Digitale Infrastruktur: IHK-Sommerbereisung macht Station beim Unternehmen Naue
„Wir müssen Gas geben“

Espelkamp (WB). „Wir müssen in allen Bereichen Gas geben. Und das muss auch in den Rathäusern klar sein.“ Eckhard Rüter, Delegationsleiter der IHK-Vollversammlung, sprach während der Sommerbereisung durch die Industrie- und Handelskammer (IHK) deutliche Worte. Zuvor verfolgte er neben zahlreichen Gästen – unter ihnen auch SPD-Landratskandidat Ingo Ellerkamp und Bundestagspolitiker Frank Schäffler (FDP) – die Ausführungen dreier Experten in den Räumen der Firma Naue in Fiestel.

Dienstag, 04.08.2020, 18:05 Uhr aktualisiert: 04.08.2020, 18:10 Uhr
Alexander Naue (rechts, Geschäftsführer des gleichnamigen Fiesteler Unternehmens) hat den Gästen der IHK-Sommerbereisung unter Leitung von Eckhard Rüter (vorne Mitte) das Unternehmen vorgestellt. Im Anschluss daran hat vor allem das Thema Digitale Infrastruktur im Mittelpunkt gestanden. Foto: Felix Quebbemann

Zentrale Thema

Zentrales Thema am Morgen war die Ausstattung mit schnellem Internet in Ostwestfalen. Alexander Naue, Geschäftsführer des Unternehmens, stellte nach einer kurzen Begrüßung zunächst das Unternehmen vor. Die Firma produziert vor allem Vliesstoffe, die unter anderem Bodenerosion nach Erdarbeiten verhindern sollen.

Dabei ist Naue ein Global Player und Marktführer in seiner Sparte. „Wir haben 500 Mitarbeiter und unsere Exportquote beträgt etwa 60 Prozent.“ Alexander Naue betonte die Nachhaltigkeit der Naue-Produkte. Ja, es handele sich um Kunststoffe. „Ich sage aber immer: ‚Es sind die guten Kunststoffe‘“, sagte Naue.

Zum Teil könnten die Naue-Produkte bis zu 800 Jahre eingesetzt werden und über diesen Zeitraum für Stabilität im Erdreich sorgen. Dies schaffe kein Beton, so Naue. Die Produkte kämen dort zum Einsatz, wo Erde bewegt wird.

Die Corona-Krise habe dem Fiesteler Unternehmen bis jetzt lediglich einen Absatzrückgang von 10 bis 15 Prozent eingebracht. Dies sei noch zu verkraften, betonte Naue. Während in Europa, dem Hauptgeschäftsfeld des Unternehmens, die Auftragslage gut sei, würden die Umsatzeinbußen in Südamerika und Afrika sowie Asien doch größer ausfallen.

Glasfaser

Im Anschluss an Naue übernahm Uwe Krabbe, Geschäftsführer von Greenfiber (ehemals Internexio), das Mikrofon. Er erläuterte, dass der Ausbau im Kreis Minden-Lübbecke mit den Glasfaserkabeln schneller voranschreite als vorgesehen. „In Espelkamp sind wir zu 80 Prozent fertig, in Stemwede komplett.“ In Lübbecke würden die Arbeiten schon bald beginnen.

Genehmigungs-Ärger

Kritisch betrachtete Krabbe bei seinen Ausführungen die bürokratischen Hürden, um zum Beispiel das Glasfaser unter Zugtrassen durchzulegen. „Die Genehmigungen dauern bei der Bahn ein Dreivierteljahr“, sagte Krabbe. Immerhin habe Greenfiber nun von der Deutschen Bahn das Okay für die Querung des Gestringer Bahnübergangs erhalten.

Während der Antrag bei der Bahn neun Monate daure, nehme die bauliche Ausführung gerade einmal zwei Stunden in Anspruch. „Der Prozess bei der Deutschen Bahn ist sehr kompliziert“, so Krabbe. Viel Lob gab es von ihm hingegen für Straßen-NRW. Dort würden die Anfragen nun innerhalb von zwei Wochen bearbeitet und genehmigt.

Der Greenfiber-Geschäftsführer erklärte zudem, dass die ausführenden Bauarbeiter sehr strukturiert arbeiteten. Morgens würden sie die Schächte ausheben. „Abends ist alles wieder zu und man sieht nicht, dass die Kollegen da waren.“ Mehr als 17.000 Haushalte im Mühlenkreis würden an das schnelle Netz angeschlossen.

Mittlerweile sieht Krabbe es als realistisch an, im ersten Quartal 2023 fertig zu sein. Im Mühlenkreis werde das „schnellste Netz in Europa errichtet“ – vergleichbar sei es mit den Netzen in Shanghai und Singapur. Die maximale Datenmenge betrage 10 Gigabit pro Sekunde.

Glücklich zeigte sich Krabbe darüber, dass es in seinem Team bislang noch keinen Corona-Fall gegeben habe. Die „Endkunden-Arbeit“, wie Krabbe es ausdrückte, sei zwar in der Corona-Hochzeit weitgehend eingestellt worden. Die Bauarbeiten aber seien ungebremst weiter gegangen, wenn auch mit verkleinertem Team.

Mobilfunknetz

Robin Wulf, Kommunalbeauftragter von Telekom-Mobilfunk, widmete sich im dritten Vortrag dem Mobilfunk-Netz und sagte, dass ein 5-G-Netz Standard werden müsse. „Seit 2008 wurde eine 260-fache Steigerung des Datenvolumens ermittelt. Die Netze müssen aufgerüstet werden“, so Wulf. Das Ziel der Telekom sei es, Ende des Jahres für 40 Millionen Deutsche permanent ein 5-G-Netz in Deutschland anbieten zu können. Bis 2025 sollen gar 99 Prozent des Landes abgedeckt sein.

Am Ende des IHK-Besuchs betonte Rüter, wenn es um die Infrastruktur gehe, betreffe dies nicht mehr nur schwerpunktmäßig Straßen oder Gebäude. „Es gibt heutzutage die digitale Infrastruktur.“ Dort sieht er Deutschland noch im Hintertreffen. Wenn man in Rumänien die Bankkarte auf das Lesegerät lege, „warten Sie keine 10 oder 15 Sekunden.“ Dort werde die Karte umgehend eingelesen, was bedeutet, dass sie dort mit der digitalen Infrastruktur deutlich weiter seien.

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