Ausgangspunkt Max Ilgner und Wilhelm Kern – Rolle während der Nazizeit wird untersucht
Straßen-Namensgeber auf dem Prüfstand

Espelkamp (WB). Einige Straßen und Plätze in Espelkamp sind nach prominenten Bürgern benannt. Dazu gehören der erste Bürgermeister der Stadt, Wilhelm Kern, und Max Ilgner. Mit zwei Bürgeranträgen hinsichtlich der Nazi-Vergangenheit der beiden Männer hat sich der Hauptausschuss am Mittwoch befasst. Fazit: Die Stadt will das Thema grundlegend angehen und nicht nur die beiden Einzelfälle behandeln.

Freitag, 19.06.2020, 10:00 Uhr
Zwei Bürgeranträge haben die Auseinandersetzung mit der Nazi-Vergangenheit von Personen angeregt, denen In Espelkamp Straßen gewidmet wurden. Dazu zählen unter anderem Max Illgner und der erste Bürgermeister der Stadt, Wilhelm Kern. Ein Antragsteller regte an, die Gedenktafel am Rathaus um entsprechende Informationen zu ergänzen. Foto: Arndt Hoppe

Bürgermeister Heinrich Vieker machte deutlich: „Wir möchten eine generelle Aufarbeitung der Namensgebung der Straßen und Plätze im Stadtgebiet. Und das bezieht sich nicht nur auf Namen von Personen, sondern auch auf Ortsbezeichnungen. Ich denke da etwa an das Beispiel der Ostlandstraße.“ Vieker wehrte sich jedoch gegen den Vorwurf, dass die Stadt das Thema auf die Lange Bank schiebe. So sei der Ausbruch der Corona-Pandemie dazwischen gekommen, nachdem Gerhard Pollheide im Februar den Antrag gestellt hatte, die  Dr.-Max-Ilgner-Straße umzubenennen. Ilgner sei ein verurteilter Nazi-Verbrecher und dürfe nicht auf diese Weise gewürdigt werden, schrieb Pollheide seinerzeit in seinem Bürgerantrag. Im Juni hatte der geschichtsinteressierte Bünder Johannes Lübeck angeregt, die  Gedenktafel für Wilhelm Kern am Espelkamper Rathaus um Informationen zu dessen Rolle in der Nazi-Zeit zu ergänzen.

Geschichtskreis einbeziehen

Fachbereichsleiter Matthias Tegeler bekräftigte: „Wir befürworten, das Thema im Ganzen anzugehen, nicht nur diese beiden Fälle. Wir halten es für sinnvoll, den Geschichtskreis dort einzubeziehen – wohl wissend, dass es eine Aufgabe mit einem großen Umfang ist.“ Tegeler betonte, dass es wahrscheinlich sinnvoll sei, dass der Geschichtskreis zusätzliche wissenschaftliche Beratung in Anspruch nehme. „Das ist ein großes Thema, das wir in Angriff nehmen sollten.“

Christel Senckel (CDU) wies darauf hin, dass sich der Geschichtskreis seit Ausbruch der Pandemie noch nicht wieder getroffen habe, weil die Teilnehmer zur Risikogruppe zählten. „Aber sie haben schon grundsätzlich ihre Bereitschaft signalisiert“, sagte Senckel. Der Kreis hoffe, sich eventuell in sechs bis acht Wochen wieder treffen zu können.

Johannes-Rau-Platz?

Hartmut Stickan sagte, es gehe um ein „ganzes Kapitel der Geschichte Espelkamps“, um Personen, deren Vorgeschichte nicht im Detail bekannt sei. „Die Anregungen von Johannes Lübeck sind hochinteressant“, sagte er und erklärte, die SPD unterstütze die Idee, das gesamte Thema anzugehen. Stickan merkte außerdem an, dass der Vorschlag Gerhard Pollheides, Otto Schindler zu würdigen, wenig mit Espelkamp zu tun habe. „Mir fehlt immer noch ein Johannes-Rau-Platz“, sagte er.

Bürgermeister Vieker sagte, dass in jedem Fall auch die Anlieger einbezogen werden sollten. „Unter Umständen sind ja auch nicht unerhebliche Kosten damit verbunden.“

Ergebnisoffen

Paul-Gerhard Seidel (Unabhängige) sagte, für ihn stehe durchaus nicht fest, dass in jedem Fall eine Umbenennung herauskommen müsse: „Da sollten wir völlig ergebnisoffen rangehen.“ Florian Craig (Grüne) betonte die Wichtigkeit auswärtiger Expertise für die Beurteilung. Auf Craigs Frage nach einer „Zeitschiene“ antwortete Heinrich Vieker, dass es schwierig sei, Zeitvorgaben zu machen: „Manchmal geht Gründlichkeit vor Schnelligkeit.“

Der Ausschuss schloss sich schließlich dem Vorschlag der Verwaltung an, die Namensgebungen der Straßen und Plätze im Stadtgebiet im Hinblick auf die Rolle der Namensgeber in der Zeit des Nationalsozialismus zu überprüfen und Empfehlungen zu geben, wie mit den Namensgebungen umgegangen werden soll. In die Prüfung sollen die Anregungen aus den Bürgeranträgen einbezogen werden. Sollte der Geschichtskreis externe wissenschaftliche Beratung hinzuziehen, werden die Kosten dafür nach Abstimmung mit der Stadtverwaltung von der Stadt übernommen.

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