Flüchtlingshilfe heißt jetzt Integrationsnetzwerk – Kahraman Tsikha gibt Lagebericht
Deutsche Nachbarn sind anders

Hüllhorst (WB). Kahraman Tsikha, Integrationsbeauftragter in Hüllhorst, hat am Donnerstag im Familienausschuss einen Überblick über die Lage der Flüchtlinge in der Gemeinde gegeben. Tsikha kümmert sich derzeit um 249 Menschen aus 28 Ländern.

Samstag, 06.04.2019, 10:00 Uhr
Die Wanderausstellung »Ein Ort. Irgendwo« kommt nach Hüllhorst. Die Kunstwerke von Flüchtlingen sind vom 18. April bis 15. Mai im Rathaus zu sehen.

Tsikha (49), gebürtiger Syrer, ist seit 2016 im Auftrag der Gemeinde für die Betreuung der Flüchtlinge zuständig. Die Verständigung mit Iranern, Nigerianern, Tadschiken oder auch Usbeken stellt für den Familienvater kein Problem dar, spricht er doch außer Deutsch und Arabisch noch Englisch, Russisch, Persisch und den kurdischen Dialekt Sorani. Seit der Flüchtlingswelle 2015 ist der Zustrom in Hüllhorst rückläufig. Kahraman Tsikha rechnet allerdings damit, dass demnächst neue Zuweisungen kommen. Das betrifft laut Tsikha die Gruppe der anerkannten Flüchtlinge. Hier liegt die Gemeinde mit knapp 34 Prozent deutlich unter der vorgesehenen Aufnahmequote.

Fortschritte bei der Integration

Bei der Integration seien, so Tsikha, in den vergangenen Jahren Fortschritte erzielt worden. Ein Großteil der Geflüchteten gehe inzwischen einer beruflichen Tätigkeit nach – als Pflegekraft, als Friseur, als Maurer oder auch als Ingenieur. Das würde die öffentlichen Kassen erheblich entlasten, betonte Tsikha. In Lohn und Brot stünde inzwischen auch ein Großteil der Personen aus der Gruppe der in Deutschland »Geduldeten«. Viele seien bestrebt, sich ein dauerhaftes Bleiberecht im wahrsten Sinne des Wortes zu erarbeiten. Auf Nachfrage erklärte Tsikha, dass er immer wieder das persönliche Gespräch mit Arbeitgebern gesucht habe, um Menschen in Arbeit zu bringen: »Jeder Unternehmer im Umkreis von 20 Kilometern kennt mich.«

»Ruhezeiten sind unbekannt«

Etwa 100 der 249 Personen haben inzwischen eigene Wohnungen angemietet. Damit das friedliche Miteinander im Alltag gelingt, lässt Tsikha in den Integrationsunterricht auch Nachbarschaftskunde einfließen. Denn deutsche Nachbarn seien anders als andernorts: »In Deutschland grüßt man den Nachbarn, lächelt freundlich. In Syrien grüßt man nur Leute, die man kennt.« Ungewohnt sei für die Zugezogenen auch, wenn der Nachbar plötzlich vor der Tür steht und sich über Lärm beschwert. Was hierzulande durchaus vorkomme, würde in vielen anderen Ländern als Akt der Aggression missverstanden. »Ruhezeiten sind vielen Flüchtlingen völlig unbekannt. So etwas muss man ihnen erst einmal erklären.« Da Tsikha bei seiner Ankunft in Deutschland vor 20 Jahren selbst viele Situationen erlebt habe, wisse er sehr genau, wo die Tücken im deutschen Alltag lägen.

Miteinander unproblematisch

Insgesamt sei das Miteinander in Hüllhorst aus Sicht des Flüchtlingsbeauftragten unproblematisch. Die Kinder der Geflüchteten gingen in die Schule und würden zum überwiegenden Teil sehr gut Deutsch sprechen. Derzeit, so Tsikha, seien zahlreiche Projekte angelaufen, um die soziale Teilhabe der Zugezogenen weiter zu verbessern. Ab dem 18. April können sich Bürger zudem ein Bild von den Gedanken der Geflüchteten machen. Dann wird im Hüllhorster Rathaus die Ausstellung »Ein Ort. Irgendwo« zu sehen sein. Die künstlerisch beeindruckenden Karikaturen illustrieren das breite Spektrum des Themas Flucht und Migration, die Schwierigkeiten und den Schmerz, Heimat und Familie zu verlassen sowie die Hoffnung auf eine bessere Zukunft und auf Akzeptanz.

2000 Euro für Schnathorst

In Schnathorst wird in diesem Jahr das 775-jährige Dorfjubiläum gefeiert. Es basiert auf der ersten Erwähnung des Ortes aus dem Jahre 1244. Damals taucht in einer Urkunde der Name »Richardus de Snathorst« auf. Im Familienausschuss tauchte ein Antrag auf finanzielle Förderung der Feierlichkeiten auf. Ortsvorsteher Reinhard Scheerer räumte ein, dass dieser Antrag sehr kurzfristig gestellt worden sei. »Den hättet ihr doch schon vor 775 Jahren einreichen können«, mahnte Ernst-Wilhelm Rahe scherzhaft an. Scheerer entschuldigte sich mit dem Hinweis, dass er damals noch nicht hätte schreiben können. Der Ausschuss bewilligte schließlich 2000 Euro für das Jubiläum. Scheerer, nicht nur Ortsvorsteher, sondern gleichzeitig Ausschussmitglied, hatte mit Hinweis auf seine mögliche Befangenheit nicht an der Abstimmung teilgenommen.

300 Euro für Pfadfinder

Einen Zuschuss in Höhe von 300 Euro gewährte der Ausschuss den Pfadfindern St. Johannes, die von Lübbecke nach Oberbauerschaft umgezogen sind. Derzeit sind die Pfadfinder, die mehr als 100 Mitglieder zählen, mit Renovierungsarbeiten beschäftigt. Bürgermeister Bernd Rührup warb eindringlich darum, die Pfadfinder zu unterstützen. Diesem Ansinnen folgte der Ausschuss einstimmig.

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