Turbulentes Ortsteiltreffen in Büttendorf – Aufreger Dorfgemeinschaftshaus
Aus Protest den Raum verlassen

Hüllhorst (WB). Zu Beginn des Ortsteiltreffens in der Aula der Grundschule Büttendorf hat es freundliche Worte gegeben. Ortsvorsteherin Dietlind Scheding dankte dem bald in den Ruhestand gehenden Bezirksbeamten Dieter Granzow für 14 Jahre Arbeit als »Dorfsheriff« und überreichte ihm im Namen der Dorfgemeinschaft ein kleines Präsent.

Montag, 08.07.2019, 17:55 Uhr aktualisiert: 08.07.2019, 17:58 Uhr
Gut 50 Büttendorfer sind der Einladung zum Ortsteilgespräch gefolgt. Unter ihnen waren auch viele Ratsmitglieder. Obwohl Bürgermeister Bernd Rührup keine Generaldebatte zum Dorfgemeinschaftshaus wünschte, war dies eines der Hauptthemen. Foto: Ria Stübing

In einem Rückblick ließ Scheding die Veranstaltungen der vergangenen zwölf Monate Revue passieren und lobte das Miteinander und die Hilfsbereitschaft bei Veranstaltungen wie Osterfeuer, Geflügelfest, Frühlingsfest und dem kürzlich ausgerichteten Boßel-Turnier, an dem mehr als 40 Mannschaften teilgenommen hätten. Besonders hob sie heraus, dass es 2018 eine erste, zarte Weihnachtsbeleuchtung im Ort gegeben habe und schloss mit den Worten: »Wir dürfen gespannt sein, wie Büttendorf in diesem Jahr in der Weihnachtszeit erstrahlen wird.«

Bürgermeister Bernd Rührup informierte über den aktuellen Sachstand zum Thema »Dorfgemeinschaftshaus«. Der seit Juli 2016 wegen Schimmelbefalls gesperrte Dorfgemeinschaftsraum in der Schule sollte ursprünglich saniert werden. Ein Jahr, nachdem der gesundheitsgefährdende Befall festgestellt worden sei, habe die Bezirksregierung in Detmold mitgeteilt, dass sie diese Sanierung nicht bezuschussen werde. Daraufhin habe man einen Anbau an das bestehende Schulgebäude oder einen Neubau in Betracht gezogen.

Bürgerbefragung angeregt

Die Kosten für diese Maßnahmen wurden auf 350.000 Euro (Anbau) beziehungsweise 550.000 Euro (Neubau) geschätzt. Im Herbst 2018 wurde vom Land eine Förderung von 250.000 Euro für einen Neubau bewilligt, so dass der Rat im November beschloss, die Planung für dieses Bauvorhaben einzuleiten. »Meiner Meinung nach wäre ein Neubau das Beste gewesen, er würde eine Perspektive für die nächsten 25 Jahre bieten«, sagte Rührup, verwies jedoch darauf, dass er an den Ratsbeschluss, nun doch zu sanieren anstatt neu zu bauen, gebunden sei und diesen umsetzen müsse.

Die anschließende Diskussion gestaltete sich lebhaft, vereinzelt auch sehr emotionsgeladen. Zwei der Anwesenden verließen sogar die Versammlung, nachdem sie ihren  Ärger über die politische Kehrtwende in dieser mittlerweile drei Jahre währenden Entwicklung kundgetan hatten. Einer verabschiedete sich aufgebracht mit den Worten: »Ich verlasse dieses Ortsteiltreffen unter Protest.«

Andere stellten kritische Fragen oder versuchten mit konstruktiven Ideen, die Einigkeit wieder herzustellen. So wurde beispielsweise gefragt, ob man die Meinung aller Büttendorfer Bürger mittels einer schriftlichen Befragung erheben könne, um sicherzugehen, welche Lösung dem Wunsch der Mehrheit entspreche. Bernd Rührup sagte, »dass wir nicht, wie in der Schweiz, mit Volksabstimmungen entscheiden«. Er verwies auf die Möglichkeit, im Anschluss an den offiziellen Teil der Versammlung mit den in großer Zahl anwesenden Ratsmitgliedern über das Thema zu diskutieren und leitete zu den beiden weiteren Themenschwerpunkten des Abends, Internet- und Wasserversorgung, über.

Südliches Büttendorf »weißer Fleck«

Im nördlichen Teil von Büttendorf sei die Rohranlage für den Breitbandausbau bereits fertiggestellt. Es müssten hier lediglich noch die Glasfaser eingeblasen werden. Ziel sei es, alle Arbeiten bis zum Jahresende abgeschlossen zu haben. Den südlichen Teil bezeichnete Rührup als »weißen Fleck«, der im Rahmen des Masterplans Breitbandausbau des Kreises voraussichtlich Ende 2020/Anfang 2021 versorgt werden solle. Die Firma Internexio habe den Auftrag erhalten und werde auf die betroffenen Haushalte zukommen. Diese müssten für den Breitbandanschluss mit Kosten von 150 Euro rechnen: einem Baukostenzuschuss von 100 Euro und einer Anschlussgebühr von 50 Euro.

Dann kam Rührup auf die Trinkwasserknappheit in der Gemeinde zu sprechen. Am 24. und 25. Juni habe es einen derart exorbitanten Anstieg des Wasserverbrauchs gegeben, dass sogar eine Katastrophenwarnung herausgegeben worden sei. »Im Fall eines Großbrandes oder Rohrbruchs wären wir zu diesem Zeitpunkt in eine massiv bedrohliche Situation geraten.« Die Gemeinde gehe mit gutem Beispiel voran, was den verantwortungsvollen Umgang mit dem Trinkwasser anbelange, und bewässere ihre Sportplätze mit Brauchwasser, um das Leitungsnetz nicht weiter zu belasten.

Mit Fragen und Anregungen seitens der Büttendorfer zu verschiedenen Themen wie Fahrradfreundlichkeit der Gemeinde, Unfallschwerpunkten, insektenfreundlichen Flächen und der Idee, ein Gemeindetreffen ins Leben zu rufen, »damit nicht jeder Ortsteil sein eigenes Süppchen kocht«, klang das Ortsteiltreffen aus.

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