Zwei Küken und Eltern haben ihren Wohnsitz im Struckhof – Beringung unklar
Storchennachwuchs in Schnathorst

Schnathorst (WB). Zwei „proppere“ Jungstörche in Struckhof-Schnathorst haben Erwin Mattegiet vom Aktionskomitee „Rettet die Weißstörche“ eines Besseren belehrt. Wenn Heinz Steinmeier ihn vor zwei Jahren gefragt hätte, ob die Freifläche zwischen Wiehenweg und Steinweg ein guter Platz für ein Storchennest sei, hätte er ganz klar „Nein“ gesagt.

Montag, 08.06.2020, 06:00 Uhr
Im Sommer 2018 wurde das Storchennest auf einem Eichenstamm auf einer Freifläche zwischen Wiehenweg und Steinweg in Schnathorst aufgestellt. In diesem Jahr nun nahmen zwei Störche die Nisthilfe an und fingen alsbald an zu brüten. Foto: Brigitte Ellersiek

In einer Jahreshauptversammlung des Rassegeflügelzuchtvereins Struckhof-Schnathorst sei einst der Wunsch entstanden, im Ort ein Storchennest aufzustellen. Die Idee hatte der Ehrenvorsitzende Heinz Steinmeier selbst vorgetragen. Gesagt, getan, wurde das Nest im Jahr 2018 im Sommer zwischen mehreren angrenzenden Feldern, ganz in der Nähe eines Baches, dessen Umland sich bei Regen in ein kleines Sumpfgebiet verwandelt, aufgestellt. Es steht in Sichtweite des Wiehengebirges auf einem Eichenstamm.

Schon im vorigen Jahr sei ein Storch, wohl ein so genannter Auskundschafter, für ein paar Tage auf dem Horst gewesen. In diesem Jahr klappte es mit zwei Störchen, die die Nisthilfe annahmen und alsbald anfingen zu brüten. Wie sie zusammengefunden haben, bleibt wohl deren Geheimnis. Revierkämpfe habe es nicht gegeben. Wohl aber seien Gänse, denen offenbar das Nest ebenfalls gefiel, verscheucht worden. Auch einen Bussard hätten die Störche verjagt. Gern verweilen Steinmeier, Mattegiet und Scherer auf einer Bank ganz in der Nähe eines Radweges, um mit einem Fernglas das naturnahe Ereignis zu betrachten. Wenige Wochen alt sind die Störche, die schon so groß sind, dass sie aus dem Nest herausgucken können. „Es sieht so aus, als ob beide Küken, die jetzt etwa vier Wochen alt sind, es schaffen, groß zu werden“, sagt Mattegiet.

„Eine Bereicherung für Schnathorst“

Wanderer und Radfahrer können das Geschehen aus der Entfernung gut beobachten. Schilder weisen darauf hin, dem Nest nicht zu nahe zu kommen. Gerade die Nähe des Hügels schien für Mattegiet eher ungünstig für ein Storchennest, weil hier die sonst typischen Flächen für die Nahrung fehlen würden. Er erklärt, dass das Struckhofer Nest eines von vier besetzten Storchennestern auf der Südseite des Wiehengebirges sei. „Das Storchennest ist eine Bereicherung für Schnathorst“, sagt Ortsvorsteher Reinhard Scherer.

Ob die beiden jungen Störche im Struckhof, die von weitem betrachtet einen munteren Eindruck machen, noch beringt werden, ist nicht klar. Coronabedingt hat die Vogelwarte Helgoland, die die Ringe herausgibt, nur eingeschränkt gearbeitet. „Wir haben nicht genug Ringe“, sagt Mattegiet. Bis zur fünften Lebenswoche müssten sie beringt werden. Als Küken würden sie nur eine gewisse Zeit lang in eine Starre verfallen, wenn sie von Fremden berührt werden würden. Danach könne es sei, dass sie sich wehren und beim Versuch des Beringens aus dem Nest springen. Das wollen die Storchenschützer nicht riskieren. Namen haben die beiden jungen Störche auch noch nicht.

„Der Klimawandel ist nicht zu leugnen“, sagt Mattegiet. Eigentlich würden sich Störche von Fröschen, Eidechsen, Molchen und Amphibien ernähren. Die Trockenheit begrenze aber deren Lebensraum in den landwirtschaftlich genutzten Flächen. Sogar Regenwürmer würden tief in der Erde stecken. Die Störche hätten sich aber umgestellt, so dass zu fast 70 Prozent Mäuse zur Nahrung gehörten. „Der kleine Bach unweit des Nestes sorgt ein wenig für Libellen und Insekten“, sagt Ortsvorsteher Reinhard Scheerer. Aber auch deren Anzahl sinke stetig. Dies sorge dafür, dass die beiden Elternstörche jeweils eine längere Zeit fliegen und suchen müssten, bis sie genug Nahrung hätten. Dabei würden sie immer wieder in Regionen kommen, wo auch andere Störche ihr Futter holen müssten. Die Nähe zum Menschen störe nicht.

90 besetzte Storchennester im Kreis

In diesem Jahr zähle das Aktionskomitee 90 besetzte Storchnester von 120 im Mühlenkreis, so Mattegiet. Nicht alle könnten jedes Jahr mit einem Hubsteiger angefahren werden, um sie von Müll, wie zum Beispiel Plastiktüten, die von den Störchen als Nistmaterial angeschleppt würden, zu befreien. Erst im August würden die Störche wieder in den Süden fliegen. Einige Störche würden sogar die milden Winter über in der Region bleiben. Mattegiet unterscheidet die Störche in Westsiedler, die den Weg über Gibraltar, und Ostsiedler, die den Weg über den Bosporus suchten.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7440340?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198399%2F2516043%2F
Tönnies-Tochter „Tillman‘s“ darf Betrieb wieder aufnehmen
Anhänger stehen mit offenen Türen auf dem Betriebsgelände der Firma Tönnies. Foto: dpa
Nachrichten-Ticker