»Wege durch das Land«: ausverkaufte Vorstellungen mit Heikko Deutschmann in Oberbauerschaft Literatur und Musik erzählen von Heimat

Hüllhorst (WB/cm) »Von Heimat erzählen« will das Musik- und Literaturfest »Wege durch das Land«. Bei den zwei ausverkauften Veranstaltungen in der Rossmühle Oberbauerschaft ist das am Wochenende sehr überzeugend gelungen.

Die Mitwirkenden beim Literaturfest »Wege durch das Land« in Oberbauerschaft (von links): Heikko Deutschmann, Lisa Bassenge, Kai Brückner, Maria Barbal, Andreas Lang und  Heike Nottebaum.
Die Mitwirkenden beim Literaturfest »Wege durch das Land« in Oberbauerschaft (von links): Heikko Deutschmann, Lisa Bassenge, Kai Brückner, Maria Barbal, Andreas Lang und Heike Nottebaum. Foto: Cornelia Müller

Die Hofanlage Meyer zu Kniendorf mit ihrer 300 Jahre alten Mühle ist nicht zum ersten Mal Spielstätte des renommierten Kulturfestivals gewesen. »Lasst uns diesmal unbedingt auch wieder in die Rossmühle gehen, mit der großen Deele, wo die Schwalben kreuzen«: Das habe für die beiden neuen künstlerischen Leiter (Helene Grass und Albrecht Simons von Bockum Dolffs) von Anfang an festgestanden, berichtete Helene Grass.

Deutschmann interpretiert Daudet

Das Thema »Leben und Arbeiten auf dem Land« war hier zum Anfassen nahe und die Schwalben, die in der Deele nisteten, lieferten eine sehr authentische Begleitmusik zu den Lesungen.

Zunächst war hier ein französischer Schriftsteller des 19. Jahrhunderts wiederzuentdecken. Der Schauspieler Heikko Deutschmann las aus Alphonse Daudets »Briefe aus meiner Mühle«. Für seinen Vortrag hatte er drei Skizzen ausgewählt, die Daudets liebevolle Sicht auf das bäuerliche Leben in der Provence spiegelten. Die sehr lebendige Art und Weise, wie Deutschmann diese Skizzen vortrug, war ein Genuss und überbrückte die 150 Jahre, die zwischen der Erstveröffentlichung und heute lagen, mühelos.

Lesung in katalanischer Sprache

Ein ganz anderes Leben auf dem Lande schildert Maria Barbal in ihrem Roman »Wie ein Stein im Geröll«. Mit diesem Bild beschreibt die Romanheldin Conxa ihr Selbstgefühl als Mitgerissene: Widerstandsunfähig muss sie miterleben, wie die Faschisten ihr den Ehemann und das Zuhause rauben. Barbals Roman zeichnet den arbeitsreichen Alltag in einem Pyrenäendorf in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts nach. Sie habe dieses Buch geschrieben, um mit der Geschichte von Conxa das Schweigen zu durchbrechen, das während der Franco-Diktatur über viele ähnliche Schicksale in Katalonien geherrscht habe, sagte Maria Barbal.

In der Rossmühle las sie aus dem in katalanischer Sprache verfassten Original, während ihre Übersetzerin Heike Nottebaum den deutschen Text vortrug. Das Gespräch, das Helene Grass im Anschluss mit Maria Barbal führte, bestätigte noch einmal das Bild einer sehr engagierten, dabei äußerst bescheidenen Autorin, die mit ihrem Buch ein starkes Plädoyer für die Bedeutung von Heimat und Sprache gehalten hat: »Man kann nicht ohne seine Wurzeln leben. Manchmal bleibt einem nichts übrig, als die Heimat zu verlassen, aber man nimmt immer ein Stück ganz tief im Innern mit, um am neuen Ort zu überleben. Die Sprache ist ein Stück Heimat, ein wesentliches Element, um sich zugehörig zu fühlen«, betonte Barbal.

Schwerelose Glücksmomente

Durch den Auftritt des Lisa-Bassenge-Trios wurde die nachhaltig beeindruckende Literatur-Veranstaltung auch zu einem musikalischen Fest. Lisa Bassenge (Gesang), Kai Brückner (Gitarre) und Andreas Lang (Bass) hüllten Klassiker des American Songbook in ein neues, jazziges Gewand. Das nicht alltägliche Zusammentreffen von historischem landwirtschaftlichen Gebäude und einem Musikstil, der als Unterhaltungsmusik in Clubs groß wurde, war besonders reizvoll. Lisa Bassenges warme Stimme versöhnte die Gegensätze und schuf schwerelose Glücksmomente.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.