Corona-Folgen: Computerhersteller aus Hüllhorst reagiert mit Flexibilität Wortmann erwartet eine Flaute

Hüllhorst (WB). „Produktiv von Zuhause“ oder „Terra Mobile“ – wer die Internetseite der Hüllhorster Wortmann AG anklickt, dem springen sofort die Angebote rund um das Thema Heimarbeitsplatz ins Auge. Kein Wunder. In der Corona-Krise verstärkt sich auch bei den Kunden des heimischen Computerherstellers der Wunsch nach dezentralen IT-Lösungen für ihre Firmen. „Die Notebook-Nachfrage hat sich seit Anfang März verdreifacht“, sagt Vorstandsvorsitzender Siegbert Wortmann.

Von Friederike Niemeyer
Siegbert Wortmann hat am Standort Hüllhorst die Abläufe so angepasst, dass die Produktion in der Corona-Krise gesichert ist. Allerdings geht er dennoch von Umsatzeinbußen aufgrund zurückgehender Aufträge aus. Groß ist die Nachfrage aber bei Notebooks.
Siegbert Wortmann hat am Standort Hüllhorst die Abläufe so angepasst, dass die Produktion in der Corona-Krise gesichert ist. Allerdings geht er dennoch von Umsatzeinbußen aufgrund zurückgehender Aufträge aus. Groß ist die Nachfrage aber bei Notebooks.

Abgesehen von dieser positiven Entwicklung, sind die Aussichten bei der Wortmann AG für das aktuelle Geschäftsjahr aber eher gedämpft. Zwar bescherte das Service-Ende für das Betriebssystem Windows 7 dem Unternehmen einen rekordverdächtigen Umsatz von 290 Millionen Euro im ersten Quartal – 75 Millionen Euro mehr als im Vorjahreszeitraum –, doch Siegbert Wortmann rechnet eher nicht damit, dass es weiterhin so viele Aufträge für neue Computertechnik bei seinen gewerblichen Endkunden geben wird. „Viele nutzen den jetzigen Stillstand für Wartung und Service, nicht für Neuanschaffungen“, sagt Wortmann.

„Bisher ist das für uns keine Krise“

Zu spüren ist die nachlassende Nachfrage bei der Wortmann AG jetzt schon. Lag die Lieferzeit zuletzt bei acht bis zehn Wochen, ist jetzt nur noch von drei bis vier Wochen auszugehen. Anfang des Jahres hatte die Firma nach Auskunft von Siegbert Wortmann ihre Produktionskapazität enorm nach oben geschraubt und 50 bis 80 Prozent mehr Geräte gebaut als bei normaler Auslastung. Jetzt wird dies zurückgefahren: Die Mitarbeiter bauen Überstunden ab, Zeitarbeitskräfte werden nicht weiterbeschäftigt und die zuletzt verstärkt gefahrene sogenannte „Schülerschicht“ mit Teilzeitkräften wird wieder reduziert.

„Bisher ist das für uns keine Krise“, sagt der Vorstandsvorsitzende. „Aber wir rechnen damit, auf das Niveau herunterzukommen, das wir vor anderthalb Jahren hatten.“ Nach einem Super-Firmenjahr 2014 waren die Zahlen danach etwas schlechter geworden, bis 2019 schließlich wieder „extrem gut“ verlief, wie Siegbert Wortmann sagt: mit einem Umsatz von 890 Millionen Euro in der AG (gegenüber knapp 750 Millionen Euro im Jahr 2018).

Die Lagerkapazitäten gleichen Lieferengpässe aus

Gut gerüstet sah sich die Wortmann AG auch für die zuletzt schwierige Liefersituation aus China. Etwa 50 Prozent aller Komponenten, die der Hüllhorster IT-Spezialist benötigt, werden in China gefertigt. Der massive Produktions- und Exporteinbruch der chinesischen Wirtschaft hat so mancher deutschen Firma zu schaffen gemacht. „Von Ende Dezember an haben wir nur noch sehr wenig aus China bekommen“, sagt Siegbert Wortmann. Ihnen hätten die großen Lagerkapazitäten geholfen, und jetzt nehme die chinesische Wirtschaft langsam wieder Fahrt auf. Aktuell gibt es dennoch ein Problem, das mit der chinesischen Liefersituation zusammenhängt: „Erstmals können wir mit dem Mini-Server ein Teil nicht liefern.“

Auf die Produktion hat die Corona-Krise dieselben Auswirkungen wie in den meisten anderen Unternehmen auch. Der Krankenstand sei erhöht, etliche blieben vorsorglich zu Hause. Und Mitarbeiter aus Vertrieb und Einkauf würden nun in den eigenen vier Wänden arbeiten. „Aber in Montage und Logistik geht das natürlich nicht“, sagt Wortmann. Die gut 300 Mitarbeiter am Stammsitz in Hüllhorst, die das betrifft, würden in räumlich getrennten Teams arbeiten, um im Krankheitsfall die Produktion nicht zu gefährden. „Wir sind voll arbeitsfähig“, sagt Wortmann.

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