betonte die Schulleiterin.

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