Adient bereitet die Schließung des Werkes vor – Pläne für das Grundstück
Eine andere Nutzung ist denkbar

Espelkamp (WB). Erfolgreich hat die Stadt Espelkamp in den vergangenen Jahre ein sehr reizvolles Gelände vermarktet. Entlang der Beuthener Straße, auf dem ehemaligen Krause-Gelände, haben unter anderem die Firmen Wepp und Meyer-Wagenfeld ein neues Zuhause gefunden. Darüber hinaus wird dort auch der Wittekindshof eine neue Werkstatt errichten (wir berichteten).

Montag, 08.06.2020, 21:00 Uhr
Der Automobilzulieferer Adient wird noch bis Ende des Jahres am Standort Espelkamp ansässig sein. Danach schließt das Werk. Was aus dem Grundstück wird, ist noch nicht sicher. Es gibt aber Pläne, die eine andere Nutzung vorsehen. Foto: Felix Quebbemann (Archiv)

Schon bald wird die Stadt aber vermutlich ein weiteres Grundstück zur Verfügung haben, das großes Interesse bei so manchem Investor wecken dürfte. Es handelt sich um das Grundstück der Firma Adient, die in diesem Jahr noch die Produktion in der jungen Stadt im Grünen einstellen wird.

Ursprünglicher Plan

Dies bestätigte noch einmal die Pressesprecherin des international tätigen Unternehmens, Claudia Steinhoff. Die Produktion laufe im Sommer aus, sagte sie auf Anfrage dieser Zeitung. „Das war auch ursprünglich so geplant.“ Nach dem Auslaufen der Produktion würden noch die Anlagen abgebaut. „Zum Ende des Jahres wird das Werk geschlossen“, sagte Steinhoff.

Danach steht natürlich die Frage im Raum: Was geschieht mit dem Grundstück, das eine Fläche von 108.000 Quadratmeter besitzt? Steinhoff erklärte, dass das Unternehmen Adient Anlagen und Gebäude veräußern möchte. Dafür werden auch Gespräche mit Interessenten geführt.

Zurückhaltung

Was aber geschieht mit dem Grundstück? Thorsten Blauert, Fachbereichsleiter Stadtentwicklung, hat dieses Thema vor einigen Wochen kurz im Stadtentwicklungsausschuss angeschnitten. Auf Nachfrage dieser Zeitung erläuterte er, dass es sich bei der Thematik um Grundstücks-Angelegenheiten handele. Daher könne er sich zum Stand der Planungen nur sehr zurückhaltend äußern. „Es gibt aber Überlegungen, wie wir mit der Fläche verfahren. Die Entwicklung hat uns nicht kalt erwischt“, erläuterte Blauert. Alles weitere müsse sich im Verlauf des Jahres zeigen.

Er ließ aber durchblicken, dass nach Adient nicht unbedingt wieder ein industriell tätiger Gewerbezweig die Fläche besetzen müsse. „Wir können uns auch eine andere Nutzung vorstellen – weg vom industriellen“, sagte Blauert. Schließlich habe man in der Vergangenheit an anderer Stelle mit einer innenstadtnahen industriellen Nutzung einer Fläche nicht nur positive Erfahrungen gemacht – unter anderem im Hinblick auf immissionsrechtliche Fragen. Blauert nannte in diesem Zusammenhang den Lärmschutzwall, der im Norden das Harting-Logistik-Zentrum von einer Wohnbebauung trennt.

Bei dem Adient-Grundstück handele es sich jedenfalls um eine „attraktive innerstädtische Fläche“, so Blauert weiter. Und er könne sich vorstellen, dass die Stadt Espelkamp an diesem Platz mit einer anderen Nutzung besser fahre.

Flächenpool NRW

In diesem Zusammenhang ist die Bewerbung Espelkamps beim so genannten Flächenpool NRW von besonderer Bedeutung. Bereits vor einigen Jahren hat sich die Stadt für das Programm beworben und erhielt den Zuschlag. Beim Flächenpool geht es darum, unter anderem industrielle Brachflächen wieder zu reaktivieren. Eine Nutzung auch als Wohnfläche ist damit durchaus denkbar.

Vorstellbar ist vielleicht sogar ein „Erlebniswohnen“ – ein Loft in einem der alten Industriegebäude könnte bald Realität werden. Beim Flächenpool NRW wird ausdrücklich betont, dass Brachflächen „ungenutztes Potenzial“ sind. Zudem werde durch die Reaktivierung auch der Flächenverbrauch deutlich minimiert.

Nach Informationen dieser Zeitung gebe es derzeit Gespräche zwischen dem jetzigen Inhaber des Grundstücks und der Stadt. Bevor jedoch die Pläne für eine alternative Nutzung konkreter werden, muss das Grundstück natürlich noch nach Altlasten aus der jahrzehntelangen industriellen Nutzung untersucht werden.

115 Mitarbeiter

Derzeit wird in dem Adient-Werk jedoch noch produziert. Nach Angaben von Steinhoff sind in Espelkamp noch 115 Mitarbeiter im Unternehmen tätig, um der Autoindustrie zuzuliefern.

Stefan Wiegmann, Vorsitzender des Adient-Betriebsrates in Espelkamp, bestätigte die Aussage von Steinhoff. Das Werk solle zum Ende des Jahres geschlossen werden. Die Produktion werde aber wohl schon früher eingestellt.

„Die Auslastung ist geringer geworden“, bestätigte Wiegmann. Wie es dann mit dem Werk und dem Grundstück weitergehe, vermochte er zwar nicht zu sagen. Es habe aber in der Vergangenheit Ortsbegehungen gegeben, betonte er.

Stilllegung

Vor drei Jahren kündigte die Firma Adient an, das Werk 2020 stillzulegen und die Produktion unter anderem nach Slowenien auslagern zu wollen – aufgrund der dort besseren Produktionsbedingungen für Adient. Im Espelkamper Werk werden Sitz- und Lehnenpolster aus Naturfasern sowie naturfaserverstärkte Lehnenabdeckungen hergestellt. Noch im Jahr 2016 waren im Betrieb knapp 300 Mitarbeiter angestellt. Nach und nach wurde die Belegschaft abgebaut. Mit Gewerkschaft und Betriebsrat wurden für die Belegschaft ein Sozialplan und ein Interessenausgleich ausgehandelt.

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