Espelkamper Stadtwerke stellen Energiekonzept für die Gabelhorst und ein Neubaugebiet vor
Das Ziel: Nahwärme und Geothermie

Espelkamp -

Das Pariser Klimaabkommen wurde zwar auf höchster Ebene beschlossen. Es muss nun aber auch auf den untersten Ebenen umgesetzt werden. Klaus Hagemeier, Vorstand der Stadtwerke AöR, hat im Stadtentwicklungsausschuss erläutert, dass Espelkamp im Bereich der Erneuerbaren Energien und im Bereich der Stromerzeugung bereits gute Ergebnisse erziele.

Sonntag, 07.03.2021, 14:09 Uhr aktualisiert: 07.03.2021, 14:14 Uhr
Der Bereich der Gabelhorst soll künftig zu einem großen Teil mit einem Nahwärmenetz versorgt werden.

„Beim Straßenverkehr und bei der Wärmeversorgung sind aber noch erhebliche Dinge notwendig“, erklärte Hagemeier und leitete damit auf die Möglichkeit über, im Bereich der Gabelhorst mit einem Nahwärmenetz deutliche CO2-Einsparungen erzielen zu können. Die Stadtwerke haben dafür ein Gutachten in Auftrag gegeben, das von Hendrik Fedtke vom Büro Energielenker in der Sitzung im Bürgerhaus erläutert wurde.

Klaus Hagemeier

Klaus Hagemeier Foto: Hendrik Schmalhorst

Laut Fedtke standen bei der Betrachtung der Wärmetechnik vor allem die Bauten der 1960-er und 70-er im Fokus. Es gebe aber auch zahlreiche Gebäude aus den 80-er Jahren fügte Hagemeier an. Insgesamt gebe es in dem Quartier 291 Gebäude.

Davon würden 54 Prozent mit Gas beheizt und 41 Prozent mit Öl. „Alleine durch eine klassische Sanierung durch die Privaten und die Aufbaugemeinschaft“ könne der Austausch von CO2 reduziert werden.

Einen besonderen Fokus habe das Energieversorgungskonzept auf das Konzept der Nahwärme gelegt. Dies sei ein flächendeckender Ansatz, so Fedtke, zum Beispiel über die Kraft-Wärme-Kopplung. Auch Biomasse – zum Beispiel mit Holzhackschnitzel – wurde als Energieträger genannt.

In den Häusern werden dann keine einzelnen Heizkessel mehr benötigt. Vielmehr wird die Wärme über kurze Wege in eine Übergabestation gespeist und von dort in die angeschlossenen Häuser geleitet. „Die Übergabestationen würden die alten Kessel ersetzen“, erläuterte Fedtke.

Erstes Szenario

Als erstes Szenario könne die Wärme über die Leitungen in die Stichstraßen verteilt werden, um zunächst die Gebäude der Aufbaugemeinschaft zu versorgen. Im weiteren Verlauf könnten die privaten Gebäude an das klimafreundliche Netz gehen.

Insgesamt habe die Aufbau in der Gabelhorst 17 Gebäude. Zudem gibt es zwei Schulgebäude. Weitere 230 Gebäude könnten an die übergeordnete Wärmeversorgung angeschlossen werden. Bei den anderen Häusern habe es gerade eine Erneuerung bei der Wärmeversorgung gegeben. Insgesamt haben die betroffenen 249 Gebäude einen jährlichen Wärmebedarf von elf Millionen Kilowattstunden (kWh).

Fedtke rechnete vor, dass es durch die Umstellung auf Nahwärme zu einer Reduzierung der Treibhausgase im Quartier Gabelhorst um bis zu 51 Prozent kommen könne. Der Experte riet dazu, auch Photovoltaik auf den Gebäuden der Heizzentrale zu installieren. Er jedenfalls sieht in dem Konzept eine „sehr gute Möglichkeit“, eine nachhaltige Wärmeversorgung aufbauen zu können, ohne das man Gebäude auf links drehen müsse.

Abschlussbereicht

Der Abschlussbericht des Büros soll nun eingereicht werden, um Fördermittel seitens der KfW zu erhalten. Als nächsten Schritt riet Fedtke dem Ausschuss, Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben. Man müsse nun an die Aufbaugemeinschaft und die Bürgerschaft herantreten.

Klaus Hagemeier machte deutlich, dass „ab 2026 der Betrieb von Ölheizungen nicht mehr zugelassen ist. Diese Eigentümer müssen sich mittelfristig über eine neue Versorgung Gedanken machen.“ Und die 70-er und 80-er Jahre-Bauten mit Wärmepumpen zu versorgen sei nicht effizient.

Der Bau einer Heizanlage für die Nahwärme benötige etwa ein Kalenderjahr, sagte Hagemeier. In der zweiten Jahreshälfte 2022 könnten Besitzer von Einfamilienhäusern bereits mit eine Änderung rechnen. Hagemeier betonte: „Gebäudeeigentümer müssen überlegen, wie geht es mit meiner Heizung weiter.“

Paul-Gerhard Seidel (Unabhängige) sagte, dass das Quartier der Gabelhorst für die Nahwärme gute Voraussetzungen biete. Es sei gut, „die Eigentümer möglichst zügig zu informieren und ihnen die Möglichkeiten aufzuzeigen.“

Neubaugebiet

Auch beim Neubaugebiet westlich der Ratzenburger Straße stellte Fedtke ein Energieversorgungskonzept vor. Dort sei aber ein etwas anderer Ansatz gewählt worden, sagte der Experte.

Das Gebiet besitze eine Größe von vier Hektar. Das entspricht etwa 34 Grundstücken. Es gebe dort auch ein Kita. Jährlicher Wärmebedarf: etwa 400.000 Kilowattstunden – „ein deutlich geringerer Wert als in der Gabelhorst“, so Fedtke.

Das erstellte Konzept sieht unter anderem die Möglichkeit der Geothermie vor – das bedeutet, Wärme mit Hilfe von Erdsonden aus dem Abwasser gewinnen. „Von den Leitungen sehen Sie nichts“, erläuterte Fedtke. Die Anlage sei dezentral möglich. Jedes Haus würde ein Wärmepumpe bekommen. Für ein solches Vorgehen benötige die Stadt ein Hydrogeologisches Gutachten, da Erdbohrungen bis zu einer Tiefe von 99 Metern vorgenommen werden könnten.

100 Prozent Anschlussquote

Fedtke sagte, dass bei der Kosten-Nutzenrechnung von einer 100-prozentigen Anschlussquote ausgegangen wurde. Denn unter 50 Prozent Anschlussquote mache es keinen Sinn.

Die Stadt, sagte Klaus Hagemeier, könne sofort einen Förderantrag stellen, um eine Machbarkeitsstudie in Auftrag zu geben. Diese koste 20.000 Euro, von denen 50 Prozent gefördert werden.

Theoretisch könne bereits im Sommer des kommenden Jahres auf dem Gebiet der Hochbau starten. Im letzten Quartal dieses Jahres sei die Vermarktung vorgesehen, so Hagemeier.

Wilfried Windhorst (CDU) hielt die alternative Energieversorgung für „sehr zukunftsfähig“. Jens Bölk sagte, dass man dieses Projekt „baurechtlich und planerisch begleiten muss“. Bürgermeister Henning Vieker bezeichnete es als „spannendes Projekt“. Man müsse sich die Alternativen anschauen und gucken, was letztlich passe.

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