Biohof »Wiehenglück«: Familie Holzmeier stellt auf ökologische Landwirtschaft um
Im Einklang mit der Natur

Hüllhorst (WB). Um 10 Uhr ist Feierabend. Dann geht es raus auf die riesengroße Wiese. Zum Frühstück gibt’s saftiges Gras. So ein Huhn hat ein herrliches Leben auf dem Biohof »Wiehenglück« in Büttendorf. Seit 1. Juli betreibt Familie Holzmeier nicht mehr die konventionelle, sondern die ökologische Landwirtschaft.

Donnerstag, 07.11.2019, 10:48 Uhr aktualisiert: 07.11.2019, 10:52 Uhr
Eyke und Hendrik Holzmeier mit Ackerbohnen, einer Zwischenfrucht. Sie sind noch voll in der Umstellungsphase mit ihren Erzeugnissen. Erst ab der dritten Ernte spricht man von Bio-A-Ware.

Eyke Holzmeier (33) steht inmitten glücklicher Hühner. Aufgeregt kommen sie angerannt und angeflattert, denn der junge Landwirt verteilt eine Extra-Portion Körner. Wenn die Eier gelegt sind, genießt das Federvieh die frische Luft, die Bewegung und den freien Blick auf den Himmel. Die Unterkunft der Tiere: eine Art Camping-Mobil. »Alle zehn Tage wird er versetzt«, sagt Eyke Holzmeier. Dann ist ein ordentliches Stück Rasen wieder abgegrast und neues Grün muss her.

Die insgesamt 350 Legehennen und fünf Hähne genießen jeden Komfort: Sitzstangen, auf denen sie ein Nickerchen machen, weiche und warme Legenester und sogar ein Sonnenschutzsegel, das auch vor Greifvögeln abschirmt. Auf die fünf Hähne können sich die Hühner ebenfalls verlassen. »Die geben kräftig Laut, wenn Gefahr im Verzug ist«, sagt Eyke Holzmeier. Der Großteil der Bio-Eier wird ab Hof verkauft, sogar einen Eier-Automaten gibt es auf dem Grundstück. Auch der zehnjährige Moritz, ältester Sohn von Hendrik und Corinna Holzmeier, übernimmt schon Aufgaben im Familienbetrieb. Er sammelt das Tagwerk der gefiederten Damen ein und bessert sich so sein Taschengeld auf.

Regional produzieren und regional vertreiben

Der Nachwuchs – Moritz hat noch die Geschwister Hannes (8) und Paula (4) – war einer der Gründe für die Holzmeiers, die Art der Landwirtschaft neu zu überdenken. Das ging natürlich nicht von heute auf morgen, sondern bedeutete eine große Zäsur. Die Söhne Hendrik (42) und Eyke haben den Hof von ihrem Vater Hermann (68) übernommen und dieser wiederum von seinem Vater. Einerseits waren es ethische Gesichtspunkte, die zu einem Umdenken führten. »Wir tragen Verantwortung für unsere Kinder und die Umwelt und denken in Generationen. Wir haben uns auch gefragt: Was für ein Vorbild sind wir für die Kinder?«, sagen die Jungbauern.

Andererseits spielten auch die negativen Auswüchse der Globalisierung eine Rolle. »Es gab einen beträchtlichen Wettbewerbsdruck. Profitiert haben nur die großen Konzerne und wir wollten nicht mehr das letzte Glied in der Kette sein. Zwei bis drei Jahre lang haben wir eigentlich kein Geld verdient. Nun sind wir unabhängig«, so Diplom-Agrar-Ingenieur Hendrik Holzmeier. Regional produzieren und regional, also deutschlandweit, vertreiben – so lautete das Ziel. »Einen Export in Schwellenländer wollten wir nicht mehr«, betont sein Bruder. Somit fielen auch keine langen Transportwege mehr an, was ebenfalls dem Umweltschutz diene.

Stetes Wachstum ist nicht das Credo von Hendrik Holzmeier. »Immer höher, schneller, weiter – davon halte ich nichts mehr.« Dies würde auch der Philosophie der biologischen Landwirtschaft widersprechen. Nachhaltigkeit, Umwelt- und Tierwohl bringen ein Weniger statt Mehr mit sich. So hat die Familie die Anzahl der Tiere deutlich reduziert. Außer den Legehennen werden etwa 900 Bio-Schweine sowie 35 Mutterkühe und die gleiche Anzahl an Kälbern an der Büttendorfer Straße 214 gehalten.

