Auewaldschulleiterin Jaqueline Lauf spricht über Unterricht in der Corona-Zeit
„Viele Rädchen sind zu drehen“

Espelkamp (WB). Schulunterricht trotz Schulschließungen während der Corona-Pandemie – das klingt schon durchaus schwierig. Jaqueline Lauf, Leiterin der Auewaldgrundschule hat im vergangenen Schulausschuss den Politikern einen Eindruck vermittelt, wie es denn tatsächlich ausgesehen hat – dies stellvertretend für alle Grundschulen in städtischer Trägerschaft.

Mittwoch, 10.06.2020, 21:00 Uhr
Schüler mit Mund-Nase-Maske in der Schule. Der Start des Unterrichts nach der Corona-Pause ist für viele Bildungseinrichtungen nicht einfach gewesen. Jaqueline Lauf, Leiterin der Grundschule am Auewald, hat eine Bilanz gezogen. Foto: dpa

Sie machte gleich zu Anfang deutlich. „Die Zeit war für uns nicht so einfach.“ Drei Wochen vor den Osterferien hätten die Schulen die Schließung verordnet bekommen. Es hätten jedoch ausreichend Lernaufgaben und Lernpakete zur Verfügung gestanden. Dies sei alles noch recht unproblematisch verlaufen, auch „wenn mal vergessen wurde, die Aufgaben abzuholen.“

Hilfsangebote

Auf der Homepage der Schule wurden Hilfsangebote veröffentlicht, „auch für Bewegung und sportliche Betätigung“, erklärte Lauf. Darüber hinaus sei eine Notbetreuung installiert worden.

Die Lernkräfte seien nicht die ganze Zeit zuhause gewesen, betonte die Leiterin. Es seien Minimalpläne für den Unterricht entwickelt worden. „Wir haben Elterntelefonsprechtage organisiert.“ Der Kontakt mit den Kindern sei ebenfalls gehalten worden. „Die Klassenlehrer haben das sehr ernst genommen und versucht, den Kontakt untereinander zu halten.“

Videokonferenzen mit dem Kollegium und mit Schülern und Eltern seien durch die Corona-Krise zum Standard geworden. Leider sei dies aber noch nicht bei allen Beteiligten möglich, weil es entweder nicht überall die notwendigen Endgeräte gebe. Andererseits fehle bei einigen der digitale Zugang.

Nervenspiel

„Der Schulstart am 7. Mai mit den vierten Klassen hat uns ziemliche Nerven gekostet“, gab Lauf während der Sitzung im Gesellschaftsraum des Bürgerhauses zu. So mussten die Hygienepläne „etliche Mal umgeworfen werden. Wir sind sehr genau mit den Standards umgegangen“, betonte Lauf. Pro Klasse seien zwei Unterrichtsräume vorgehalten worden. „Die Pausen mussten genau organisiert werden. Es durften nicht alle zur gleichen Zeit Pause machen“, sagte die Leiterin.

Kritisch beurteilte sie die Informationspolitik der zuständigen Landes- und Bundesministerin. „Die kamen nicht immer rechtzeitig.“ Nachdem die vierten Klassen erfolgreich wieder den Unterricht aufgenommen hatten, kamen die dritten, zweiten und letztlich die ersten Klassen hinzu. „Viele kleine Rädchen sind zu drehen, damit das große Schiff Schule in Bewegung bleiben kann“, sagte Jaqueline Lauf.

Ein Klacks

Bis zu den Sommerferien habe jeder Schüler etwa fünf bis sieben Mal Unterricht an der Schule gehabt. „Das ist erschreckend wenig und wirklich nur ein Klacks“, analysierte Lauf die Entwicklung aufgrund der Corona-Krise. Ein weiteres Problem werde auch die Ausstellung der Zeugnisse. Wie solle man dafür eine Text verfassen und wie sollen die Schüler zensiert werden? All diese Fragen müssten in der Lehrerschaft besprochen werden. Dennoch zeigte sich Lauf zuversichtlich: „Ich glaube sagen zu können, dass wir die Sache gut gemeistert haben.“ Zum Umfang des Unterrichts betonte sie, hätte sie sich noch viel mehr Stunden für die Kinder gewünscht. Ein Lob für die Zusammenarbeit und Kooperation sprach die Schulleiterin an den Träger, die Stadt Espelkamp, aus.

Schulausschuss-Leiter Dr. Oliver Vogt, dankte Lauf im Anschluss für die gemachten Ausführungen und gab schon einmal die Richtung für die Zeit des Unterrichts nach der Corona-Krise vor. „Wir müssen deutlich mehr Tempo bei der Digitalisierung hinbekommen.“ Er betonte, dass es ganz dringend einer Konzeption für digitale Lerninhalte und deren Implementierung in den Unterricht bedarf.

Normalbetrieb

Schulamtsleiter Andreas Bredenkötter fügte an, dass in einer Telefonkonferenz mit dem zuständigen Landes-Ministerium bekannt gegeben worden sei, dass es einen eingeschränkten Normalbetrieb an den Schulen ab dem 15. Juni geben solle. „Der Start in das Schuljahr 2020/21 am 12. August soll so normal wie möglich sein“, informierte Bredenkötter weiter aus dem Gespräch. Diese Normalität sei das ausgegebene Ziel des Landes und bedeute im Umkehrschluss, dass die Abstandsregel in den Schulen falle.

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