Das Seniorenbüro hat auch im Lockdown immer ein offenes Ohr für die Belange der älteren Bewohner
Sorge trifft auf Zuversicht

Espelkamp -

Eigentlich hatte sich das Espelkamper Seniorenbüro für Januar wieder auf persönliche Gespräche mit den älteren Mitbürgern eingestellt. Der Lockdown aber verhindert dies. Leiterin Katrin Kischkel blickt trotzdem optimistisch nach vorne.

Dienstag, 05.01.2021, 18:32 Uhr aktualisiert: 05.01.2021, 18:40 Uhr
Katrin Kischkel öffnet die Tür zum Büro. Auf der Glastür stehen die geplanten Öffnungszeiten für Januar. Auf dem Tisch stehen die Plexiglas-Wände. Aufgrund des Lockdowns bleibt das Büro aber für persönliche Beratungen erstmal geschlossen. Foto: Felix Quebbemann

Der Plan des Seniorenbüros war im Dezember 2020 noch klar: Im Januar gibt es wieder persönliche Beratungen, Gespräche von Angesicht zu Angesicht. Dies war der Plan. Die Realität aber sieht anders aus. Lockdown, keine persönlichen Kontakte, das Bürgerhaus, in dem das Seniorenbüro untergebracht ist, geschlossen.

Katrin Kischkel, Leiterin des Seniorenbüros, steckt aber den Kopf nicht in den Sand. Ganz im Gegenteil blickt sie mit Optimismus nach vorne und ermutigt alle älteren Espelkamper, sich im Seniorenbüro zu melden.

„Bei uns können Sie sich melden, wenn Sie sich einsam fühlen oder mit jemandem reden möchten.“ Gerade zu Jahresanfang – nach den Feiertagen – habe das Telefon verstärkt geklingelt.

Neben einer Gesprächsmöglichkeit wollten auch viele Anrufer wissen, wo und wie das Impfen geschieht. „Wir geben Auskunft“, macht die Leiterin klar und geht in ihr Büro.

Dort wurden Tischen zusammengeschoben. Darauf steht ein Plexiglas-Schutz – um bei den persönlichen Gesprächen Corona einen Riegel vorzuschieben. Diese Maßnahmen sind nun aber erstmal zweitrangig. Die Zeit vor dem Lockdown habe jedoch gezeigt, wie wichtig Gespräche mit den älteren Mitbürgern sind – auch wenn man durch eine Plexiglasscheibe getrennt ist.

Kontakte aufrecht zu erhalten sei besonders wichtig. Dies gelte in erster Linie für die Senioren, aber auch für die pflegenden Angehörigen, weiß Kischkel. So würden sich auch viele Menschen an das Seniorenbüro wenden, die Ehepartner oder Verwandte zuhause pflegen. Da sei es manchmal schon genug, wenn man nur zuhöre, sagt Kischkel. Die vielen pflegenden Angehörigen würden über die häusliche Situation sprechen wollen. Es sei dabei auch von großer Bedeutung, dass „wir nicht ganz fremd sind“, sagt Kischkel. „Wir sind vor Ort.“ Das Seniorenbüro hat gerade durch die persönlichen Kontakte in der Vergangenheit zu vielen älteren Mitbürgern ein enges Vertrauensverhältnis aufgebaut.

Neben der Möglichkeit, die Einrichtung direkt anzurufen, will das Seniorenbüro eine Idee wieder initiieren, die sich bis vor einigen Jahren großer Beliebtheit erfreut hat – die Telefonkette. Damals war diese noch unter Leitung von Anni Soll. Nun plant das Seniorenbüro, dieses Projekt in etwas anderer Form neu aufzulegen. So kann sich Kischkel mehrere Kettengruppen – zum Beispiel in Fünfer- oder Sechsergruppen – vorstellen. „Die Telefonkette wollen wir auf jeden Fall“, sagt Kischkel.

Sie bedauert, dass die mehrtägige Ausflugsfahrt aufgrund der Pandemie ebenso ausfallen musste, wie zum Beispiel die Tour ins GOP. „Wir haben viel stornieren müssen.“

Auch das Erzählfrühstück im Wohnpark Mittwald kann derzeit nicht ausgerichtet werden. Aber Kischkel freut sich auf den Moment, wenn es wieder losgeht. Gespräche seien für die älteren Menschen besonders wichtig. Viele Senioren bekämen derzeit wenig Input und wenig Besuch und würde dadurch „schneller alt werden“, so Kischkel. „Das macht mich traurig, wenn ich das sehe.“ Die Leiterin weiß auch, je weniger Kontakte die älteren Menschen bekämen, umso depressiver werde die Stimmung bei einigen.

Auf der anderen Seite gebe es auch die älteren Bürger, die sagten: „Wir haben den Krieg überlebt. Das (die Corona-Pandemie, Anm. d. Red.) schaffen wir auch.“

Großen Dank sendet Kischkel an ihre Kursleiter, viele davon sind Ehrenamtliche. Beispielsweise nennt sie die Smartphone-Kurse, die nach dem ersten Lockdown ein großes Interesse bei den Älteren hervorgerufen hätten. „Es ist klasse, wie die Senioren sich darauf einlassen. Es gibt Senioren, die haben das absolut für sich entdeckt.“

Das Gedächtnistraining sei ebenfalls beliebt. Planung und Start für die neuen Kurse in 2021 hängen von der Entwicklung der Pandemie ab. Die Fahrradgruppe des Seniorenbüros habe zudem bis jetzt „super durchgehalten, in dem sie sich in kleine Gruppen aufgeteilt hat.“

Der Seniorenchor der Espelsänger jedoch leide sehr unter dem Lockdown. „Da habe ich Sorge, ob die noch einmal wieder zusammenfinden“, so Kischkel.

Mit Blick auf das vergangene Jahr bedauert Kischkel, dass das Seniorenbüro nicht sein 25-jähriges Jubiläum habe feiern können. Aber sie hofft darauf, „dass wir schon bald wieder über mehr Kontakte verfügen können“ – auch zu den Kursleitern. Die Seniorenbüro-Leitung weiß nur zu gut, was sie an ihren Kursleitern hat. „Das ist schon sehr wichtig. Denn es ist nicht einfach, Menschen zu finden, die Verantwortung übernehmen.“ In irgendeiner Form will sich das Seniorenbüro für das Engagement der Ehrenamtlichen auch bedanken.

Das Büro sei für die Senioren bei allen Fragen und Nöten telefonisch unter Telefon 05772/99539 zur erreichen, betont Kischkel. Sie fügt an: Gespräche würden nicht nur den Senioren sondern auch Kischkel und ihrer Kollegin Iris Eikmeier helfen. „Für uns sind die Kontakte auch wichtig.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7752611?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198399%2F2516048%2F
Der Ruf nach dem Sofort-Lockdown wird lauter
RKI-Präsident Wieler: «Wir müssen jetzt handeln, jetzt auf allen Ebenen».
Nachrichten-Ticker