Drei Morde in Hille: Bundesgerichtshof weist Revision zurück
Es bleibt bei lebenslang

Hille (WB). Am Dienstag hatte Renate Kleine (65) das lange erwartete Schreiben aus Karlsruhe in ihrem Briefkasten: „Mit Bundesadler, blauem Stempel und den Unterschriften von fünf Richtern. Jetzt kann ich endlich mit dem Tod meines Bruder abschließen.”

Mittwoch, 05.08.2020, 11:43 Uhr aktualisiert: 05.08.2020, 11:46 Uhr
Lachend heben Jörg W. (rechts) und Kevin R. ein Grab für ihre Opfer aus und fotografieren sich dabei. Polizisten fanden die Bilder auf Handys.

Drei arglose Männer waren 2017 und 2018 in Hille hinterrücks ermordet worden – aus Habgier. Das Landgericht Bielefeld verurteilte Jörg W. (53) und seinen Ziehsohn Kevin R. (26) deshalb im vergangenen Jahr zu lebenslanger Haft und stellte bei beiden eine besonders schwere Schuld fest. Damit können die Mörder nicht nach 15 Jahren beantragen, auf Bewährung freizukommen. Dieses Urteil ist jetzt rechtskräftig - der Bundesgerichtshof hat die Revisionen der Verurteilten verworfen. „Meine Mandantin ist froh, dass es nicht zu einem neuen Prozess kommt”, sagt Rechtsanwalt Christian Thüner. Die Verhandlung habe Renate Kleine sehr mitgenommen.

Zehn Monate lange Verhandlung

Zehn Monate hatte das Landgericht Bielefeld gegen die beiden Angeklagten verhandelt, die sich gegenseitig beschuldigten. Gegen Jörg W. verhängten die Richter außerdem die Sicherungsverwahrung, damit er auf unabsehbare Zeit nicht mehr freikommt. „Er würde sonst bei Geldproblemen wieder über Leichen gehen”, sagte der Vorsitzende Richter Dr. Georg Zimmermann zur Urteilsbegründung.

Jörg W., der mit seiner Frau in Hille einen Pferdehof betrieb, war ständig in Geldnot. 2017 sperrte ihm die Volksbank das Girokonto. Über eine Ebay-Anzeige fand er Kontakt zu dem Maurer Fadi Serhan (30) aus Stadthagen. Er bot ihm die Beteiligung an einem Baugeschäft an, das es gar nicht gab. Fadi Serhan zahlte 5000 Euro Einlage, die Jörg W. nutzte, um sein Girokonto auszugleichen.

Als der Maurer im März 2018 nach Hille fuhr, um sich nach seinem Geld zu erkundigen, schlug Jörg W. ihn mit einem Maurerfäustel von hinten bewusstlos. Kevin R. nahm dann einen zweiten Hammer und erschlug das Opfer.

Nach Überzeugung des Gerichts war dieses bereits der dritte Mord. Schon im August 2017 hatte Jörg W. seinen Nachbarn Gerhard Fiestelmann (71) in dessen Haus die Kellertreppe hinuntergestoßen und ihm mit einem Ziegelstein den Kopf eingeschlagen. Dann wurde das Opfer erwürgt. „Es war ein quälend langsamer Tod”, sagte der Richter. „Das Opfer hat noch ein Knochenstück seines zertrümmerten Kiefers eingeatmet.”

Den Toten ließ der Mörder am Fuß der Treppe liegen, und Kevin R. verschraubte die Tür zum Keller. Dann zog er in das Haus des ermordeten Nachbarn ein.

Jörg W. holte sich Rente des Opfers

Wenig später töteten die beiden nach Überzeugung des Gerichts auch Joachim Kleine (64), der als Helfer auf dem Reiterhof lebte. Die Männer hatten ihn zum Grillen eingeladen, ihn dann mit einem Pflasterstein erschlagen und mit einem Messer bearbeitet. Die Leiche wurde in einer Zisterne zwischengelagert. Aus dem Zimmer des Toten stahlen die Mörder 3000 Euro, die Joachim Kleine für ein Motorrad gespart hatte. Außerdem holte Jörg W. fortan die Rente des Opfers von dessen Konto und erzählte im Ort, sein Nachbar sei zu einer Entziehungskur.

Kurz nach diesem Mord hoben die Männer neben dem Reiterhof ein Grab aus, in das sie die beiden älteren Mordopfer übereinanderpackten. Beim Graben fotografierten sie sich. Ihr „stolzes Posieren am Grab” und die Menschenverachtung – die Mörder hatten die Toten in Chats „die Kaputten” genannt – waren nach Worten des Richters mit ausschlaggebend dafür, dass das Gericht eine besonders schwere Schuld sah.

Renate Kleine will jetzt versuchen, das Moped ihres Bruders wiederzubekommen, das Jörg W. verkauft hatte. „Mein Bruder liebte Zweiräder. Es wäre ein schönes Andenken an ihn.”

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