Landwirte mit Aktion unterwegs – Spende an „Ärzte ohne Grenzen“
Dank für Hofladen-Boom

Oberbauerschaft (eva). Seit der Corona-Krise verzeichnen Direktvermarkter, wie der Hofladen Oevermann in Oberbauerschaft, einen Boom. Aus diesem Grund hat die Gruppe „Land schafft Verbindung Deutschland“ die Initiative „Bauern sagen Danke“ ins Leben gerufen, um sich für das regionale Kaufverhalten zu bedanken. Mit dem „Danke-Anhänger“ ist auch ein Spendenaufruf für „Ärzte ohne Grenzen“ verbunden.

Dienstag, 09.06.2020, 07:00 Uhr
Vertreter der heimischen Landwirtschaft mit dem Dank-Anhänger vor dem Hofladen Oevermann in Oberbauerschaft: Rainer Meyer (Vorsitzender Landwirtschaftlicher Kreisverband), Nina Keßmann (Bauernladen Rennegarbe Dielingen), Silke und Michel Oevermann, Julian Aping („Land schafft Verbindung“ Minden-Lübbecke) und Stefan Schmidt (Westfälisch-Lippische Landjugend). Foto: Eva Rahe

Auf die Kunden von Hof Oevermann wartete am Freitag eine kleine Überraschung. Ein großer Anhänger mit Werbetafeln parkte neben dem Eingang. „Vielen Dank für Ihre Unterstützung – Land schafft Verbindung“ war darauf zu lesen. Der Dank gilt den Kunden, die in Deutschland während der Corona-Krise wieder verstärkt regional eingekauft haben. Diesen positiven Effekt spürten auch die Hofläden im Altkreis Lübbecke. Um ihrem Dank Ausdruck zu verleihen, waren Vertreter der heimischen Landwirtschaft zu Oevermanns gekommen.

„Wenn man regional kauft, ist das Vertrauen da“

Den „Danke-Anhänger“ hatte Michel Oevermann am Donnerstag aus Herford abgeholt. „Ich war von der Aktion sofort begeistert!“, erklärte er. Zu Beginn der Krise hätten die Kunden sie quasi überrannt. Die plötzlich steigende Nachfrage hätte den Betrieb überwältigt und sie seien dankbar für die Geduld der Kunden. Der Betrieb arbeite inzwischen im Zwei-Schicht-System und habe seine Öffnungszeiten angepasst. „Ich finde es toll, dass wir unsere Dankbarkeit jetzt auch auf diese Weise zeigen können.“

Auch Nina Keßmann aus Stemwede hat diese Erfahrungen gemacht. Sie gehört zum Bauernladen Rennegarbe-Keßmann in Dielingen. Bei ihnen habe es vor allem für ihre hofeigenen Eier aus Freilandhaltung eine große Nachfrage gegeben. „Wir arbeiten jetzt am Limit, was echt gut ist“, sagte sie. Stefan Schmidt, Vorsitzender der Westfälisch-Lippischen Landjugend (WLL) aus Bad Oeynhausen, führte die positiven Effekte der Krise für die heimische Landwirtschaft aus. Durch Corona habe plötzlich die Notwendigkeit bestanden, sich selbst zu versorgen. Und viele Menschen hätten mehr Zeit gehabt, sich mit der Herkunft ihrer Lebensmittel auseinanderzusetzen. „Die Leute wollen wissen, wo die Lebensmittel herkommen. Wenn man regional kauft, ist das Vertrauen da, denn man kann direkt mit den Produzenten in Kontakt kommen“, sagte er.

Anhänger auf Deutschland-Tour

Auch der Erlebnisfaktor Bauernhof spiele eine Rolle, erklärt Julian Aping von „Land schafft Verbindung“: „Das hat viel mit Sympathie zu tun. Für viele war das ein erfreuliches Erlebnis in schwierigen Zeiten, das nicht zu unterschätzen ist.“ Aping hat die Tour des „Danke-Wagens“ im Kreisgebiet mit organisiert. Am Wochenende machte der Anhänger, der seit 4. Mai auf Deutschlandtour ist, unter anderem Station in Westrup, Dielingen und Minden-Leteln. Bislang sei der Anhänger schon 1000 Kilometer gefahren und werde am 16. Juni nach Niedersachsen übergeben.

Mit dem Wagen sei ein Spendenaufruf für „Ärzte ohne Grenzen“ verbunden (mehr Info unter www.aerzte-ohne-grenzen.de/spenden-sammeln??cfd=n8qtw) der sich vor allem – aber nicht nur – an landwirtschaftliche Betriebe, Futtermittelhersteller oder Raiffeisenmärkte wendet. „Mit der Spendenaktion wollen wir noch einmal Danke sagen“, erklärt er. Und natürlich könne jeder dabei mitmachen, so Julian Aping.

„Globale Beschaffung nicht immer der Königsweg“

Rainer Meyer, Vorsitzender Landwirtschaftsverband Westfalen-Lippe (WLV), erinnerte daran, dass die Nahversorgung in NRW in dieser schwierigen Zeit kein Problem war. „In der Krise wurde vielen bewusst, dass der globale Weg der Lebensmittel-Beschaffung nicht immer der Königsweg ist. Und wir hoffen, dass das regionale Kaufverhalten auch nach der Krise weiter anhält.“

„Direktvermarktung ist eine Nische, die für viele Landwirte noch einen Ausweg aus einer schwierigen ökonomischen Situation bietet“, sagte Julian Aping. Und Stefan Schmidt fügte an: „Junge Landwirte denken heute generell etwas anders als die ältere Generation.“ Früher sei es stärker auf das Wachsen der Betriebe angekommen. Heute werde eher nach Nischen gesucht. So bietet auch der Hof Oevermann unter anderem auch Hofführungen an, die gut ankommen. „Die meisten Leute sind positiv überrascht, wenn sie unsere Tierhaltung kennenlernen, und freuen sich über frische Produkte“, sagt Michel Oevermann. Im nächsten Moment hält seine Mutter Silke Oevermann schon einen Korb mit Würsten (den „Oevermännern“) bereit. Schließlich soll die Runde die guten Produkte gleich testen.

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