Verwaltung zieht Bilanz zur Entwicklung des Eichenprozessionsspinners im Stadtgebiet
2021 wird es noch schlimmer

Espelkamp (WB). Wer in diesem Sommer einen Spaziergang unternommen hat, könnte auch in Espelkamp dem Warnschild mit dem Schriftzug „Eichenprozessionsspinner“ begegnet sein.

Freitag, 02.10.2020, 18:00 Uhr
Der Eichenprozessionsspinner ist auch im Winter eine Gefahr. Auch in der kalten Jahreszeit können die gefährlichen Haare der Raupe eingeatmet werden. Foto: N. Koch

Daniela Niederdeppe vom Bereich Stadtplanung in der Verwaltung, hat während der vergangenen Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses im Bürgerhaus über das „nicht so schöne Insekt, das uns leider auch gefunden hat,“ informiert. „Mit den warmen Sommern ist es auch zu uns gekommen“, sagte sie. 2019 sei das Insekt das erste Mal bei seiner Wanderungsbewegung in Espelkamp entdeckt worden.

Harmloser Eindruck

Das Insekt macht auf den ersten Blick einen recht harmlosen Eindruck. „Das kritische Stadium ist das der Raupe“, betonte Niederdeppe. Denn die Raupe trägt die kleinen Brennhaare, die für allergische Reaktionen sorgen können.

Nach der Verpuppung steht schließlich die Entwicklung zum Falter. In dieser Phase ziehe er etwa zehn Kilometer weiter, so Niederdeppe, die eine Karte präsentierte. Darauf war das Vorkommen des Prozessionsspinners in Espelkamp zu erkennen. Die Karte machte „die Verbreitung über fast das gesamte Stadtgebiet“ deutlich, sagte die Expertin.

Der Falter sucht sich für seinen Nachwuchs gerne heimische Eichenbäume aus. Obwohl die Schäden durch den Raupenfraß an den Bäumen gewaltig aussähen, „kommen die Eichen damit gut zurecht. Sie können sich davon regenerieren.“ Allerdings schränkte Niederdeppe diese Einschätzung etwas ein. „Mehrere Jahre Trockenheit können jedoch auch für die Eiche problematisch werden.“

Viel größere Auswirkungen habe die Raupe jedoch für Mensch und Tier – und dafür sind die Haare verantwortlich, die durch die Luft übertragen werden. Sie können Ausschlag und Reizungen der Haut und der Schleimhäute auslösen. „Das kann bis zum allergischen Schock führen“, warnte Niederdeppe. Das Einatmen der kleinen Härchen führe zu Problemen der Atemwege.

Die Espelkamper Verwaltungsexpertin sagte, dass abgestimmte Maßnahmen dringend erforderlich seien. Seit April dieses Jahres liege auch ein entsprechender Leitfaden vor.

Die Nester des Eichenprozessionsspinners bestehen aus hunderten Raupen. Sie sind zu erkennen an der Außenrinde des Baumes. Niederdeppe erklärte, dass es trotz der Gefahr durch das Insekt keine Meldepflicht gebe. „Für die Beseitigung ist zudem der Eigentümer zuständig“. Im städtischen Raum falle diese Aufgabe dem Ordnungsamt zu.

Kategorie 1

Für unterschiedliche Stellen seien auch unterschiedliche Maßnahmen erforderlich. Als Kategorie 1 bezeichnete Niederdeppe Orte wie öffentliche Grünanlagen, Schulen, Friedhöfe und Kitas. Dort sei die gängige Maßnahme „informieren, warnen und beseitigen“. Bei der Kategorie 3 beispielsweise, wozu weniger frequentierte Bereiche gehörten, reiche das Informieren.

„Die erste Meldung des Eichenprozessionsspinners war am Auesee Ende April. Dort wurden auch Warnschilder aufgestellt.“ Insgesamt habe es in diesem Jahr 14 konkrete Meldungen gegeben – sowohl auf privaten Grundstücken als auch an Straßenbäumen. Eine Meldung auf dem Waldfriedhof habe es ebenfalls gegeben – Mitte Mai.

Task-Force

„An der Grundschule Benkhausen ist zwar eine Raupe gefunden worden, aber kein Nest. Der Bereich wurde aber abgesperrt“, sagte Niederdeppe. Die Kosten für die Beseitigung – die Raupen werden entweder abgesaugt oder verklebt – betrugen in diesem Jahr 900,99 Euro. Und Niederdeppe warnte bereits vor 2021. Da sei „mit vermehrten Vorkommnissen und Meldungen zu rechnen.“ Die Expertin wünschte sich eine zentrale Anlaufstelle für das Problem, weil es viele verschiedene Eigentumsverhältnisse gebe.

Auch August-Wilhelm Schmale (CDU) wünschte sich eine solche zentrale Anlaufstelle. Er bezeichnete die Situation als „sehr problematisch“, da sich die Haare des Prozessionsspinners auch im Heu, dem Futter zum Beispiel für Pferde, wiederfinden würden.

Bürgermeister Heinrich Vieker brachte die Idee einer Task-Force auf Kreisebene ins Spiel. Er warnte eindringlich vor der Ausbreitung des Eichenprozessionsspinners: „Wir müssen im nächsten Jahr mit einem wesentlich größeren Umfang rechnen.“

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