Ratssitzung: Bürgermeister Heinrich Vieker und Ratsmitglieder verabschiedet
„Du warst gut für Espelkamp“

Espelkamp (WB). Eine solche Ratssitzung wie am Mittwochnachmittag hat es lange nicht mehr in Espelkamp gegeben. Nach dem nicht-öffentlichen Teil war erneut eine öffentliche Sitzung im Bürgerhaus angesetzt. Und darin wurde Bürgermeister Heinrich Vieker von allen Ratspolitikern verabschiedet (wir berichteten).

Donnerstag, 08.10.2020, 18:00 Uhr
Viele Ratsmitglieder verlassen mit Ablauf der Legislaturperiode am 31. Oktober den Espelkamper Rat. Bürgermeister Heinrich Vieker hat sie gewürdigt. Auch Bürgermeister Heinrich Vieker wurde am Mittwochabend als Bürgermeister nach 21 Jahren in den Ruhestand verabschiedet. Foto: Felix Quebbemann

Zuvor aber hatte der noch amtierende Bürgermeister unter anderem zahlreiche Ratsmitglieder aus dem höchsten Gremium der Stadt verabschiedet. Er konnte im Bürgerhaus auch verkünden, dass Christel Senckel (CDU) und Gisela Vorwerg (FDP) für ihre langjährigen und besonderen kommunalen Verdienste die Espelkamp-Medaille erhalten.

Seit 1999 dabei

Während Heinrich Vieker diese hohe Auszeichnung Christel Senckel persönlich überreichen konnte, wird er in den kommenden Tagen Gisela Vorwerg besuchen. Sie erholt sich derzeit von den Folgen eines Sturzes.

Senckel und Vorwerg gehören seit 1999 dem Rat der Stadt an. Vieker würdigte, dass Christel Senckel als seine Stellvertreterin „immer charmant und bestens vorbereitet“ gewesen sei. Sie sei auch im Kreistag aktiv gewesen und habe den Geschichtskreis mit aus der Taufe gehoben. „Ich bin sehr dankbar für den langen gemeinsamen Weg.“

Christel Senckel sagte in ihrer Dankesrede, dass sie die Aufgaben der stellvertretenden Bürgermeisterin vor 20 Jahren sehr gerne übernommen habe. Sie richtete ihren Dank an die Ortsvorsteher und einen besonderen Dank an die Kleintierzüchter, deren tolle Gemeinschaft sie lobte. „Ich war Neuling und sie (die Züchter, Anm. d. Red.) haben mich unter ihre Fittiche genommen.“

Vieker stellte im Anschluss die Verdienst von Gisela Vorwerg in der Kommunalpolitik heraus. Sie sei „das Gesicht der FDP“ in Espelkamp über viele Jahre gewesen und seit 2014 ebenfalls stellvertretende Bürgermeisterin. Sie habe sich immer ehrenamtlich eingebracht, besonders als langjährige Vorsitzende des Waldfreibadvereins. Er werde ihr während seines Besuchs die Medaille und Blumen überreichen.

Langjährige Wegbegleiter

Eine letzte Würdigung konnte Vieker im Anschluss vornehmen. Denn er verabschiedete die Ratsmitglieder, die mit Ablauf der Legislaturperiode am 31. Oktober aus dem höchsten Gremium der Stadt ausscheiden. Neben Senckel und Vorwerg rief Vieker 13 weitere Namen auf (siehe Kasten).

Nachdem Vieker diese Würdigungen ausgesprochen hatte und die offiziellen Tagesordnungspunkte der Sitzung abgearbeitet waren, wurde der 65-Jährige selbst aus dem Bürgermeisteramt verabschiedet.

Von langjährigen Wegbegleitern wie Wilfried Windhorst (CDU), Reinhard Bösch (SPD), Andreas Sültrup (Grüne) und Paul-Gerhard Seidel (Unabhängige) erhielt Vieker für seine 21-jährige Amtszeit viel Lob – aber nicht ausschließlich.

Windhorst bezeichnete Vieker als einen Bürgermeister zum Anfassen. Er habe mit dem Herbeiführen von „zielgerichteten politischen Entscheidungen und mit seiner Zuverlässigkeit“ auch bei den Unternehmern positive Entscheidungen zugunsten Espelkamps hervorgerufen. Windhorst sagte über Heinrich Vieker, dass er ein Visionär sei, der Dinge am liebsten einfach durchgezogen hätte, ohne den langwierigen Weg durch die politischen Gremien zu nehmen. „Auch wir bekamen das als CDU zu spüren“, sagte Windhorst mit einem verschmitzten Lächeln und stellte am Ende zu Heinrich Vieker gewandt fest. „Du warst gut für Espelkamp.“

„Motor des Altkreises“

Reinhard Bösch sagte, dass Espelkamp unter Heinrich Vieker eine Einheit geworden sei. Die Stadt sei „der Motor des Altkreises wenn nicht sogar des gesamten Kreises.“ Vieker habe es geschafft, die unterschiedlichen Fraktionen bei vielen Entscheidungen zusammenzuholen. Bösch sprach jedoch auch Vorhaben an, die Vieker nicht umsetzen konnte. So zum Beispiel die Auflösung der Grundschule Isenstedt. Der Bürgerentscheid und der letztendliche Bestand der Schule seien „gut so und dies ist Schnee von gestern“, so Bösch.

Sültrup singt

Paul-Gerhard Seidel lobte, dass Vieker unterschiedliche Argumentationen in politischen Diskussionen nie zu persönlichen Auseinandersetzungen gemacht habe. Schmunzelnd sagte Seidel, dass Viekers Name ja auf der Tür des Bürgermeister-Büros bleiben werde (Nachfolger von Heinrich Vieker wird sein Sohn Henning, Anm. d. Red.) und zitierte frei nach Marianne Rosenberg: „Dein Name bleibt an der Tür.“

Noch einen Schritt weiter ging Andreas Sültrup, der Heinrich Vieker eine Ständchen von Vicky Leandros zum Abschied sang, in Anspielung an die jährlichen Weihnachtsständchen in der letzten Ratssitzung vor dem Fest. Sültrup bezeichnete Vieker als „bodenständig und nie abgehoben“. Im Laufe der Zeit sei Vieker immer souveräner geworden. Und Sültrup erinnerte an Viekers Haltung in der Flüchtlingskrise 2015/16. „Du warst immer mitfühlend.“

Das Lebenselixier

Zum Schluss bedankte sich Heinrich Vieker bei allen Ratsmitgliedern. „Ich habe weit über 100 Ratssitzungen in zwei Jahrzehnten geleitet.“ Die allermeisten seien harmonisch gewesen. „Es gab aber auch Zoff, weil wir die Zukunft dieser Stadt gestalten wollten.“ Letztlich habe jeder die bestmögliche Gestaltung des Gemeinwesens im Auge gehabt. „Das ist das Lebenselixier einer Demokratie.“ Die Stadt stehe so gut dar, wie noch nie. „Dieser Rat hat ein Fundament gelegt, auf dem sich getrost weiter arbeiten lässt“, sagte Vieker. Er habe die Zeit genossen. „Sie hat mich bereichert.“ Und er betonte die Bedeutung seiner Verwaltungsmitarbeiter: „Einer alleine kann nichts bewegen.“

Vieker sei in den mehr als 21 Jahren immer gerne zur Arbeit ins Rathaus gefahren. „All das wird mir schon fehlen. Ich freue mich aber auf meinen Ruhestand. Ich weiß Espelkamp in guten Händen“, sagte der 65-Jährige.

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