Vor dem Lockdown: Museum in Benkhausen öffnete seine Türen für Besucher
Leckereien aus dem Automaten

Espelkamp (WB). Wo sind die alten Zeiten geblieben: Geschlossen steht die Fußballmannschaft an einem Automaten. Die Elf und die Ersatzspieler und ihre Trainer fassen sich an den Händen und lassen sich gemeinsam elektrisieren. Der Automat, der einst auf so mancher Kirmes stand, will es so. Der erste in der Runde hält den Knauf für die Herstellung des Kontaktes. Der letzte im Kreis dreht an dem Knauf für die Stromreglung. Wer loslässt, weil es zu sehr kribbelt, hat verloren. Natürlich könnte man dieses Spiel auch alleine spielen und Punkte und Bewertungen sammeln.

Montag, 02.11.2020, 02:00 Uhr
Ingo Rosenbrock, Mitarbeiter des Museums, hat die Automaten erläutert. Führungen für Besucher hat es nicht gegeben. Sie konnten sich mit Hilfe eines Audio-Guides über die vielfältigen Ausstellungsstücke informieren. Foto: Andreas Kokemoor

Matthias Diekmann vom Deutschen Automatenmuseum auf Schloss Benkhausen in Gestringen erklärte den Besuchern beim Tag der offenen Automaten-Tür am Samstag gern einige Details, Hintergründe und Geschichten zu den Ausstellungsstücken. Dabei berichtete er auch über jenes Erlebnis. Der Aktionstag war der vorerst letzte vor dem Lockdown aufgrund der Corona-Situation und der damit verbundenen Schließung des Museums für die nächsten Wochen.

Die Faszination war deswegen kein Deut geringer. Gleich im Eingangsbereich stand ein einarmiger Bandit in Menschengröße. Das Museum erlaubte es den Besuchern, sich dem Cowboy von hinten zu nähern. Ein Blickfang war ebenso die Roboter-Band: eine Tanzorgel, bei der Luft die Roboter spielen ließ. Am Boxomat duellierten sich zwei Blechfiguren. Unter dem Kinn der Puppen steckt jeweils ein Kontakt. Würde es einen Treffer per Knopfdruck geben, würde die Figur hinter Glas fallen.

Wie viel Fantasie Automatenentwickler schon in den 50-er Jahren hatten, zeigte ein Spielgerät, bei dem zwei Babys gegeneinander eine Flasche Milch leer trinken mussten. Allein der Anblick und die Erklärung begeisterten. Anfassen war an diesem Tag nur an ganz wenigen Geräten erlaubt. Stattdessen erlebten die Besucher das Museum bei einer interaktiven Erkundung über das Museumsbook, über das es weitere Erläuterungen gab. Dafür hatte das Museum extra ein modernes Sportwettengerät umgerüstet.

Und dort wo Anfassen möglich war, gab es die Möglichkeiten zur umfangreichen Desinfektion der Ausstellungsstücke und Hände. Zahlreiche Besucher kamen schon in den ersten beiden Stunden.

Sascha Wömpener, Leiter des Museums, erklärte immer wieder und wieder die Geschichte der Gauselmann-Sammlung. Diese erfolgte auf Knopfdruck in einem Video auf einer großen Leinwand. Davor waren Sitzpodeste mit Sicherheitsabstand aufgebaut.

„Wir sind ein Branchenunternehmen“, betonte Ingo Rosenbrock, Mitarbeiter des Museums. Das Automatenmuseum zeigt eine große Bandbreite an Automaten von der Kaiserzeit bis in die Moderne: wie die Schokolade, ein Päckchen Kaugummi oder ein Heißwürstchen aus dem Automaten kommt, die Schuhe nach Einwurf eines Groschens auf Knopfdruck geputzt werden und ganz fix ein Spritzer Kölnisch Wasser oder die Benutzung eines Rasierapparates „gemünzt“ werden können. Automaten versprechen Glück, geben Weissagungen, andere sogar ein „Fahnenfreies Autofahren“.

Ein paar Schritte weiter wird der Besucher in den Schwarzwald entführt. Dort hängt an einer Wand ein Automat, der an eine Kuckucksuhr erinnert. Das Schmuckstück ist ein Symphonion aus dem Jahr 1893. Zweifelsohne ein Vorgänger der modernen Jukebox. Musikboxen, Flipper und Glücks- und Geldgewinnspielautomaten gab es natürlich auch zu sehen. Der Fußball spielte schon immer eine Rolle.

„Neben der Geschichte und den Funktionsweisen angefangen von Lochkartentechnik, über Platinenbauweise bis hin zum digitalen Zeitalter, über die Ästhetik, für die sogar Luigi Colani ein Gehäuse für einen Geldspieler designte, neben all den Ideen, die in den Geräten stecken, sind es für die Mitarbeiter des Museums insbesondere auch die Restaurierungen, die den Tag der offenen Automaten-Tür zu dem machen, was er ist, eine Gelegenheit, einmal hinter die Kulissen zu schauen“, erklärte Matthias Diekmann. Das Museum habe noch 1800 Ausstellungsstücke auf Lager. Diese würden regelmäßig mit den gezeigten Automaten getauscht. Bereits zum sechsten Mal richtete das Deutsche Automatenmuseum auf Schloss Benkhausen den Tag der offenen Automaten-Tür aus. Er hofft, dass es nach dem kleinen Lockdown noch in diesem Jahr wieder regulär öffnen kann.

Die Sonderausstellung „Die wilden 70-er“ hat das Museum bereits jetzt bis Ende Juni des kommenden Jahres verlängert.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7658849?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198399%2F2516048%2F
Kurz vor dem Kontrollverlust
Mit Megafonen wiesen Ordnungsamtsmitarbeiter die Schnäppchenjäger darauf hin, dass die Hygiene- und Abstandsregeln einzuhalten sind.
Nachrichten-Ticker