Waffenbesitz: Espelkamper Ehepaar muss sich vor dem Mindener Schöffengericht verantworten
Großes Waffenarsenal im Schrank

Espelkamp -

Das Schöffengericht Minden hat ein Ehepaar aus Espelkamp verwarnt. Nach einem Ehestreit hat die Polizei bei dem Paar ein russisches Sturmgewehr entdeckt. Damit wurde gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz verstoßen.

Freitag, 08.01.2021, 18:54 Uhr aktualisiert: 08.01.2021, 19:00 Uhr
Vor dem Mindener Schöffengericht musste sich jetzt ein Espelkamper Ehepaar verantworten. Foto: Felix Quebbemann

Wohin mit einer Kalaschnikow, wenn sie einem der Vater überlassen hat? Sicher ist: Nicht einfach aufbewahren. Denn damit begeht man ein Verbrechen.

Dies hat nun ein Espelkamper Ehepaar erfahren müssen, das sich vor dem Schöffengericht Minden verantworten musste. Der Vorwurf der Anklage lautete: Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz.

Bei einer Kalaschnikow oder auch einem AK 47 Sturmgewehr handelt es sich um ein in Russland gebautes und entwickeltes Maschinengewehr. Der Besitz einer solch tödlichen Waffe ist umgehend zu melden. Das Gesetz sieht dies für alle Waffen vor, die nach dem 1. September 1945 hergestellt wurden.

Die Behörden sind auf diese und auf weitere Waffen lediglich per Zufall gestoßen. Am 19. Februar 2020 nämlich hatte das Ehepaar einen handfesten Streit. Die 29-jährige Ehefrau verständigte die Polizei, weil sie sich nicht anders zu helfen wusste. Als die Beamten eintrafen, erklärte sie ihnen, dass sich ihr 33-jähriger Ehemann im Haus aufhalte. Aber die Beamten sollten vorsichtig sein. Denn in dem Haus würden sich auch Waffen befinden.

Die Polizisten konnten den Streit zwischen dem Ehepaar schlichten. Sie staunten jedoch nicht schlecht, als sie den Stahlschrank in einer Ecke des Hauses öffneten. Darin befanden sich neben dem AK 47 mit dazugehörigen gefüllten Munitionsmagazinen eine abgesägte Schrotflinte, ein Luftgewehr und ein Fallmesser. Auch eine Armbrust und eine Schreckschusspistole stellten die Beamten sicher, ebenso wie knapp 200 Schuss Munition.

Wenige Wochen nach dem Fund staunte auch das wieder vereinte Ehepaar nicht schlecht. Denn in ihrem Postkasten lag eine Strafanzeige nebst Gerichtsvorladung, aufgrund des Besitzes der Kalaschnikow.

Beide Angeklagten räumten während der Verhandlung am Freitagmorgen den Vorwurf vollumfänglich ein. Die Anwälte des Paares erklärten, dass der Vater des 33-Jährigen ein Waffennarr gewesen sei. Die Kalaschnikow habe der Vater auf einem Flohmarkt erstanden. Letztlich habe der Vater seinem Sohn die Waffen hinterlassen. „Die Waffen wanderten in den Schrank und wurden nie wieder benutzt“, schlossen die Anwälte.

Die Staatsanwältin wollte wissen, ob Waffen und Munition getrennt aufbewahrt wurden und ob auch Kinder im Haus gewohnt hätten, als die Waffen dort lagerten. Letzteres bejahte die Ehefrau. Die Munition jedoch sei getrennt von den Waffen in einem abschließbaren Fach im Eisenschrank aufbewahrt worden.

Richter Homeier bezeichnete die Waffen als „ein großes Arsenal“. Auf die Frage, was der 33-Jährige mit diesen anfangen wollte, sagten die Anwälte: „Es ging um das Haben wollen.“ Nun aber seien beide Ehepartner froh, die Waffen aus dem Haus zu haben.

Einmal noch wurde die Staatsanwältin deutlich, bevor sie ihr Plädoyer verlas. Als es darum ging, den Verbleib von Armbrust und Schreckschusspistolen zu klären, sagte die 29-jährige Ehefrau: „Die Schreckschusspistole wollen wir gerne für Silvester wieder haben.“ Ungläubig schaute die Staatsanwältin herüber und sagte: „An Silvester muss man nicht in die Luft schießen.“ Alle Parteien einigten sich, dass keine der Waffen zurück in den Espelkamper Haushalt geht.

Die Staatsanwältin sagte, dass sie eine Verurteilung für nicht sachgerecht halte und sprach sich für eine Verwarnung aus. Dieser Forderung folgten die Anwälte der Angeklagten. Ihre Mandanten seien bei der Gerichtsvorladung „aus allen Wolken gefallen“. Aber „Unwissenheit schütze vor Strafe nicht“, so sie Anwälte.

Der Richter sprach am Ende eine Verwarnung für das Ehepaar aus, das bis dato nicht straffällig geworden ist. Eine Geldstrafe von jeweils 3000 Euro wurde zur zweijährigen Bewährung ausgesetzt. Als Bewährungsauflage wurde den Angeklagten eine Zahlung von je 300 Euro an gemeinnützige Institutionen auferlegt.

Der Richter begründete das Urteil damit, dass es sich um einen minderschweren Fall handele.

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