Schnathorst feiert 775. Geburtstag: ein Blick in die Historie
Von Fachwerkhäusern und Mühlen

Schnathorst (WB/kk). Das nordöstliche Dorf der Gemeinde feiert am Sonntag, 30. Juni, sein 775-jähriges Bestehen. Schnathorst (Schnat = Grenze; Horst = bewaldete Anhöhe) blickt somit auf eine lange Geschichte zurück.

Freitag, 07.06.2019, 09:00 Uhr
Entlang der baldigen Festmeile, der Dorfstraße in Schnathorst, erfreut sich der Spaziergänger an schmucken sehr gut erhaltenen Fachwerkhäusern. Jene Scheune gehört heute der Familie Bethke von der Ziegelei Meyer-Holsen. Foto: Kathrin Kröger

Die Vereinsgemeinschaft Schnathorst hat zum 750. Geburtstag einen Band mit Beiträgen zur Ortshistorie von 1244 bis 1994 herausgegeben, der natürlich auch zu diesem Jubiläum wieder gern aufgeblättert wird. Es ermöglicht auch Einblicke in Leben und Alltag – gestern und heute. Die bäuerliche Alltagswelt der Vorfahren wird am Beispiel der Fachwerkhäuser als Heimstatt und Lebensort aufgezeigt. Insbesondere die Schnathorster Einwohner seien Vorreiter gewesen, was die Infrastruktur betraf.

»Früh am Platze waren in Schnathorst Arzt, Zahnarzt und Tierarzt, einzigartig im Amt Hüllhorst. Zur Herbstzeit gab es den Vieh- und Krammarkt, der der bäuerlichen und häuslichen Bedarfsdeckung diente«, ist in dem Rückblick »Wir Schnathorster« zu lesen. Ein reiches Angebot an Einzelhandelsgeschäften habe die Bevölkerung mit allem Notwendigen versorgt. Bis zum Jahre 1937 sei die Wallückebahn mit dem Ort verbunden gewesen.

Durch die »Niendür« auf die Deele

Die Mehrzahl der Fachwerkhäuser, einschließlich der Kotten, entsprächen dem Bautyp des niedersächsischen Hallenhauses: Durch die »Niendür« gelangten Mensch und Vieh auf die große Deele des Zweiständer- oder Vierständerhauses, in dem zu beiden Seiten die Stallungen für Pferde, Kühe und Schweine den ersten Raum einnahmen. Futter- und Milchkühe sowie die Schlafräume der Knechte und Mägde schlossen sich an. Das Kammerwerk beendete mit der Stube und den Schlafkammern für die Familie des Hofbauern das Haus nach oben hin. Es war eine Lebensgemeinschaft des Menschen mit dem Vieh, denn sie wohnten unter einem Dach bei Tag und Nacht. Die große Deele des Hauses kannte nicht nur den hochbeladenen Erntewagen, sie war auch der Aufbewahrungsplatz der Verstorbenen, wenn es galt, Abschied zu nehmen.

»Heime für Behinderte, Alte und Kranke kannte man nicht«, ist in dem Band nachzulesen. »Alle blieben beieinander und füreinander auf den Höfen und in den Häusern, auch die Betreuungsfälle.« Zu den Gehöften mit den Heuerlingshäusern gehörten immer auch die liebevoll gepflegten kleinen Bauerngärten mit ihren Kräuterbeeten. Auch ein Bienenhaus fehlte selten. Spinnen und Weben zur Winterzeit, wenn die Feldarbeit ruhte, habe gesellige Stunden gewährt.

Bei der harten Alltagsarbeit trugen Männer und Frauen feste, grobe Leinenkleidung, die sie aus der Verarbeitung des eigenangebauten Flachses gewannen. Zum Nähen kam die Schneiderin ins Haus. Beim Kirchgang und zu den festlichen Anlässen wurden die Feiertagskleider getragen. Das Heimatmuseum Hüllhorst zeige noch Einzelstücke solcher Trachten, »die ursprünglich bei uns durchaus farbig-bunt und erst im Gefolge von Bußpredigten aus dunklem Tuch waren«. Holzschuhe waren durchweg die Fußbekleidung, für den Kopf gab es eine regelrechte Mützen- und Haubenordnung.

Einst fünf Mühlen

Gering geworden ist die Zahl der Fachwerkhäuser im Dorf. »Dorfbildprägende, erhaltenswerte und historisch bedeutsame Bauwerke sollten unter Denkmalschutz gestellt werden, um sie so der Nachwelt zu erhalten«, schrieb Erich Holzmüller, der einstige Heimatpfleger der Gemeinde Hüllhorst.

Der Beitrag von Hans-Jürgen Sundermeier widmet sich den Mühlen des Ortsteiles. Fünf gab es einst. Obwohl nur noch einige Spuren im Bachbett von der Poggemühle, einer Wassermühle, zeugten, sei doch den meisten Schnathorstern der Begriff bekannt. Ferner führt Sundermeier Böckstiegels Wassermühle auf, die schließlich zu einem reinen Wohngebäude wurde. Die Windmühle im Struckhof sei 1883 von der Familie Kröger errichtet worden. Das Grundstück in windexponierter Lage stellte Friedrich Struckmeier zur Verfügung. In den 1930er Jahren spielte ein Gewittersturm der Mühle übel mit, so dass einer der vier Flügel abbrach. In Betrieb war das Bauwerk bis 1965. Nach einer 1987 beantragten Restaurierung wurde die Mühle 1993 eingeweiht. »Nun steht im Struckhof eine der wenigen erhaltenen Windmühlen südlich des Wiehengebirges«, schreibt Sundermeier.

Ulrich Huck beschäftigte sich mit dem einstigen Flugplatz in Schnathorst. Wie kam es dazu? Der Aero-Club Löhne (ACL) wurde 1950 nach der Wiederzulassung des Segelfluges gegründet. Dieser nahm Ende 1953 ein eigenes Segelfluggelände in Betrieb, wo auch 1960 die vereinseigene Flugzeughalle eingeweiht wurde. 1972 wurde jedoch das Segelfluggelände Schnathorst wegen neuer gesetzlicher Bestimmungen von der Zulassungsbehörde geschlossen; der ACL musste auf einen anderen Flugplatz ausweichen.

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