CDU-Landtagsabgeordnete Bianca Winkelmann verbringt halben Tag im »Zwergennest«
Zwischen Hochbeet und Erziehermangel

Tengern (WB). Was Feuerwehrleute, Polizisten und Ärzte machen, wissen die Mädchen und Jungen im Kindergarten »Zwergennest« schon ganz genau. Aber von der Arbeit einer Landtagsabgeordneten haben sie bis jetzt noch nie gehört.

Donnerstag, 09.05.2019, 08:32 Uhr aktualisiert: 09.05.2019, 08:36 Uhr
Kita-Alltag in der Natur: Die Kinder haben mit Landtagsabgeordneter Bianca Winkelmann und Lisa-Marie Dreyer das Hochbeet bienenfreundlich bepflanzt. Nachdem diese Arbeit getan war, gab es zur Stärkung Stockbrot und Pizza.

»Das ist so etwas wie eine Bürgermeisterin – nur für ganz viele Menschen«, hatte Kita-Leiterin Anne Lankes-Dickler den Kindern zuvor erklärt. Denn für einen Vormittag war mit Bianca Winkelmann eben eine solche Landtagsabgeordnete angekündigt.

Anlass für den Besuch der Christdemokratin war außer der aktuellen Diskussion um das Kinderbildungsgesetz in NRW auch der Tag der Kinderbetreuung am 13. Mai. »Manche Kinder meinten, dass heute die Chefin von Deutschland kommt«, sagte Anne Lankes-Dickler. Doch die »Chefin« gab sich ganz bodenständig und setzte sich erst einmal auf den kleinen Stuhl im Raum der Waldzwerge. »Ich bin die Bianca und ihr?«, begrüßte sie ihre kleinen Gastgeber.

Politische Themen kommen zur Sprache

Zunächst gab es ein gemeinsames Frühstück. Dies sei in vielen Einrichtungen heute nicht mehr die Regel, so Lankes-Dickler. Stattdessen solle jeder essen, wenn er oder sie Hunger habe. »Es geht uns dabei aber auch ein Stück weit um Tischkultur«, sagte die Erzieherin.

Danach ging es durch die Einrichtung mit vielen unterschiedlichen Räumen, einer neuen Küche und einem weitläufigen Garten. Zwischen dem Kaninchenauslauf und dem Schlafraum kamen die vielen politischen Themen zur Sprache. Es ging um fehlende Erzieher, ein zu schlechtes Betreuungsverhältnis und mangelnde Planungssicherheit. Personal ließe sich im Grunde nur für ein Jahr einstellen, sagte Lankes-Dickler. »Man weiß ja nicht, wie viele Stunden die Eltern im nächsten Jahr buchen«, sagte die Pädagogin. »Da ist es kein Wunder, wenn keiner den Beruf ausüben will.«

Im Gespräch: die Landtagsabgeordnete Bianca Winkelmann (von links), Lisa-Marie Dreyer und Anne Lankes-Dickler.

Im Gespräch: die Landtagsabgeordnete Bianca Winkelmann (von links), Lisa-Marie Dreyer und Anne Lankes-Dickler.

Bianca Winkelmann sieht das ähnlich. »Wir werden viele dieser Probleme nur lösen können, indem mehr Geld ins System kommt«, sagte sie. Die NRW-Koalition habe den Einrichtungen im Land mit dem Kita-Rettungspaket mit 500 Millionen Euro geholfen. Im Falle des »Zwergennests« sei die Summe eins zu eins an die Erzieherinnen gegangen, berichtete Svenja Wortmann. Sie ist Mutter eines Kindes in der Kita, zweite Vorsitzende des privaten Trägervereins und zuständig für die Personalorganisation. »Wenn es um die Neuanmeldungen geht, muss ich sieben oder acht Mal hin und her rechnen. Und wenn man dann finanziell gesehen eine zusätzliche Kraft einstellen könnte, findet man keine Erzieher«, so Wortmann.

»Wir nehmen einen Erzieher auch nicht um jeden Preis«, ergänzte Lankes-Dickler. Die Chemie müsse stimmen und die Person auch zum »Zwergennest« passen. Die Philosophie des privat getragenen Kindergartens ist gleich im Flur zu lesen: »Begeistern statt belehren«. Die Kinder sollten spielerisch und einfach durch den Alltag lernen, sagte Erzieherin Lisa-Marie Dreyer. Das war zum Beispiel auch der Fall, als Bianca Winkelmann mit den ältesten Kindern am Mittag auf die nahegelegene Obstwiese des Kindergartens ging. Gemeinsam bepflanzten sie dort ein bienenfreundliches Hochbeet, die Bienenpatenschaft übernahm Bianca Winkelmann dabei auch gleich mit und sie bereiteten am Lagerfeuer Stockbrot zu. »Hier können die Kinder auch mal Kinder sein«, meinte Lisa-Marie Dreyer.

Positives Fazit

Nach einem halben Tag war der Besuch für den politischen Gast zu Ende. Winkelmann zog ein positives Fazit. Und: »So ein halber Tag in der Kita hat mir einmal mehr deutlich gemacht, was unsere Erzieher für wichtige Arbeit leisten. Der Tag der Kinderbetreuung macht als Aktionstag zurecht darauf aufmerksam. Als NRW-Koalition müssen und werden wir verstärkt darauf Acht geben, dass es genügend Plätze und Personal gibt. Erst wenn sich die Situation in den Einrichtungen spürbar verbessert hat und Erzieher mehr Zeit mit den Kindern verbringen können statt am Schreibtisch, wird der Beruf wieder wirklich attraktiv.«

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6598606?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198399%2F2516043%2F
Gesundheitsämter melden 11.176 Corona-Neuinfektionen
Hinweisschild auf die Maskenpflicht in Frankfurt am Main.
Nachrichten-Ticker