Sigrid und Siegfried Israel zeigen in ihrem Museum eine Sonderausstellung Weihnachtliches Spielzeugland

Schnathorst (WB). Unzählige Holzfiguren, Holzpyramiden und Nussknacker füllen die Vitrinen im Spielzeugmuseum von Sigrid und Siegfried Israel in Schnathorst. Aktuell überraschen sie die Besucher mit einer Sonderausstellung zum Thema »Weihnachtliches Erzgebirge – Vom Bergmann zum Holzdrechsler«.

Von Jan Lücking
Siegfried und Sigrid Israel haben in ihrem Haus in Schnathorst eine riesige Sammlung verschiedener Weihnachtsspielzeuge und Dekorationsartikel ausgestellt. Zu sehen gibt es neben Holzpyramiden auch Nussknacker (oben) oder kleine Holzfiguren.
Siegfried und Sigrid Israel haben in ihrem Haus in Schnathorst eine riesige Sammlung verschiedener Weihnachtsspielzeuge und Dekorationsartikel ausgestellt. Zu sehen gibt es neben Holzpyramiden auch Nussknacker (oben) oder kleine Holzfiguren.

Das Ehepaar Israel hat sich in seinem Haus an der Dorfstraße auf etwa 240 Quadratmetern mit einem eigenen Spielzeugmuseum einen Traum erfüllt. Lebhaft erzählte Sigrid Israel während der Ausstellung am Wochenende von ihrer umfangreichen Spielzeugsammlung. Seit 30 Jahren sammelt sie mit ihrem Ehemann Siegfried Spielwaren und hat sich ein umfangreiches Wissen über die Geschichte darüber angeeignet. Und gerne lassen die beiden interessierte Besucher an ihrer Leidenschaft teilhaben und klären über den Entstehungsprozess auf.

»In der Region um das Dorf Seiffen im Erzgebirge waren die Menschen neben dem Bergbau auf ein Nebengewerbe angewiesen, um ihren Lebensunterhalt zu sichern. Neben der Landwirtschaft sind die Menschen dort sehr früh angefangen zu drechseln – zuerst im Bereich Haushaltswaren. Ab dem 18. Jahrhundert waren es zum Beispiel Spindeln für Spinnräder, aber auch Schüsseln, Teller, Tassen und Löffel«, sagt Sigrid Israel. Das Drechseln sei dort weit verbreitet gewesen. Im 19. Jahrhundert habe sich daraus die Spielzeugproduktion aus Holz entwickelt, berichtet sie weiter.

Für einen Hungerlohn produziert

Erst als der Bergbau ganz zum Erliegen kam, sei die Spielzeugproduktion so richtig floriert. Die Schnathorsterin betont in ihren Erklärungen auch, dass das Holzspielzeug in verarmten Familien unter Mitwirkung von Kinderarbeit entstanden sei, damit die Familien überleben konnten. »Wir können uns heute noch an dem schönen Spielzeug erfreuen, aber man darf dabei nicht vergessen, dass Kinder ab einem Alter von drei Jahren in den Familien bei der Spielzeugproduktion im Wohnzimmer mithelfen mussten. Für einen Hungerlohn von wenigen Pfennigen pro Exemplar mussten die Familien für die Verleger sehr viel produzieren. Die Spielwaren wurden dann weiterverkauft«, erklärt Sigrid Israel.

Kinder konnten nicht zur Schule

Die meisten Familien hätten keinen eigenen Markennamen gehabt und nur an ihre Verleger geliefert. Die Preise für die Spielwaren seien irgendwann so gesunken, dass die Familien für Hungerlöhne arbeiten mussten und kaum etwas zum Leben gehabt hätten, sagte die Schnathorsterin. »Die Kinder konnten die Schulpflicht gar nicht einhalten. Alle in der Familie haben von morgens bis abends gearbeitet, um irgendwie überleben zu können«, sagt Sigrid Israel. Die Kinder hätten jeden Tag Spielzeug in der Hand, aber selbst gar keine Zeit gehabt, damit zu spielen. Sie hätten auch keine Zeit zum Lernen gehabt und waren von Anfang an in die Unterschicht abgedrängt, berichtet sie.

Sigrid und Sigfried Israel beantworteten gerne die Fragen der Besucher und gaben Auskunft zu den unzähligen Spiel- und Weihnachtswaren, die im ganzen Haus auf mehreren Etagen ausgestellt sind.

Wer sich dieses außergewöhnliche Museum selbst anschauen möchte, hat dazu noch an mehreren Tagen die Gelegenheit. Die weiteren Öffnungszeiten der Ausstellung sind jeweils am Samstag und Sonntag, 7. und 8. Dezember, 21. und 22. Dezember sowie am 11., 12., 25. und 26. Januar 2020 in der Zeit von 14 bis 18 Uhr. Außerhalb dieser Öffnungszeiten werden Führungen nach Anmeldung unter Telefon 05744/3862 angeboten.

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