Schneider-Gastronomie macht auf die bedrohliche Lage der Branche im insgesamt siebten Lockdown-Monat aufmerksam
„So langsam wird es eng“

Espelkamp (WB) -

Der Espelkamper Gastronom Johann Schneider hat mit seinem Team vor dem Bürgerhaus auf die prekäre Lage der Branche durch den Corona-Lockdown aufmerksam gemacht. Dafür griff das Team auch zu ungewöhnlichen Mitteln.

Montag, 01.03.2021, 20:05 Uhr aktualisiert: 02.03.2021, 08:34 Uhr

Der Tisch – oder besser die Tafel – ist gedeckt und steht mitten vor dem Bürgerhaus. Die Mitarbeiter des Steak-Houses sind vor Ort – in voller Montur und zum Bedienen der Gäste bereit. Gäste aber gibt es natürlich noch nicht, wegen des Corona-Lockdowns. Und der sehr eindringliche Lärm von herunterfallenden Löffeln in metallene Besteckkästen sorgt zwar nicht für Verweil-Qualität, dafür aber werden die vorbeigehenden Passanten auf die Aktion aufmerksam.

Irgendwann reicht es auch.

Johann Schneider

Die Mitarbeiter der vier gastronomischen Betriebe Schneiderei, Schneiders am Brunnen, Steak-House und Brauhaus haben mit dieser Aktion und dem absichtlichen Löffel-Geschepper auf die dramatische Situation im Gastronomie-Gewerbe aufmerksam gemacht. Weitere Schließungen durch den Lockdown seien nicht zu akzeptieren, „sonst geben wir den Löffel ab“, mahnten die Beteiligten.

Johann Schneider, Chef der Schneider Gastronomie und Catering GmbH, fand deutliche Worte. „Irgendwann reicht es auch. Es ist katastrophal.“ Insgesamt gehe die Gastronomie-Branche nun in den siebten Lockdown-Monat.

Seine Tochter Vivien Schneider, die an die Passanten nicht ohne Hintergedanken Vergissmeinnicht-Blumensamen verteilte, fügte an: „Wir möchten endlich wieder aufmachen.“ Es sei auch möglich, da die Branche gut vorbereitet sei. Es gebe Hygienekonzepte. Zudem hätten die Gastronomen in entsprechende Belüftungsanlagen investiert. „Bei uns wird sieben bis acht Mal in der Stunde die komplette Luft in den Betrieben ausgetauscht“, sagt Johann Schneider. Durch den Lockdown habe sein Betrieb Umsatzeinbußen im siebenstelligen Bereich hinnehmen müssen.

So langsam wird es eng.

Vivien Schneider

Bundesweit hatte die Dehoga – der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband – am Montag zu Aktionen aufgerufen, um vor der nächsten Verhandlungsrunde zwischen Kanzlerin und Ministerpräsidenten auf die bedrohliche Situation in der Branche aufmerksam zu machen.

Für Vivien Schneider sei es auch in Ordnung, wenn die Betriebe erstmal nur im Außenbereich öffnen könnten. Dafür hätten sich viele Betriebe mit entsprechenden Heizstrahlern ausgestattet. Aber es sei dringend notwendig, dass das Personal aus der Kurzarbeit herauskomme. „So langsam wird es eng“, sagte sie. Und Johann Schneider fügte an, dass seinem Personal nicht nur Sonn- und Feiertagszuschläge fehlten, sondern auch das Trinkgeld, mit dem viele seiner derzeit 70 Mitarbeiter planen würden. Vivien Schneider machte deutlich, was sie sich von den Gesprächen beim Corona-Gipfel erwartet: „Wir brauchen eine Strategie.“

Keinen Corona-Fall

Johann Schneider stellte heraus, dass die Gastronomie alles andere als ein Corona-Hotspot sei. Als Beispiel nannte er die Schneiderei, wo „wir jeden Stammgast kennen. Es gab bis zur Schließung dort keinen einzigen Corona-Fall.“ Erst danach sei das „Elend angefangen“. In der Gastronomie würden Abstände eingehalten. Zudem plädierte Johann Schneider für Schnelltests. Er wurde ebenfalls deutlich, was die Nachverfolgung der Gäste anbetrifft. „Dies muss elektronisch geregelt werden.“

Dabei setzen Vivien und Johann Schneider große Hoffnung auf eine App, die vom Kommunalen Rechenzentrum (KRZ) angeboten wird. „In dem Moment, in dem man das Lokal betritt, loggt man sich ein“, so Schneider. Die App erfasse auch die Menschen, die einen begleiten. Im Falle eines positiven Befundes werde dieser direkt an die Gesundheitsbehörde geschickt. Alle Begleiter würden ebenfalls informiert.

Aktion auch in Stemwede

Johann Schneider forderte unmissverständlich Perspektiven für die Branche. Denn: „Für unsere Mitarbeiter ist es katastrophal.“

Auch in der Nachbargemeinde Stemwede hat es ähnliche Aktionen der dortigen Gastronomen gegeben.

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