Schweine haben dreimal so viel Platz

Zum »Wiehenglück« gehört auch der Hof der Meiers in Frotheim, bewirtschaftet von Christian (36), einem Cousin der beiden Brüder, der dort mit seiner Frau Natalie und den beiden kleinen Söhnen Maximilian und Felix lebt. Dort gab es zu Zeiten der konventionellen Landwirtschaft eine Rindermast. »Die letzten Rinder werden peu a peu verkauft«, sagt Hendrik Holzmeier. Die Verbände »Bioland« und »Naturland«, denen sie sich angeschlossen hätten, verlangten in diesem Punkt keinen harten Schnitt, sondern ermöglichten eine schrittweise Aufgabe der Mast. »Sonst hätte es eventuell Probleme gegeben«, so der Landwirt, der die Umstellung auf Öko nicht bereut. »Wir haben wieder Freude an den Tieren und der Landwirtschaft. Für uns war das der einzig gangbare Weg.«

Die beiden Brüder gehen rüber zu den Schweinen, die jetzt dreimal so viel Platz wie früher haben. Sofort herrscht Leben im Strohauslauf. Hund Emmi begrüßt seine rosa Freunde mit einem kurzen Beschnüffeln. Von Hendrik Holzmeier bekommen die Schweine ein paar Streicheleinheiten. »Das sind eigentlich saubere Tiere«, weiß der Fachmann. Und wie zum Beweis entspricht das liebe Borstenvieh nicht dem Klischee, von matschbesudelt keine Spur. Auch wenn sie sich gern mal suhlen. Ob sich die Schweine drinnen oder draußen aufhalten, schlafen, dösen oder im Stroh wühlen, bleibt ihnen überlassen. Den Großteil des Tages wird natürlich gefressen. Die Tiere lassen sich die Grassilage schmecken.

Alle haben noch ihre Ringelschwänze. »Ein Kupieren, also Abschneiden, in den ersten Lebenstagen eines Ferkels ist ein absolutes No-Go in der ökologischen Landwirtschaft«, sagt Eyke Holzmeier. Der Ringelschwanz sei ein Verhaltensindikator, an dem viel abgelesen werden könne. »Es macht einfach Spaß zu sehen, wie die Schweine artgerecht leben. Das erfüllt einen.«

Keine chemischen Mittel

Gleichwohl gestehen beide Landwirte ein, dass die Umstellung mehr Arbeit mit sich bringt. »Aber wir wissen ja, wofür wir das machen.« Einer der Gründe für den Mehraufwand: Probleme wie Unkraut, Schädlinge und Krankheiten werden nicht mit chemischen Mitteln bekämpft, sondern umweltschonend im Einklang mit der Natur. Ein Biobauer setzt auf das ökologische Gleichgewicht. »Die Spritze haben wir als Erstes verkauft«, erzählen die Holzmeiers.

Im Ackerbau wollen Eyke und Hendrik Holzmeier eine möglichst vielfältige Fruchtfolge. Auf den Feldern finden sich Weizen, Gerste, Triticale, Körnermais und Zuckerrüben sowie neu Roggen und Ackerbohne. »Letztere war nun voll mit Läusen, aber eben auch mit Marienkäfern. Die halten sich dann im Gleichgewicht«, sagt Corinna Holzmeier. Und: Die Wurzeln der Ackerbohne sind mit Knöllchenbakterien – natürlichen Stickstofflieferanten – besetzt, die den Pflanzen zum Wachstum verhelfen und Kunstdünger ersetzen. Weiterer Vorteil der Zwischenfrucht ist, dass sie Biomasse für die Biogasanlage (Baujahr 2012) liefert.

Die beiden Bio-Familien, die inklusive des Standortes in Frotheim über 360 Hektar Ackerland und 90 Hektar Grünland verfügen, wollen ihre Berufskollegen animieren, es ihnen gleichzutun. Man habe nun eine Planungssicherheit, auch bei der Vermarktung. Natürlich müsse es eine entsprechende Nachfrage von Bio-Produkten geben. Doch da machen sich die Büttendorfer gerade in der heutigen Zeit keine Sorgen.

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